KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 9-10 (30.9.1929)
- Date
- 1929-09-30
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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80 waren zwar anfangs eingeladen worden, als aber die rechtsradikalen Teile der Studentenschaft sich weigerten, gemeinsam mit den freiheitlichen Studenten an der Feier teilzunehmen, hatte man sie nachträglich wieder ausgeladen. Der verantwortliche Vertreter des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge, Regierungsrat Weis;, hatte unverständlich erweise die Forderung der rechtsradikalen „deutschen Studentenschaft" nicht zurückgewiesen, sondern ihr nachgegeben, obwohl die Verweigerung einer gemeinsamen Totenehrung beispiellos genannt werden muß. Auf eine Anfrage an die Reichsregierung hat der Reichsminister des Innern nunmehr die Antwort erteilt, das; die Eingaben des Regierungsrates Weiß und des Verwaltungsinspektors der Universität Berlin voneinander abwichen. Die Reichsregierung mißbilligt das Verhalten des Volksbundes und schließt ihre Mitteilung mit folgenden Worten: „Die vom Volksbund für die Absage an die freiheitliche Studentenschaft angeführten Gründe vermögen nach Ansicht der Reichsregierung das Verhalten des Ausschusses nicht zu rechtfertigen. Der Volksbund ist entsprechend verständigt worden. Im übrigen glaubt die Reichsregierung, nachdem der Volksbund zugesichert hat, Vorkommnissen dieser Art in Zukunft vorzubeugen, von weiteren Maßnahmen absehen zu sollen." Richard Wagner als Nationalsozialist. Den „Abwehrblättern" (Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus) entnehmen wir die nachstehende amüsante Studie: „Jom- Stolzing-Cer ny, der in den Spalten des „Völkischen Beobachters" den sozusagen literarischen Teil verwaltet, ersetzt seinen Lesern seit langem durch die von ihm getroffene Auswahl des Stoffes, vor allem aber durch die Beiträge aus feiner eigenen Feder die dem Litler-Blatt bislang noch fehlende humoristische Ecke. Einen der possierlichsten Sprünge vollführt er anläßlich einer Aufführung des Wagnerschen „Ringes der Nibelungen" bei den Münchener Festspielen im Prinzregenten-Theater. Er begnügte sich nämlich nicht mit einer Kritik der Aufführung, sondern gräbt tiefer, sucht und findet für den Mythus des Ring-Dramas eine völlig neue Erklärung und stempelt dadurch Richard Wagner im Handumdrehen zu einem handfesten und gesinnungstüchtigen Nationalsozialisten. Indem er den Ring des Nibelungen „aus der metaphysischen (!) Sphäre in die Welt der Erscheinung zurückprojiziert" (!), erkennt er, „wie hochbedeutend just dieses Werk des Bayreuther Meisters für unsere nationalsoziale Lebensanschauung ist". (Herr Cerny liebt offenbar die amtliche Parteibezeichnung „national sozialistisch" nicht und setzt dafür unterm Strich lieber schamhaft das geklaute Wort „nationalsozial". Gut, daß Friedrich Naumann schon tot ist!) Hern Kbr. Walter B. Meyer, Rhen. - Pal., Uhen.-Guestphal. bittet uns festzustellen, daß die in der letzten Nummer abgedruckte Annonce des Sanatoriums Dr. Schütz durch ein Versehen der Schriftleitung erschienen ist. Herr Kbr. Meyer hat seit August vorigen Jahres nichts mehr mit dem erwähnten Sanatorium zu tun und übt in Wiesbaden, Taunusstr. 6 seine Tätigkeit als Facharzt für innere und Stoffwechselkrankheiten aus. Platzgründe verbieten uns leider, dem kundigen Kommentator durch den ganzen „Ring" zu folgen. Wir müssen uns damit begnügen, unseren Lesern zu verraten, das; sie kiinftig beim Besuch einer „Ring"-Aufführung sich folgende Rollenverteilung vor Augen halten müssen, um zum vollen Genus; zu kommen: Wotan — „die Verkörperung einer zum Untergang reifen Welt, also sagen wir der bürgerlichen des alten Deutschlands, die durch die Auswirkung des Frankfurter Friedens zu einem für das deutsche Volk bisher unerhörten Reichtum gelangte". A l b e r i ch , Mime, „die M i s ch l i n g e" H u n - ding und Hagen — „die Dämonen der Unterwelt, das I u d e n t u nt und seine Helfershelfer, die die Herrschaft des bürgerlichen Deutschlands unterwühlen". S i e g m u n d — „die ruhmreiche Armee des alten Deutschlands". F r i ck a —„die althergebrachte Gesellschaftsordnung". Brünn Hilde — „die Verkörperung der deutschen Seele, die das bürgerliche Deutschland unter einem hurrapatriotischen Phrasenfeuerwerk — Feuerzauber — einschläfert". Siegfried „die Verkörperung das nationalsozialen (lies: nationalsozialistischen) Deutschland". Leider ist die Prognose für dieses nationalsozialistische Deutschland laut Kommentar zur „Götterdämmerung" nicht besonders günstig. Stolzing-Cerny sagt nämlich seinem „nationalsozialen" Siegfried nach: „er verliert sich an minderwertig Fremdes, sogar Schlechtes, bricht nicht nur seine Ehe mit Brünnhilden, sondern treibt sie sogar, das hehrste Weib der Welt, in das Brautgemach eines entarteten feigen Königs, um selbst eine zweite Ehe mit dessen Schwester, einem niederrassigenLu st Weibchen, einzugehen, und schwört endlich einen Mein ei d." Die letzte von diesen Feststellungen hat etwas für sich. Wenn auch für die übrigen Analoga aus den mystischen Andeutungen Cernys der jeweilige Partner nicht so leicht abgeleitet werden kann — denn uns fehlt offen gesagt der hohe Gedankenflug, auf dessen Schwingen er sich tragen läßt für den meineidigen Repräsentanten des Nationalsozialismus mindestens kann der Kapitän E r h a r d t in der Tat Modell gestanden haben." Ans anderen Verbanden Der Snrfchendnnds-Canvent (K.C.) hielt seinen diesjährigen Burschenlag in Prag ab. Von den Beschlüssen des Burschentages haben die folgenden allgemeines Interesse: 1. Infolge seiner grundsätzlichen Enthaltung von jeder Parteipolitik, die er als Voraussetzung großdeutscher Einstellung betrachtet, erklärt der B. C. die Zugehörigkeit seiner Korporationen zum Deutschen Studentenverband für unstatthaft. 2. Die B. C.-Korporationen nehmen in Volleouleur mit Chargierten an den von den Behörden des Staates, der Stadt oder der Hochschule ihres Wohnsitzes veranstalteten offiziellen Feiern des Verfaffungstages teil. Katholische Studenten «nd D. St. Die Stellungnahme der großen katholischen Korporationsverbände zu dem Verlauf und den Ergebnissen des Studententages in Hannover legt für den C. V. (Eartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen) Referendar Hans Lang in