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KC-Mitteilungen · 1929-11-01 · Heft 11 (1.11.1929) · p. Seite 89

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 11 (1.11.1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 89 (sequence 5)
Language
German
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80 Kein Beitritt von Wehvschaften zum U. C. Anter der Aeberschrift: „Spaltung in der Wehrschaft" (Mitteilungen Nr. 9/10 1929) findet sich der Satz: „Die meisten dieser (ausgetretenen) Verbände bilden eine neue Interessengemeinschaft; ein Teil hat sich dem V. C. angefchlossen." Das Presseamt des V. C. schreibt uns wie folgt: „Hierzu teile ich Ihnen ergebenst mit, daß dies letztere nicht zutrifft und daß keiner der in Ihrem Bericht genannten, aus der Deutschen Wehrschaft ausgetretenen Verbände dem V. C. angeschlossen ist." Regierungsprast-ent Friedensürrrg über den deutschen Studenten. Der Kasseler Regierungspräsident gehört zu den wenigen Persönlichkeiten, deren Stimme man nicht überhören soll, weil er auch dem etwas zu sagen weiß, der nicht genau der gleichen Parteifahne zugeschworen hat. 3m „Tagebuch" hat er kürzlich Auslassungen über das Thema „Der deutsche Student" veröffentlicht. Die Anlässe, aus denen man von einer Sache Aufhebens macht, sind nicht immer die erfreulichsten, und wenn sich ein Politiker wie Friedensburg gedrungen fühlt, den deutschen Studenten in den Rahmen seiner Untersuchung zu spannen, so kann schon vermutet werden, daß nicht nur Lobpreisungen der Feder des Referenten entfließen werden. Für den, der mit Friedensburg auf dem Boden unbedingter Verfassungstreue steht, bedeutet es ja leider keine Neueinstellung, sich mit der Mehrheit der heutigen Studentenschaft kritisch auseinandersetzen zu müssen. Für Friedensburg ist denn auch die starke Problematik, die nn Verhältnisse des heutigen Studenten zum heutigen Staat sich birgt, ein so allgemein bekanntes Faktum, daß er sofort mit der Erörterung des Problems selber anhebt, ohne erst darauf aufmerksam zit machen, daß überhaupt hier eine Problematik liegt. Den Schwerpunkt aller Mißlichkeiten verlegt er ausschließlich ins Dasein der Korporationen, so daß seine ganze Auseinandersetzung mit dem deutschen Studenten in Wahrheit zur Untersuchung über den Korporationsstudenten wird. Hier muß auf eine kleine Unebenheit hingewiesen werden, denn es trifft nicht zu, daß nur in Korporationskreisen die Verfassungsfeindschaft wuchert. Die nichtkorporativen Organisationen, wie die völkische Finkenschast, sind in ihrer zahlenmäßigen Stärke schließlich auch nicht zu übersehen und' geben an Starrheit der reaktionären Haltung den farbentragenden Gesinnungsbrüdern nichts nach. Für Friedensburg erklärt sich vieles, wenn nicht alles, an der politischen Einstellung der Studentenmehrheit aus der Art ihrer korporativen Daseinsführung. Grundsätzlich ist nun dazu vom K. C.er-Standpunkt zu bemerken, daß wir, die wir ja auch Korporation sind, uns von seiner Kritik nicht getroffen fühlen können, schon weil unsere Stellung zur Reichsversassung gerade die bei den andern vermißte positive Bejahung zeigt. Auch erweist sich unsere korporative Daseinsgestaltung in manchen Punkten wesentlich verschieden von dem, was Friedensburg als typisches Bild im Lager der andern malt. Es mag drum festgestellt sein, daß mit allem dem, was Friedensburg unter der Bezeichnung „Korporalionsstudent" begreift, jener reaktionäre Teil der Studentenschaft verstanden wird, zu dessen politischer Gebarung wir soviel Abstand haben, daß wir uns außerhalb der an ihm geübten