KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 9-10 (30.9.1929)
- Date
- 1929-09-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2822870-2822924-2822929--656-2823705- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
K.C.-Mitteilungen Mitteilungsblatt der im Kartell - Convent der Verbindungen deutlcker Studenten I Bezug nur gemeinsam mit den A. L.» I I Blättern. Bezugspreis halbjährlich I 2,60 Mark zuzügl. 0,50 M. Postgebühr. I I Abonnementsdestellongen durch den ver» |lag und das K.L.«BLro. jiidiidien Glaubens vereinigten Korporationen. I Anzeigen-Annahme durch den Verlag und das K. <L -Büro. Preis M. für die einfach gespaltene Zeile nach Rudolf | Masse Zeilrnmesser Nr. >5. .Die Verbindungen im X. L. stehen auf dem Boden deutschoaterländischer Gesinnung. Sie haben zum Zweck den Kampf gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewußten Juden, -die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur» und Rechtsgemeinschaft mit dem deutschen Vaterland unlöslich verbundenen Volkstetl bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutreten. — Der K. <£. lehnt die Bestrebungen zur Lösung der deutschen Judenfrage außerhalb Deutschlands ab. — Zu politischen und religiösen Sondrrbrstrebungen innerhalb des Judentums nehmen die Verbindungen im K. L. keine Stellung, soweit dies nicht durch Abs. 1 und 2 bedingt ist." 1929. BERhffl, den 30. September | nr. 9/10. Unhalt* Akademische Nachrichten: Palästina. S. 77. — Eine Kundgebung des.Jüdischen Studentenvereins. S. 78. -- — Bericht über den K.C.-Sportwartkurs in Leipzig. S. 78. — Zur Verfassungsfeier der Kölner Universität. S. 76. — Verweigerung gemeinsamer Totenehrung. S. 79. — Richard Wagner als Nationalsozialist. S. 80. — Aus anderen Verbänden. S. 80. — Verbandsnachrichten. S. 82. — K. C.-Veranstattungen. S. 82. — Personalnachrichten. S. 84. — Wohnungsänderungen. S. 84. — Medizinischer Stellennachweis. S. 84. — Inserate. S. 84. flfeademildie und öligem. Dochricfilen Palästina. An jenen Ereignissen, die letzthin den Frieden des Leiligen Landes in so grauenhafter Weise erschütterten, können auch wir, ebensowenig wie jede andere jüdische Organisation, nicht vorübergehen, ohne ein Wort des Mitgefühls mit den unglücklichen Opfern zu bekennen. Was sich in den letzten Wochen in Palästina zugetragen hat, war blutigstes, furchtbarstes, grausamstes Geschehen und greift an unser aller menschlichstes Empfinden. Denn Menschen sind es, die dort gemordet, abgeschlachtet, mißhandelt, aus der Ruhe ihres Leims hinausgestoßen, der Obdachlosigkeit und dem Elend in die Fänge getrieben wurden. And es sind Menschen, die uns in vielem näher stehen, es sind Juden wie wir. Daß diese Judenj zufällig andere Begriffe vom Wert und Wesen des Judentums haben als wir, was will das bedeuten angesichts einer Tragik, die ihre Opfer in allen politischen Lagern sucht, die nur Menschen kennt, und diesmal jüdische Menschen traf! Wir wollen und müssen es uns heute versagen, auf die inneren Zusammenhänge und politischen Auswirkungen der palästinensischen Vorfälle.des Tieferen einzugehen. Ob der Gedanke des Zionismus durch solche Geschehnisse Einbuße erleidet, oder gerade neu befeuert wird, die Zukunft wird es lehren; noch aber hält uns die Gegenwart in Bann, die heute ein rauchendes Schlachtfeld ist. Vielleicht legt die ständig sich steigernde Feindseligkeit der Araber gegen das jüdische Siedlungswerk den Gedanken nahe, als sei der Ausgleich zwischen Juden und Arabern nicht mit den richtigen Mitteln in Angriff genommen. Daß dieser Ausgleich unerläßlich ist und unermüdlicher Bemühung bedarf, ist kein Problem. Niemand durfte erwarten, daß die arabische Bevölkerung den jüdischen Zustrom mit weitgeöffneten Freundesarmen empfangen würde. Das Rad der Geschichte und der kukturpolitischen Entwicklung läßt sich nicht mit einem Lebeldruck um zwei Jahrtausende rückwärts drehen, und daß die jüdischen Kolonisten als alleinberechtigte Gebietsherren das Land betreten durften, ist eine allzukühne Vorstellung, die die realen Gegebenheiten unrettbar weit verfehlt. Wir hören, daß im Innern Palästinas sich eine Art „jüdischer Faschismus" spürbar gemacht haben solle. Wir wissen nicht, wieweit das zutrifft; wir würden, wenn es stimmte, dies Vorgehen nicht für den glücklichsten Modus einer Verständigung halten. Eins aber wissen wir, daß auf keinen Fall es Juden sein würden, die zu solchen Greueltaten sich Hinreißen ließen, wie sie selber sie durch die Land der Araber erfuhren. Zu tief verwurzelt ist in der jüdischen Seele der ethische Gedanke, der nach Lillels Worten das Grundmotiv der jüdischen Lehre bildet: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst", und der seine wundervollste Krönung findet in jener Bibelstelle, in der gefordert wird, daß man den Feind, wenn er am Rande des Abgrundes eingeschlafen ist, aufwecken und vom sicheren Tode bewahren soll. Niemals würden Juden solche Blutschuld auf sich laden, wie die Araber es taten, und darum haben die Araber ihre eigene Sache, wie beschaffen sie auch sonst immer war, geschändet und besudelt. Wenn sie noch vielhundert Mal größeres und heiligeres Recht auf ihrer Seite gehabt hätten, als es vielleicht der Fall ist, — jedes Recht wird Anrecht, wenn es sich der blutigen Willkür verbündet. Die Fragen, die in unbestreitbarer Vielzahl das palästinensische Problem ausmachen, sollen und müssen bereinigt werden, aber nur die Stimme der Vernunft und der Menschlichkeit hat mitzureden, die Stimme der Gewalttat und der Tyrannei muß endlich schweigen. Das gilt nicht zuletzt auch für diejenigen unserer Glaubensgenossen, die in unheilvoller Verkennung der moralischen und tatsächlichen Notwendigkeiten das höchste Leil dem Schwerte anvertrauen möchten. Verständigung tut not — Verständigung wird helfen. Sie kann nicht über Menschenkraft hinaus schwierig sein, an einem Orte, von dem aus die göttliche Lehre zuerst unter die Menschheit drang. Es müssen sich beide Teile auf ihre biblische Sendung besinnen, vor allem die Araber, die bisher in schlimmster Weise dagegen verstießen. War doch Mohamed, der Schöpfer ihrer Religion, zu inmrst erfüllt vom Wesen der jüdischen Lehre, fühlte er sich doch