Mannheim
Compact Memory

KC-Mitteilungen · 1929-08-31 · Heft 7-8 (31.8.1929) · p. Seite 64

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 7-8 (31.8.1929)
Date
1929-08-31
Page
Seite 64 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2822870-2822924-2822928--642-2823690
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

04 der Bücherei doch Wohl der eine oder der andere, der im Kreise der Verbindungsbrüder nicht genug vom ersetzenden, artfremden Ungeist des Judentums fabeln ann. Wie nun, wenn er erfährt, daß es oft und immer wieder Juden sind, die das deutsche Geistesleben in edelster Weise bereichern, die in Art, Gesinnung und Ausdruck sich wundervoll der deutschen Geisteswelt verschwistert zeigen, und die selbst einen arisch teulschen Mann von der Kraft ihrer kulturellen, nicht zuletzt für das Deutschtum vollbrachten, Sendung überzeugen? Vielleicht gesteht so mancher sich im stillen die Unhaltbarkeit seiner These vom „fremdblütigen" Juden ein. Am Ende verbieten noch die Nationalsozialisten ihren Mitgliedern sämtliche Lektüre — von Dinter aufwärts, damit niemand dahinter kommt, daß in den Hallen des deutschen Geisteslebens eine andere Luft weht als an den Stammtischen völkischer Bierbankpropheten. Hauptans schuß jitzung des Deutsche« Slndentennerbandes. Am 2. und 3. Mai 1929 trat in Berlin der Hauptausschuß des D. St. V. zu einer Sitzung zusammen, um die hochschulpolitische Lage und die laufenden Arbeiten zu besprechen, sowie die durch das Ausscheiden der Vorstandsmitglieder Referendar Heinz Ollendorff und cand. jur. Wolfram Müllerburg freigewordenen Borstandssitze zu besetzen. Der geplante Studententag wurde auf Antrag mehrerer Mitgliedsgruppen auf das Wintersemester verschoben. Die durch das Anwachsen der Arbeitsgebiete notwendig gewordene Erweiterung des Vorstandes ans fünf Mitglieder wurde vom Hauptausschuß vorbehaltlich der Zustimmung des Studententages beschlossen. Sodann wurden zum Vorsitzenden des Deutschen Studentenverbandes cand. jur. Kurt Berlowitz, zu weiteren Vorstandsmitgliedern cand. Phil. Gerhard Geißler, cand. ing. Walter Grünfeld, cand. jur. Joachim Ioesten und cand. rer. Pol. Felix R a d d a tz gewählt. Die Besprechung der hochschulpolitischen Lage sowie der internationalen Beziehungen ergab völliges Einverständnis mit der bisherigen Haltung des Vorstandes und über die künftig zu verfolgende Politik. — Bei der Besprechung der Arbeitsgebiete, die der Hauptausschuß in mehreren Unterausschüssen vornahm, wurden besonders praktische Aufgaben auf dem Gebiete der internationalen Arbeit und der Leibesübungen, vor allem aber in den Fragen der Hochschul- und Studienreform behandelt. Der Ausbau der Organisation selbst konnte in letzter Zeit einen großen Fortschritt verzeichnen, nicht zuletzt durch den starken Zustrom aus den Kreisen der Freistudentenschaft, was auch durch die Wahl eines Vertreters des Reichsverbandes Deutscher Zentrumsstudenten in den Vorstand, von zwei weiteren Vertretern dieses Verbandes sowie eines Vertreters des Deutschen Republikanischen Studentenbundes in den Hauptausschuß einen deutlichen Ausdruck findet. Rasserchygiene. Mer von den Kartellbrüdern beschäftigt sich mit Rassefragen? K. C. -Redaktion. Die jüdische« Ingenieure organisteren sich. linier dem Namen „Verband Jüdischer Ingenieure und Chemiker in Deutschland E. V." hat sich