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KC-Mitteilungen · 1929-08-31 · Heft 7-8 (31.8.1929) · p. Seite 60

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 7-8 (31.8.1929)
Date
1929-08-31
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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60 fen zur gemeinsamen Arbeit für die Zukunft des Landes. Erwies sich also für die zionistische Organisation der Weg zur Iewish Agency als dringende Notwendigkeit, so wurde andererseits dieser Weg durch die geistige Wandlung vorbereitet und erleichtert, die sich in den letzten Jahren sowohl im zionistischen als auch im nichtzionistischen Lager vollzogen hat. Der Ausbau Palästinas ist eine Aufgabe, für die sich auch nichtzionistische Kreise mit Liebe und Begeisterung einsetzen, ohne die begriffliche Grundlage des Zionismus anzuerkennen. Andererseits sehen wir — vergl. hierzu die Ausführungen in der Schrift von Ludwig Holländer „Deutsch-jüdische Probleme der Gegenwart" —, daß „Gedankengänge, wie sie unser verewigter Führer Eigen Fuchs in seinen grundlegendeil Schriften geprägt hat, heute weit über den Rahmen unserer Freunde hinaus auch im zionistischen Lager Anerkennung gefunden haben", daß insbesondere „der früher so umstrittene und, wie man objektiv sagen kann so viel Anheil anrichtende Volksbegriff bei dem heutigen Geschlecht einer gewissen charakteristischen Abmilderung Platz gemacht hat." Diese Entwicklung der Grundauffassungen, die Anpassung rein doktrinärer Formulierungen an die neue Wirklichkeit und die Konzentration auf die sachlichen Notwendigkeiten, hat nunmehr ihren ersten praktischen Ausdruck in der Bildung der Iewish Agency erlangt, die demgemäß ihre Gegnerschaft in denjenigen Kreisen hüben und drüben findet, die an jenen radikalen Begriffsbildungen festhalten und sie noch heute für so wesentlich ansehen, daß die Brücke zu gemeinsamer praktischer Arbeit nicht geschlagen werden kann. Wir wollen uns nicht darüber täuschen, daß nach der Schaffung der neuen gemeinsamen Organisation nicht etwa der innerjüdische Kampf mit einem Schlage aufhören und die nationaljüdische Propaganda zurücktreten wird. Vermutlich wird sogar die zionistische organisatorische Arbeit, insbesondere der Kampf um die Seele der Jugend, nunmehr mit vermehrtem Nachdruck ausgenommen werden, wie dies aus den Referaten Brodetski, Grünbaum, Wolfsberg (Schaffung einer Organisation der Zionisten in jedem Lande zur intensiveren Werbung, vermehrte Kulturarbeit rm nationaljüdischen Sinne) und auch schon aus der Eröffnungsrede des Präsidenten Weizmann (Gewinnung der Jugend für die Entscheidung zu ihrer nationalen Verantwortung) hervorgeht. Doch soll diese Aussicht nicht schrecken. Es ist nur zu begrüßen, wenn im Kampfe der Meinungen die Grundbegriffe der jüdischen Gemeinschaft eine weitere Läuterung und Klärung erfahren und wenn sich alle jüdischen Energien, von den verschiedensten Standpunkten ausgehend, um die Frage der Erhaltung oder richtiger Wiedergewinnung unseres. Judentums Mühen. Hierbei wird sich immer offenkundiger erweisen, daß hinter dem Etikett des jüdisch-nationalen Willens nichts Fertiges steht, sondern in Wirklichkeit die gleiche Problematik, dieselbe Fülle geistiger und religiöser Fragen und Aufgaben der Lösung noch Das K. C.Anwalts Verzeichnis vom l. August 1927 soll neu herausgegeben werden. Mir mitgeteitte Veränderungen werden berücksichtigt. Weitere Veränderungen bitte ich mir noch mitzuteilen. Rechtsanwalt l)r. Dannenbaum, Düffeldorf. harrt» wie