Kritik empfinden dürfen. Zu den Typen, die Deutschlands Unbeliebtheit in der Vorkriegswelt gefördert haben, gehörte sicherlich auch der Korporationsstudent im schlechten Sinne. Im schlechten Sinne» — das heißt nicht etwa» der Korporationsstudent als solcher, wohl aber dann» wenn er, wie Friedensburg es ausdrückt, „die merkwürdige Mischung von guten Manieren und roher Taktlosigkeit, die den deutschen Gebildeten so oft auszeichnete".... zur Schau trug. Die Verneinung des heutigen Staatsempfindens erklärt sich schon aus dieser Pflege einer starr dressierten Korrektheit, die oft nur der eitlen Ueberheblichkeit dient, und nicht etwa dem Bestreben, sich mit dem Nachbarn auf geschliffene Art zu verständigen. Aus der unbeirrbaren Konservierung ältester und allerältester Lebensformen erklärt sich ferner der Mangel an kritischer Denkfähigkeit, das Unvermögen, Umwälzungen in ihrer gedanklichen Tiefe zu begreifen. Und wer zugleich damit gewöhnt wird, das eigene Leben in streng exklusive Bahnen zu leiten, sich zu abstrahieren von der Gruppe der „Couleur- und Satisfaktionsunfähigen", wie soll er nun zu einem Staat sich stellen, der auch andere Bevölkerungsschichten zur Bedeutsamkeit gelangen läßt und an seine Spitze gerade jene Klasse der „Unebenbürtigen" beruft? Auch die forcierte Sorglosigkeit, mit der manch einer der Studenten sein dolce far niente inmitten des Volkselends spazierenführt, ist nicht immer dazu angetan, das soziale Verständnis zu wecken oder gar zu fördern. Friedensburg empfindet als unheilvoll sodann den Ungeist der Bierkneipe, den er trotz mancher Verbandsbeschlüsse für keineswegs gebannt hält, und der sich schlecht mit intellektueller Bestrebtheit vertragen will. Hören wir ihn darüber selber: „Der Kult, der mit der Bierstimmung getrieben wird und der manchen Alten Herren bis zum Lebensende nicht mehr verläßt, lähmt bei der suggestiven, planmäßigen und langdauernden Beeinflussung der jungen unsicheren Menschen das Streben nach Kultivierung und Vergeistigung. Der eherne Zwang, den der Präses oder Fuchsmajor, schließlich sogar jeder ältere gegenüber dem jüngeren ausübt, dieser Zwang, der oas Kennzeichen der ' geordneten Kneipe ist, stärkt auch die in unserem Volke ohnedies so ausgeprägte Neigung, zwischen großmäuliger Ueberheblrchkeit und kritikloser Servilität hin und her zu schwanken. Nirgends wird die Phrase so konsequent gepflegt» wie in der studentischen Kneipe, zweifellos mit ernstestem Nachteil für den ganzen Akademikersland und damit für das deutsche Volk." Er weist des weiteren auf ein anderes Moment hin, das in vielen Studenten den Gedanken ihrer Höherwertigkeit Hervorrufen muß. Das ist die Privilegierung, die dem Korporationsstudenten in tatsächlicher Beziehung einaeräumt wird, indem man die Gesetze, die die Auswüchse studentischen Treibens bedrohen, gar nicht oder nur mit Laxheit anwendet. Selbst die Organe des Volkes, die ausführenden Behörden, respektieren die ungeschriebene Norm, die dem duellierenden und randalierenden Musensohn größte Nachsicht gewährt. Friedensburg wirft die Frage auf, ob die Anschauung vom studentischen Sonderrecht sich im Bewußtsein des Volkes widerspiegle oder ob dieser Langmut nur der Trägheit des Herzens entstamme? Er halt es mit der letzten Meinung und verlangt, daß in Zukunft die Gesetze des Staates in gleicher Schärfe gegen alle Bevölkerungsschichten angewandt werden müßten. Er fordert aber noch viel mehr. Er will den Staat zur Offensive aufrufen, und mittels Versagung von Baukonzessionen für

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