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KC-Mitteilungen · 1929-09-30 · Heft 9-10 (30.9.1929) · p. Seite 79

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 9-10 (30.9.1929)
Date
1929-09-30
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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79 „Ringes" größere Ehrfurcht zu bezeugen als dem Idol der Staatsgesinnung. Der Erfolg dieses erquicklichen Disputes war, daß im selben Augenblick, als die Aulatüren sich zum Empfang der Chargierten öffneten, die Rheno-Guestphalen als einzige in den Saal schritten, die betreffende katholische Verbindung aber umkehrte und über die Nebentreppe abzog. Der Wahrheit zu Ehren muß bemerkt werden, daß einige katholische Studenten in Couleur der Feier beiwohnten, im übrigen aber vollzog sich der Festakt vor zahlreichen Professoren und Studenten, unter völliger Abwesenheit der Kölner Korporationen, von denen nur unsere Kartellverbindung eine rühmliche Ausnahme machte. Dem Verlauf der Feier hat dies sicherlich nichts geschadet. Jene Lerrcn Kommilitonen, die mit dem großen Achill nur die Schmollsucht gemeinsam haben, werden es vielleicht zu spät erst merken, wie sehr der eigenen staatsbürgerlichen Leranbildung ihr wenig würdevolles Verhalten Abbruch tut. Interessant ist das Echo, das diese Vorgänge in Universitätskreiscn und weit darüber hinaus geweckt haben. Ein dortiger Professor, dem die hervorstechende Sonderstellung unserer Kartellverbindung ausgefallen war, erkundigte sich am nächsten Tage nach dem Namen der betr. Verbindung, und äußerte, als man ihn nannte, den Wunsch, einmal dort eingeladen zu werden. Auch die Kölner Presse hat über die Feier mit den geschilderten Einzelheiten berichtet. Das „Kölner Tageblatt schreibt: „Ob die Verbindungen chargieren? Frage, die sich einem ängstlich aufdrängt, wenn man unwillkürlich in solchen Augenblicken an den nun schon jahrelangen Zwiespalt innerhalb der deutschen Studentenschaft zurückdenkt. Eine Frage, die man sich gelöst denken möchte — gelöst in jener Zeit, da das deutsche Volk sich rüstet, die zehnjährige Wiederkehr des Weimarer Verfaffungstages zu feiern. Was aber geschieht? Eine einzige Fahnengruppe zieht ein, die Chargierten einer jüdischen Verbindung. Das ist alles. Wo sind die katholischen Korporationen? Einige ihrer Vertreter sind zwar in Couleur im Saale oder droben auf der Empore; das Chargieren aber, das hier wie eine Selbstverständlichkeit angemutet hätte, unterbleibt. Man fragt sich, warum? Und wohl nicht ganz unmotiviert drängt sich der Gedanke auf: Wo stehen die heutigen Führer der katholischen Korporationen? Man wäre es allein schon dem ihren Reihen nahestehenden Redner schuldig gewesen. Chargierte zu entsenden, um dieser Feststunde einen weiteren Rahmen zu geben. Man mag dem Amstand, daß ausgerechnet der vorletzte Tag des Semesters zu dieser Feierlichkeit gewählt wurde, einen Teil der Schuld zuschieben. Doch vermag das alles nichts an der Tatsache zu ändern, daß hier etwas versäumt wurde, was nicht hätte versäumt werden dürfen. Es bleibt trotz alledem die Loffnung, daß man selbst bei den noch teils bewußt, teils unbeabsichtigt Abseitsstehenden lernen wird, um der Einigkeit des Volkes willen seine Eigenwilligkeit zum Opfer zu bringen. Wird man das vorerst von den völkischen Verbindungen auch nicht erwarten können, so doch von den katholischen Korporationen, deren Zentrumsabgeordnete an dem Werke von Weimar ebenso herzhaft mitgearbeitet haben wie die Vertreter der anderen . Verfassungsparteien." Fm Kölner „Lokalanzeiger", einem Zentrumsblatt, finden sich folgende Bemerkungen: „Fn politischer