KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 9-10 (30.9.1929)
- Date
- 1929-09-30
- Page
- Seite 78 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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78 den Geboten und Gebräuchen des Judentums so nah verwandt, das; er an eine Verschmelzung beider Religionen glauben wollte. Seine heutigen Nachkommen sind um jo weiter entfernt von dem genannten Grundsätze, den auch er als einen der edelsten unserer Lehre erkannt hat: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst". R. £>. Eine Kundgebung des jüdischen Studenten Vereins. Der Jüdische Studentenverein in Berlin hat, wie die Ita berichtet, auf seiner letzten Versammlung die folgende Resolution gefaßt: „Der Jüdische Studentenverein Berlin protestiert mit der Iudenheit der ganzen Welt gegen die blutigen Ereignisse in Palästina, denen so viele kostbare Menschenleben aus den Besten unseres Volkes zum Opfer gefallen sind. Der Jüdische Studentenverein gelobt, alle seine Energie für den friedlichen Aufbau des Judentums in Palästina aufzuwenden und fordert die jüdischen Akademiker der ganzen Welt auf, ihr Können und Wissen dem großen nationalen Aufbauwerk zur Verfügung zu stellen." Daß wir hinsichtlich des Protestes gegen die Greueltaten mit obiger Resolution einig sind, ist bereits gesagt und bedarf hier keiner näheren Darlegung. Wie wir über das „nationale Aufbauwerk" denken, mag hier ebenfalls einstweilen beiseite bleiben. Nur auf eines möchten wir bei dieser Gelegenheit aufmerksam machen. Der sogenannte „Jüdische Studentenverein" firmiert unter einer etwas irreführenden Bezeichnung, denn er ist eine Zusammenfassung der ostjüdischen Studierenden. Dadurch wird er zwar um nichts minderwertiger, aber es würde sich doch empfehlen, einmal einen aufrichtigeren Namen zu wählen, der mit größerer Deutlichkeit erkennen läßt, daß es sich hier nicht um eine Gesamtorganisation der jüdischen Studenten schlechthin handelt. Wer mit den Verhältnissen weniger vertraut ist, kann leicht den Eindruck gewinnen, als sei alles, was durch diesen Verein verlautbart wird, offizielle Aeußerung sämtlicher jüdischen Studenten, während in Wirklichkeit doch nur ein sehr geringer Prozentsatz davon den Bestand dieses Vereins bildet. Bericht über -er» K. C.-Sportmartkirrs irr Leipzig. Die Streichungen, die der letzte K. C.-Tag dem Sportetat brachte, haben, so unwahrscheinlich es auch klingen mag, eine segensreiche Aenderung bewirkt. Anstatt der 'wenig ergiebigen Sportfeste will der K. C. nunmehr regelmäßige Kurse ansetzen, die jeder Verbindung einen ausgebildeten Sportwart schaffen soll. Dieser Plan des K. C.-Sportwartes würde damit einem alten Aebelstande abhelfen und den Sportbetrieb im K. C. außerordentlich heben. Noch blieb die Frage offen, ob man mit beschränkten Mitteln Kurse abhalten könne, die den gestellten Anforderungen vollkommen entsprächen. In diesem Sinne ist der erste Kurs in Leipzig vom 29. Juli bis 7. August 1929 nur als Versuch gedacht, den wir Teilnehmer aber mit ruhigem Gewissen als glänzend gelungen ansehen können. Schon der Ort war gut gewählt. Denn das Institut für Leibesübungen an der Universität Leipzig bekommt durchschnittlich 80 Prozent aller Studierenden auf den Sportplatz hinaus. Wie sehr dieser Umstand für die Leipziger Sportlehrer und deren Methode spricht, wird jeder Akademiker selbst ermessen können. Wir waren neun K. C.er aus allen Teilen des Reiches, wobei nicht unerwähnt bleiben soll, daß neben anderen