KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 7-8 (31.8.1929)
- Date
- 1929-08-31
- Page
- Seite 62 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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62 IV. Feucht fröhlich. Aerger über Dunst ist verraucht, Gegensätze, ob Reaktion oder Reformation^ ob alter oder neuer Geist sind ausgeglichen gegenüber der alles besiegenden Macht des Alkoholgeistes, der in Gestalt von je einer Fleische Wein vor jedem Festkommersansitzer prangt, And so beginnt in prachtvoller Stimmung nach der unvermeidlichen Parade der Chargierten unser Festkommers, den Meister der Feder immer feuchtfröhliche Verläufe nehmen lassen (o über Euch Ihr verd. Verbindungssemesterberichte). Ja, von nicht allzu lauten Mißtönen getrübt, geht der Festkommers unter der tüchtigen Leitung unseres Otto Baruch vor sich. Wiedersehen wird gefeiert, alte K. C.-Bekanntschaften werden erneuert, alte Erinnerungen ausgetauscht, Erlebnisse erzählt, Stunden des Beisammenseins genießt man. Was dem Ganzen eine besonders weihevolle Stimmung gibt, ist die Anwesenheit von 5 Gründungsphilistern. And mag es auch manchmal nicht ganz hochoffiziell hergegangen sein, mag auch manchmal die Freude und die Lust an Angezwungenheit und vertrauten akademischen Sitten die Chargen zum Aufwand des ganzen Stimmaterials gezwungen haben, das ändert alles nichts an dem frohgestimmten und trotzdem würdigen Verlauf des Festkommerses. V. Volk ohne Raum. Das Wort „Rheinfahrt" ist ein Magnet, das die K. C.er alljährlich in immer größeren Mengen an den Rhein zieht. Volk ohne Raum ist das Motto der diesjährigen Fahrt. Volk ohne Raum, — eine Riesenmenge findet sich im trüben Braungrau eines Sommersonntagmorgens an der Anlegestelle ein, 170 Personen haben sich angesagt, über 450 sind gekommen; die Folge: eine entsetzliche Fülle auf dem zu kleinen Motorschiff; in Königswinter müssen eine ganze Anzahl heraus. Ihre Schuld, meine Herren! Wenn man eingeladen wird, sagt man zu oder ab oder kommt nicht. Bitte, sagen Sie nächstes Mal zu und kommen Sie und es wird eine Volk-ohne-Raumfrage nicht eben. Machen Sie bitte dem A. H. V. und der Verindungsleitung keine, sich selbst einige Vorwürfe. — Die Fahrt geht weiter, man richtet sich soweit möglich häuslich ein, zarte Bande der Liebe spinnen sich an oder werden weiter gesponnen. Ein Bläserkorps der Rache läßt seine trompetenden Weisen über Schiff und Strom erschallen, Schieber werden geschieht, Walzer gewalzt, Foxtrotts geslowfoxt, mit einem Wort, es wird der Versuch gemacht, rheinische Stimmung zu mimen. Dazu sind wir hier verpflichtet! Es wäre noch schöner, wenn man keinen Hunger hätte — und nun nicht nur mehr Volk ohne Raum, sondern auch Volk ohne Brot! Es wird 1 Ahr, es wird 2 Ahr und es wird Vs3 Ahr, und wie die 10000 des seligen Renophon ihr Thalatta, Thalatta mit gelösten Zungen und mit von Wasser gefüllten Bäuchen über die Fläche des schwarzen Meeres brüllten, so erschallt erlöst und befreit, oas „Ochsenschwanzsuppe, Ochsenschwanzsuppe" über Heck, Bug- Steuer und Backbord unserer Loreley. In Andernach geht's an Land, Kaffeefassen, und wie immer, dir heilige Terpsichore, im Tanze fröhnen. Wieder aufs Schiff und zurück. D. h. unsere Loreley will und kann auf einmal nicht mehr. Sie bleibt