und völkischer Verblendung beschlossen die Vertreter eines größeren Teiles der Studentenschaft letzte Woche in Lannover, den Verfassungsfeiern der Universitäten fernzubleiben. An -der Kölner Feier nahmen von rund 6000 Studierenden nur etwa 300 teil. Von de «Korporationen hat als einzige eine jüdische Korporation chargiert. Eine solcheMißachtung des V erfafsun g stages des deutschen Volkes hätte sich dieKölnerStudentenschaft nicht lei sie n sollen, just zur Stunde, wo die Bevölkerung Kölns durch ihre Vertreter im Stadtparlament große Geldopfer für den Neubau der Universität verfügbar macht. Fn Bonn haben wenigstens die katholischen Korporationen an der Verfassungsfeier teilgenommen. Di e Laltung der Kölner Korporationen ist tief beschämend. Die gedankentiefe Festrede von Prof. Ebers wäre geeignet gewesen. Mißtrauische zum Nachdenken zu bringen und jugendliche Abneigung gegen den Volksstaat von Weimar zu beseitigen. Es ist dringend zu wünschen, daß die deutsche Studentenschaft sich endlich in die Gliedschaft des deutschen Volkes einreiht, das Jahr um Fahr Millionenopfer für die deutschen Studenten zur Verfügung stellt." Die ebenfalls dem Zentrum nahestehende „Kölnische Volkszeitung" rügt die Vorgänge mit folgenden Worten: „Die Teilnahme an den gestern veranstalteten akademischen Verfassungsfeiern der Universitäten Bonn und Köln entsprach nicht den Erwartungen, die man hierfür hegen durfte. Am wenigsten in Köln. Lier nahm überhaupt nur eine jüdische Studentenkorporation an der Feier in der Aula der Universität teil, und ihre Chargierten hoben das Banner und zogen dieDegenbeider vaterländischen L u l d i g u n g. Die übrigen Studentenkorporasionen waren der Veranstaltung ferngeblieben. Als Grund wurde dafür angegeben, daß die Feier unmittelbar vor Beginn der Sommerferien angesetzt gewesen sei. Zugegeben, daß die Wahl eines geeigneten Tages, da der eigentliche Verfassungslag in die Ferien fällt,'für eine Verfassungsfeier in den Universitäten und sonstigen LochschulenSch wierigkeiten bereitet. Aber diese Schwierigkeiten bätten seitens der Studenten angesichts des zehnjährigen Bestehens der deutschen Reichsverfassung überwunden werden müssen! Auch hätten die katholischen Studentenverbindungen der Tatsache Rechnung tragen sollen, daß es ein aus ihren eigenen Reihen hervorgegangener angesehener Professor war, den die Universität für die Verfassungsrede ausersehen hatte. Gerade bei solchen Anlässen sollten die Akademiker dem Volke doch das Beispiel der festgefügten Einheit und Einigkeit geben. Welch betrübenden und entmutigenden Eindruck muß es doch auf weite Volkskreise machen, wenn sie sehen, daß ihre jetzigen und künftigen Lehrer, Berater und Führer sich bei einer vaterländischen Kundgebung protestlerisch fernhalten und den geistigen Kontakt mit dem Volke vermissen lassen!" Auch die beiden volksparteilichen Blätter heben die Tatsache hervor, daß lediglich eine jüdische Korporation der Verfassungsfeier beiwohnte. Wir glauben, die einzige Erkenntnis, die unsere Gegner aus diesen Ereignissen ziehen werden, wird wieder einmal die Feststellung sein, daß eben überall die Juden dabei sein müßten, und daß die deutsche Republik in Wahrheit eine Judenrepublik wäre. Verweigerung gemeinsamer Totenehrung. Bei der diesjährigen Feier des Volkstrauertages im Reichstag, die vom Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge vorbereitet worden war, hatte man, wie seinerzeit berichtet wurde, der freiheitlichen Studentenschaft eine Beteiligung unmöglich gemacht. Die Vertreter der freiheitlichen Studentenschaft

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