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KC-Mitteilungen · 1929-11-01 · Heft 11 (1.11.1929) · p. Seite 86

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 11 (1.11.1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
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80 diesen Erwägungen heraus hat der Provinzialverband Brandenburgischer K. C.er in einer seiner letzten Ausschußsitzungen beschlossen, innerhalb des Verbandes Berufsgruppcn zu bilden, die die Angehörigen gleicher Berufe zusammenfassen und ihnen die Möglichkeit bieten sollen, gemeinsame berufliche Interessen gemeinsam zu pflegen. Werden diese Gruppen richtig ausgebaut und geleitet, so haben sie vielfache Möglichkeiten, den wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder zu dienen. Die Beratung von jüngeren Kartellbrüdern, die sich niederlassen, die Vermittlung von Vertretungen, der Nachweis von freien Stellen sind nur einige Beispiele, die sich leicht vermehren lassen. Auch' die Veranstaltung von Ausspracheabenden über Berufsfragen wird sicherlich von vielen Kartellbrüdern dankbar begrüßt werden. Gelegentlich der Wahlen zu Standesvertretungen und Standesvereinen werden diese Gruppen wertvolle Arbeit leisten können, während allerdings die Frage, ob sie sich auch nach außen standespolitisch betätigen sollen, wohl nur von Fall zu Fall entschieden werden kann. Auf diese Weise wird auch erreicht werden, daß die einzelnen Berliner Alten Herren des K. C. sich mehr als bisher untereinander persönlich kennenlernen. Allerdings wird es unter so vielen K. C.ern niemals möglich sein, daß jeder jeden kennt. Die Folge davon ist, daß derjenige, der kartellbrüderlicher Hilfe bedarf, oft nicht recht weiß, an welchen Kartellbruder er sich wenden soll. Ich denke dabei nicht einmal in erster Linie an diejenigen Fälle, in denen es auf materielle Hilfe ankommt; für diese Fälle sorgen ja die einzelnen Alt-Herren-Verbände, und sorgt auch die K. C.-Hilfskasse im Rahmen ihrer Mittel. Aber viel zu wenig ist bekannt, in wie vielen Fällen Hilfe anderer Art gebraucht wird, wie oft Kartellbrüder nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen, wenn sie seelischer Hilfe, der Beratung in einer schwierigen Lebenslage oder freundschaftlicher Aussprache bedürfen, hier ist noch ein weites Feld für die Betätigung praktischer Kartellbrüderlich keit, und auch auf diesem 'Gebiet wird der Provinzialverband diejenigen Vorkehrungen treffen, die es dem einzelnen ermöglichen, kartellbrüderliche Hilfe und Beratung ohne Scheu da in Anspruch zu nehmen, wo es notwendig ist. Aeber die einzelnen Maßnahmen und ihre praktischen Auswirkungen soll berichtet werden, sobald die neuen Einrichtungen ins Leben getreten sind. Sie sollen den Gedanken in die Tat umsetzen, daß das Gefühl der Kartellbrüderlichkeit nicht dahinschwinden darf mit der kurzen Zeit rasch durchlebter Studentenjahre, sondern immer wieder aufs neue betätigt werden muß im praktischeil Leben. IniEiai flfeademHche und öligem, nacfiricfiten Der Kampf »»»« den numerus clausus. Lenkt Ungarn ein? — Deutsche Hochschulen versperren sich ungarischen Studenten. Daß es so etwas wie einen numerus clausus überhaupt noch gibt, ist beschämend für das ganze Jahrhundert, das seine Entstehung sah. heute, nach-' dem Lärm und Trubel der Amsturzjahre allmählich abgeklungen sind, spukt noch immer im deutschen Vaterland die haßverzerrte Wahnidee, man müsse die Juden und die Wissenschaft voneinander abschnüren. Daß dieses Vorgehen, abgesehen von seiner brutalen Zerstampfung verbriefter Menschenrechte, einen empfindlichen Schaden nicht nur für die Juden, sondern auch für die Wissenschaft bedeuten würde, sehen seine Befürworter offenbar nicht ein, weil sie zu solcher Einsicht entweder nicht willens oder nicht imstande sind. Beides ist gleichbedeutend, wenn man bedenkt, daß die Hauptschreier gerade die Kreise sind, die sich selbst als oberste Sachwalter wissenschaftlicher Interessen empfinden, ohne doch die Grundregel jedes geistig Bemühten zu verstehen: Erhaben über jeden Parteizwist die reine Wahrheit und Objektivität erstreben! Der bayerischen Studentenschaft gebührt der traurige Ruhm, sich zum Anwalt einer mittelalterlichen Anduldsamkeit gemacht zu haben, die sich im Verlangen nach Einführung des numerus clausus auf deutschen Universitäten dokumentierte. Der 12. deutsche Studententag zu Hannover, dem seitens der Würzburger und Erlanger Studentenschaft dieser Antrag vorgelegt wurde, hat sich eine schimpfliche Blamage erspart, als er den Antrag ablehnte. Von 174 Stimmen sprachen sich 102 dagegen aus. Leider waren es überwiegend formale Gründe, die den völkischen Vorstoß zum Scheitern brachten; der Studententag ist einer unmittelbaren Klarlegung seiner grundsätzlichen Einstellung demnach ausgewichen. Wir glauben übrigens trotz mancher trüber Erfahrungen noch an den gesunden Sinn unserer Kommilitonen, der sie schließlich in letzter Sekunde doch wohl vor Unbesonnenheiten zurückschauern läßt, deren Tragweite sie sich vorher nicht immer genügend klargemacht haben. Das Verlangen der bayerischen Studentenschaft muß nicht nur als unakademisch gebrandmarkt werden, es entspricht auch allem andern eher als deutscher Gesinnungsart. Steckt doch in dem Drang, den jüdischen Mitstuoenten auszuschalten, ein gut Teil Scheu darin, sich mit ihm, dessen geistige Ueberlegenheit man fürchtet, auf geistigem Gebiete zu messen. Statt in ehrlichem Kampfe oas Ringen mit ihm aufzunehmen, will man mit Hilfe plumper- Majorisierungsversuche sich den Konkurrenten vom halse schaffen. Deutsch ist das nicht — und national gehandelt heißt es auch nicht, wenn man sich dieses probate Mittelchen erst aus dem Ausland verschreiben muß, noch dazu aus einem Ausland, über dessen Kulturniveau man sonst so gern die Nase rümpft. Sich mit Rumänen oder Polen zu vergleichen, steht einem teutschen Recken sonst nicht an, aber die Manier, wie man dort auf die Juden spuckt, hat man ihnen gründlich abgeguckt. Man verfolgt dort drüben die zwar unesetzliche, aber desto ungestörter geübte Methode, ei den sogenannten Qualifikationsprüfungen gerade die jüdischen Hochschulaspiranten massenweise durchfallen zu lassen — numerus clausus auf kalte Art. So kommt es, daß in Rumänien und Polen die jüdischen Studenten zu 90 Prozent vom Aniversitätsbesuch ausgeschlossen sind — in Polen wird diese Methode hauptsächlich von den medizinischen Fakultäten gepflogen. Die Handvoll Juden, die den dortigen Universitäten angehören dürfen, werden dafür wenigstens in wiederkehrenden Zeitabständen verprügelt und

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