sie heute auch alle anderen uin ihr Judentum ringenden Menschen bewegen. Bereits jetzt inehren sich die mahnendeli Stimmen zionistischer Führer, daß der wesentliche Kern des Judentums nicht das nationale, sondern das menschliche Ideal ist; sie nähern sich damit wiederum den Gedanken, die — im zionistischen Lager einst viel geschmähte — Männer, wie Mendelssohn, Gabriel Rießer, Eugen Fuchs, die Judenheit, insbesondere in ihren Beziehungen zur Umwelt, gelehrt haben und die Holländer in der obenerwähnten Schrift dahin formuliert hat, daß im Geistigen, nicht im Volklichen die Bedeutung des Judentums liegt und daß wir nur wegen des Geistigen und Sittlichen das Judentum erhalten wollen. Man vergleiche damit aus den Verhandlungen des letzten Zionistenkongresses etwa die Rede Martin Bubers, der sich warnend gegen eine „nationalistische Assimilation" wendet, die „den anderen Nationalismen nachhinkt" und verlangt, daß die Jugend „zu einer geschichtlichen Menschheitsaufgabe des neuen Judentums" erzogen werde; oder man lese die Ausführunge,t von Dr. Wolfsberg zur Frage der jüdischen Kulturarbeit, der betont, „kein Mensch könne mit gutem Gewissen den Nationalismus verteidigen» wenn er sich nicht darauf beruft, daß dieses Volk Wesentliches der Welt gegeben hat." Eine innerjüdische Auseinandersetzung, die in diesem Geiste - erfolgt, kann uns nur vorwärts bringen. Hoffen wir, daß )ia> bann mehr und mehr die Auffassung durchsetzt. daß die Schablone des modernen Nationalismus dem Judentum wesensfremd und nur dazu angetan ist, uns unserer wichtigsten Aufgabe, zu den geistigen und sittlichen Quellen des Judentums wieder vorzudringen, zu entfremden. Die Iewish Agency ist ins Leben getreten. In eindrucksvoller Kundgebung fanden sich Zionisten und Nichtzionisten in Zürich zusammen, um die Gründung zu vollziehen und die ersten organisatorischen Maßnahmen 31t treffen. Die Tagung verlief in bester Harmonie und ließ erkennen, wie dies besonders in der Rede von Louis Marshall zum Ausdruck kam, daß jeder sein Aeußerstes tun will, um nach bestem Können zu helfen. Zum Präsidenten der Iewish Agency wurde Dr. Weizmann, zum Vorsitzenden und 2. Vorsitzenden des Councils wurden Marshall und Lord Melchett gewählt. Das eingesetzte Administrativ-Komitee, dessen Vorsitz Felix Marburg übernahm und dem als Vertreter der deutschen Nichtzionisten Direktor Oskar Wassermann und Rabbiner Dr. Leo Baeck angehören, erhielt den Auftrag, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um es allen Gruppen in der Judenheit, die noch nicht der Agency angeschlossen sind, möglich zu machem der Iewish Agency beizutreten uno an ihren Arbeiten teilzunehmen. Im übrigen wurde beschlossen, daß die vom Zionistenkongreß gewählte Exekutive als solche weiter fungieren soll, bis das Administrativ-Komitee Schritte zur Neuwahl der Exekutive unternimmt. Zum Schluß wurde die Verfassung der Iewish Agency einstimmig angenommen und unterzeichnet. Es ist klar, daß, so reibungslos die festliche Gründungstagung sich abgewickelt hat, sich nunmehr in der praktischen Arbeit des Alltags erst all die Schwierigkeiten äußerer und innerer Art zeigen werden, deren Bewältigung sich die neue Organisation zum Ziele gesetzt hat. Die Iewish Agency wird das sein, was ihre verantwortlichen Führer aus ihr zu machen verstehen. Hoffen wir, daß sie die Aufgaben, die ihrer warten, in segensrercher Weise verwirklichen. Dr. David Krombach (Thur.), Essen..

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