ruhig auf dem Wasser liegen und rührt sich nicht vom Fleck. Man munkelt vom Bruch der Ruderkette. Während ich ausgerechnet von einer älteren Dame über meine Fähigkeit im Rettungsschwimmen befragt werde, reden unserer Loreley ein paar Maschinisten gut, aber energisch zu, langsam läßt sie ihren Motor wieder laufen und stolz zieht sie gen Königswinter ihre Bahn oder vielmehr ihr Kielwasser. Königswinter, alles raus in den Düsseldorfer Hof und hier schönster Teil des Tages! Dank Euch Alte Herren für Eure Bowle, Ihr habt manches damit wieder gutgemachtk. Abwechselnd jetzt Bowlenkneipe und Tanz, Studentenlieder und Jazz» es ist eine Lust zu leben! Wein, Weib, Gesang, Frohsinn, Freude und Harmonie, Alter Herr und Junger Student, was willst Du mehr. Es hat noch lange gedauert und die, die paarweise auftraten, sagten, es wäre schön gewesen. Ein erfreulicher Abschluß der Rheinfahrt. VI. Fazit.... Aeber ein Ereignis seines Lebens Pflegt man sich Rechenschaft zu geben; so soll, wenn eine Verbindung, wie die Rheno-Silesia, ihr 30. Stiftungsfest gefeiert hat, ganz kurz das Fazit dieses Ereignisses gezogen werden. Das wesentliche eines Stiftungsfestes, ganz ernst gesprochen und abgesehen von der menschlichen Lust am Feste feiern» scheint mir die Beziehung zu sein, die sich zwischen den Alten Herren und den jungen Aktiven und Inaktiven ergibt. Zahlenmäßig liegt jetzt ein Menschenalter zwischen dem ältesten Alten Herren und dem jüngsten Fuchsen. Was ist nicht alles in diesen 30 Jahren geschehen, was haben wir nicht alles erlebt. Wie vieles stürzen, wie vieles sich aufrichten sehen! And wie, das ist. wie mir scheint, das Wesentliche, gestaltet sich die Beziehung zwischen den Menschen, die damals jung und denen, dre 30 Jahre später jung sind, was müssen diejenigen, die die Formen, in denen wir leben, geschaffen haben, von uns verlangen, und was dürfen wir Jungen als heiliges Recht der Jugend ihnen gegenüber in Anspruch nehmen. Zur Klärung dieser Frage ist ein Stiftungsfest da. Das macht seinen rnneren Wert aus und läßt es auch vor dem nicht nur Vergnügungssüchtigen bestehen. Als erfreuliches Ergebnis unseres 30jährigen Stiftungsfestes muß gebucht werden, daß wir uns mit diesem Problem durch die Ausführungen unserer Alten Herren Blank und Alexander intensiv beschäftigt haben, und es ist nur zu bedauern, daß keinem ganz Jungen Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben worden ist. Anser Stiftungsfest hat seinen guten Sinn und seinen wesentlichen Inhalt bekommen. (Ich möchte an dieser Stelle anregen, zum nächsten Stiftungsfest, an dem wahrscheinlich;a kerne akademische Ferer stattsindet, außerhalb des Generalkonvents zum Generationenproblem im K. C. im Referat und Korreferat Stellung zu nehmen.) Dank. Es ist selbstverständliche Anstandspflicht, der wir ern Nachkommen, allen Alten Herren und Kartellrüdern, die bei uns waren, zu danken. Anserer besonderer Dank gilt selbstverständlich denen, die sich am meisten Mühe und Arbeit gemacht und die rößten Opfer an Zeit und Arbeitskraft gebracht aben, unseren lieben Alten Herren Blank, Alexander und Weis, und unseren tüchtigen Chargierten, an deren Spitze Otto Baruch. Das trotz allem gute Gelingen des Festes sei ihnen Dank für ihre Mühewaltung. Paul Herz (Rh.-Sil.,X,F.M.,F.M.)