KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 12 (1.12.1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Formalgründen diesen Antrag abgelehnt hat, vielleicht auch, weil er doch etwas Angst hat vor dem Echo, das ein solcher Beschluß in den Reihen seiner eigenen Alten Herren finden würde, dann sehen wrr, daß es Zeit ist, mit aller Energie dem deutschen Studenten ein Halt zuzurufen. Der numerus clausus wird gepredigt unter der Fahne der Selbstwehr, gegen das Aeberwuchern des Judentums in Deutschland. Aber die ihn fordern, wissen ja gar nicht, daß ein Mann wie Hünefell», den sie anhimmeln, von keiner der Burschenschaften ausgenommen worden wäre, weil er „verjudet" ist. Sie kennen die jüdische Leistung nicht, und sie kennen das Wesen des deutschen Juden gar nicht. Wenn ein Mann wie Schmadel, der bis vor wenigen Wochen der Führer der Deutschen Studentenschaft war und es darum nicht mehr ist, weil er einer gemäßigten Richtung angehört, den numeru8 elau8U8 grundsätzlich bejaht, weil die Juden in ihrer Mehrheit in Deutschland nur ihre Berufsinteressen lieben und verteidigen, dann glaube ich, kann man den Betrefferrden nicht anketzern, sondern nur bedauern ob der Unkenntnis der Verhältnisse im deutschen Volke. Wenn die Dinge so weiter gehen, wie bisher, dann treiben wir in eine Balkanisierung Deutschlands hinein. Wir wollen nicht anklagen, wir wollen warnen, daß endlich die verantwortlichen Steller« in Deutschland beginnen» den künftigen Studenten zu erziehen, wo er noch erzogen werden kann, dafür sorgen, daß insbesondere in den deutschen Schulen ein anderer Geist groß wird, der Gefühl hat für die Verbundenheit der Gemeinschaft des deutschen Volkes. Wir wollen die deutsche Studentenschaft warnen davor, daß sie hineintreibt in eine Entfremdung des Akademikertums vom deutschen Volke. Wir wollen aufrufen zu wahrer, innerer Freiheit. Wir müssen sie erinnern an die alten Ideale des Akademikers, Volksführer zu werden im wahren Sinne. Wir feiern heute unser 35jähriges Stiftungsfest. Es sind zehn Jahre her, da hat in dem gleichen Saale zu uns ein Mann gesprochen, den wir damals mit Stolz zum ersten Male im Zeichen unserer Farben sahen, Eugen Fuchs. Er rief uns damals auf, das deutsche Vaterland wieder aufzubauen, aufzubauen nach all der Erniedrigung, die wir erlitten. Wenn heute zehn Jahre vergangen sind, zehn Jahre des äußeren Wiederaufbaues Deutschlands, dann sollten wir den Ruf wieder aufnehmen als Aufruf zum inneren Aufbau, daß so, wie in den letzten zehn Jahren das äußere Deutschland aufgebaut wurde, auch im Inneren die Einheit wiederkehrt. Wir selbst wollen daran mithelfen nach dem Wahlspruch von Eugen Fuchs: Für Deutschtum und Judentum. Hl. Student und Politik. Dr. Ludwig Haas, M. d. R. (Bad.-H., Frib.-Ghib): Man muß sich auch als Alter Herr ernste Sorgen machen über die Zustände innerhalb der deutschen Studentenschaft. Man muß sich, wenn man diese Zustände richtig würdigt, die Frage vorlegen, wie es um die Zukunft des Staates bestellt sein wird, wenn ein erheblicher Teil der jungen Menschen, die später irgendwie führende Stellen im Staatswesen einnehmen sollen, diesen Staat, die Republik, entweder feindselig ablehnen» oder wenn sie zu diesem Staat ein inneres Verhältnis überhaupt nicht finden. Es ist eine Frage des Staates, ob der auf die Dauer bicfcit Zustand ertragen kann. Es fami auch das für die akademische Jugend warnend gesagt