in Berlin eine Berufsorganisation von Angehörigen technisch-naturwissenschaftlicher Berufe konstituiert. Die berufliche Notlage des angestellten Mittelstandes ist allgemein bekannt, findet aber für die jüdischen Ingenieure und Chemiker, die auf einen vorwiegend antisemitischen Arbeitgeberkreis angewiesen sind, noch eine besondere Verschärfung. Den Uebelständcn, die sich hinsichtlich Arbeitsvermittlung und Berufsberatung eingestellt haben, will der Verband, der den ersten Versuch einer jüdischen Organisation des Mittelstandes in Deutschland mit wirtschaftlichen Zielen darstellt, durch seine Tätigkeit abhelfen. Alle jüdischen Ingenieure und Chemiker werden eingeladen, durch ihre Mitgliedschaft die Stoßkraft des Verbandes zu stärken. Die Anschrift der Verbandes ist: „Verband Jüdischer Ingenieure und Chemiker in Deutschland E. V.", Berlin R 24, Auguststraße 17. Verdiente Anerkennung jüdischer Wissenschaftler. Weit über die Grenzen der Fachkreise hinaus Aufsehen erregt haben die Forschungen des Bielefelder Arztes!)r. Gerson. Lange genug freilich wurde seine emsige, dem Volkswohl bestimmte Arbeit unterdrückt. Ihm, dem simplen Doktor, der noch dazu sich herausnahm, Jude zu sein, war eine umwälzende Entdeckung auf dem Gebiet der Tuberkulosebekämpfung geglückt. 'Wie seinem Kollegen und Glaubensgenossen Friedmann, der sich ebenfalls erlaubt hatte, ein Mittel gegen die Tuberkulose zu finden, hat man auch ihm die Anerkennung vorenthalten, bis durch einen Zufall der rassisch unverdächtige Berliner Ordinarius Prof. Sauerbruch auf die Gersonsche Diätbehandlung aufmerksam wurde unv dieser Methode, die zu sensationellen Leilerfolgen gerührt hat, zum Durchbruch verhalf. Nunmehr erhält Gerson in Kassel ein eigenes Sanatorium, wo ihm die Anwendung und Ausgestaltung seiner Diätkuren ermöglicht ist. Es ist ja gewiß betrüblich, daß auf solche Weise die Welt an einem scheinbar „undeutjchen" Wesen genesen soll. Aebrigens hat Dr. Gerson jede geschäftliche Beteiligung abgelehnt, weil es ihm ausschließlich auf die Leitung seiner Patienten ankommt. Vielleicht sind unsere Antisemiten nunmehr der Meinung, daß Gerson am Ende doch kein Jude sei? Einer weiteren furchtbaren Menschheitsgeißel zu wehren, ist das Lebensziel eines anderen jüdischen Wissenschaftlers, Prof. Ferdinand Blumenthals, des früheren Leiters der inneren Abteilung am Krankenhaus der Adaß-Iisroel-Gemeinde zu Berlin. Prof. Blumenthal gelang der Nachweis der parasitären Entstehung des Krebses. In Anerkennung der großen Verdienste, die er sich um die Krebsbekämpfung erworben hat, ist ihm jetzt die an der Berliner Universität neu geschaffene Professur für Krebsforschung übertragen worden. Wir wünschen dem bedeutenden Gelehrten, der stets sein selbstbewußtes deutsches Judentum betont hat, ein ferneres gedeihliches Arbeiten, zur eigenen Freude und zum Wohle der leidenden Menschheit. Aus dem Gebiete der Leilkunde hat sich auch Prof. Carl Neuberg hervorgetan. Er ist ein Gelehrter von großer Vielseitigkeit. Se n Gebiet ist die Biochemie und zwar besonders die Gärungsforschung. Er ist Begründer der „Zeitschrift für Biochemie", ordentlicher Professor an der Landwirtschaftlichen Lochschule Berlin und Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Biochemie in Dahlem. Nachdem ihn vor einigen Jahren die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.