Verbindungen Bonn und Berlin keinen Vertreter entsandt hatten, die diese Methoden 10 Tage lang kennen und schätzen lernten. Soweit es die kurze Zeit erlaubte, unterwies man uns in fast allen Zweigen der Leibesübungen, mit Gymnastik und Leichtathletik angefaugeu, denen in bestimmter Reihenfolge Spiele, Geräteturnen, Boren, Ringen,'Schwimmen und anderes folgte, hinzu" kamen noch Vortrüge über Sportmedizin und Geschichte der Leibesübungen. Jede Minute dieser Tage war genau eingeteilt, denn nur so konnte man den umfangreichen Stundenplan verwirklichen. In den Stunden selbst gingen Lehrende und Lernende mit Eifer an die Arbeit, und daß es Arbeit war, das spürte jeder am eigenen Körper. Es war kaum nötig, uns ein frühes Schlafengehen zu empfehlen. Die Natur forderte schon ihr Recht. Wir waren alle gemeinsam im Universitätsbootshaus untergebracht, so daß wir während der ganzen Dauer des Kursus eine geschlossene Gruppe bildeten. Ansere Sportkleidung, die wir selten mit dem gewöhnlichen «Straßenanzug vertauschten, und die uns dadurch von der Außenwelt etwas abschloß, trug noch mit dazu bei, diese Geschlossenheit zu fördern. So lernten sich in diesen 10 Tagen, in denen sie aufeinander angewiesen waren, Licaren und Bavaren, Friburgen und Neofriburgen, Thüringen und Rheno-Palaten, Saxo-Bavaren und Viadrinen genau kennen. Sie tauschten Gedanken und Erfahrungen miteinander aus und knüpften ein neues Band für die Zusammengehörigkeit der weit zerstreut liegenden K. C.-Verbindungcn. Und wenn in diesen Gesprächen deutliche Unterschiede der einzelnen Verbindungen zu Tage traten, so fanden sich doch alle auf dem Boden der K.C.-Ziele zusammen. Der Abschied, der uns mit den Saxo-Bavaren auf ihrer schönen Kneipe zusammenführte, brachte das deutlich zum 'Ausdruck. So werden die K. C.-Sportwartkurse, 'Sie hoffentlich regelmäßig beibehalteu werden, dienen dem K. C.- Sport, der dadurch seine Führer bekommt, und dem K. C.-Gedanken. Adolf R u b i n st e i n (Frib.) Ueesaffünssfeier der Kölner Universität. Einige Vorgänge, die sich bei der diesjährigen Verfassungsfeier der Kölner Universität abgespielt haben, verdienen festgehalten zu werden, weil sie wieder einmal ein bezeichnendes Licht auf die Mentalität derjenigen Studentenkreise werfen, die das Nationalgefühl in Erbpacht zu besitzen glauben. Der Lannoveraner Studententag hatte beschlossen, an den akademischen Verfassungsfeiern nicht teilzunehmen. Es war demnach nicht zu erwarten, daß in Köln — oder auch anderswo — die zur „D. St." sich zählende Studentenschaft auf dem Platze sein würde, wenn es galt, der vaterländischen Staatsform die gebührende Ehre zu erweisen. In Köln besteht der sogenannte „Ring Kölner Korporationen", der die rechtsgerichteten Studentenkreise umfaßt; unsere Kartellverbindung „Rheno-Guestphalia" ist als einzige Kölner Verbindung außerhalb des Ringes Wohl aber gehören zu ihm die im „Katholischen Ring" zusammengeschlossenen katholischen Korporationen. Als am 29. Juli d. I. die akedemische Verfassungsfeier stattfand, da war die einzige Korporation, die in Wichs chargierte und vollzählig mit Aktiven und Inaktiven zur Stelle war, unsere l. K. V. „Rheno-Guestphalia". Erschienen freilich waren auch die Chargierten einer katholischen Verbindung. Wie unsere Kölner Kartellbrüder berichten, trafen sie bei ihrer Ankunft die katholischen Kommilitonen gerade in eifriger Verhandlung mit einigen Lerren vom Korporationsring, die sie bei allen guten Geistern beschworen, doch ja dem Willsn des