werden. Es wird eines Tages die Frage für den Staat entstehen, ob er als Führer in seinem Staate Menschen ertragen kann, die aus den Teilen der studentischen Schicht kommen, die so feindselig und so ablehnend diesem Staate gegenüberstehen. Wir wissen es und sagen es klar: Die deutsche Studentenschaft ist zusammengesetzt aus einem Teil, der mit offener Feindseligkeit der Republik gegenübersteht, einem anderen Teil ohne irgend ein inneres Verhältnis zu diesem Staate und weiter einen«. Teil, der stark und selbstbewußt und zukunftsfroh sich auf den Boden dieses Staates stellt. Ich suche die Gründe zu finden, warum erhebliche Teile der Studentenschaft zum heutigen Staate ein inneres und engeres Verhältnis nicht gefunden haben. Ich bin kein so wilder Republikaner, daß ich nicht verstehen würde, daß Aeltere. die in der Monarchie groß geworden sind, vielfach sehr schwer zu einem inneren Verhältnis zum heutigen Staate kommen. Bei Alten verstehe ich das, bei Jungen verstehe ich das nicht. Bei dem jungen Menschen soll es doch so sein, daß er vorwärts sieht, daß er voll Vertrauen, Hoffnung, Glaube in die Zukunft schaut. Wer rückwärts blickt, der ist nicht jung. Das ist nun so, daß man fast verzweifeln könnte, daß es so viele junge Menschen gibt, die sind in ihren Seelen so alt, daß sie ein glückliches Weltbild sich überhaupt nicht vorstellen können. Alle anderen leben, wenn sie aus der rückwärts liegenden Zeit sich ihre Beispiele holen. Die letzteren verstehe ich deswegen um so mehr, weil wir in Baden über alle Partcigegensätze hinweg immer ein gutes und herzliches Verhältnis zu unserer Monarchie gehabt haben. Ich schicke das voraus, um Ihnen zu sagen, wir wollen nicht hart, nicht leidenschaftlich über das sprechen, was ehedem war. Nichts wäre verderblicher, als wenn die deutsche Republik etwas schaffen würde, wie eine republikanische Geschichtsschreibung, die nun alles das schlecht machen wollte, was ehedem unter der Monarchie war. Das wollen wir nicht. Aber wir wollen deutlich und mit aller Schärfe aussprcchen: Wenn wir heute zu klagen haben über unendlich viel, wenn Millionen Menschen in schwerer Not sich befinden, wenn unsere wirtschaftliche Not groß ist, wenn noch größer unsere nationale Not ist, als Folge des ungerechten und unerträglichen Friedens von Versailles: an alledem ist nicht die Republik schuld. Alles Elend ist eine Folge des verlorenen Krieges, für den jedenfalls der Republik die Verantwortung nicht auferlegt werde«« kann. Wie kommt es denn, daß ein so großer Teil der deutschen Studentenschaft die Republik ablehnt, den Staat, den das deutsche Volk in höchster Not sich selbst geschaffen hat» um die deutsche Einheit, um den deutschen Staat überhaupt zu erhalten? Als der alte Staat zusammengebrochen war, i«icht etwa deswegen, weil die Macht der Revolutionäre so groß war, sonder«« weil niemand mehr da war, der bereit war, den alten Staat zu verteidigen, da drohte uns die Anarchie, da drohte uns das Chaos. Iir jene«« Tagen nach dein November 1918» da gab es in Deutschland nur zwei Auffassungen, die sich entgegenstanden: Kominunisten und Spartakisten auf der' einen Seite, Diktatur des Proletariats und Räteshstein russischen Musters; auf der anderen Seite standen alle anderen, vom äußersten rechten Flügel bis zum linken Flügel der Sozialdemokraten. Die sagten, das deutsche Volk soll sich eine Nationalversammlung wählen, und diese soll kraft eigenen