KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 7-8 (31.8.1929)
- Date
- 1929-08-31
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
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land teilen müssen. Ihm ist die Fülle der Hemmnisse in seinem Wirken und in seiner Laufbahn entgegengebracht worden. Er hat um feiner Ueberzeugung willen viel Bitteres leiden müssen. Er ließ sich nicht wankend machen, ließ sich nicht entmutigen, hielt durch bis zu seinem Ende. Ob es nicht später gekommen wäre, wenn ihm sein äußeres Leben manch schwere Enttäuschung erspart hätte, ist eine Frage, die wir nicht beantworten können und wollen. Die Gerechtigkeit erfordert es hervorzuheben, daß vor wenigen Jahren im neuen Deutschland die Regierung des Freistaates Hessen entgegen dem Widerstand der Akademikerschaft selbst an der Technischen Hochschule in Darmstadt ihm eine seiner eher würdige Stellung gegeben hat. And mit freilich wehmutsvoller Dankbarkeit sei hervorgehoben, daß in der letzten Zeit sein ganzes Wollen und Wirken weithin sichtbaren Ausdruck fand, als er die Zeitschrift „Der Morgen" gründen, mit bestem Erfolge leiten und in ihrem Rahmen, umgeben von gleichstrebenden führenden Männern und Frauen Deutschlands und des Auslandes, zusammen mit anderen Juden und mit Protestanten und Katholiken, den Geist seiner eignen Persönlichkeit in einem hell sich auswirkenden Licht erstrahlen lassen konnte. Wir deutschen Akademiker jüdischen Glaubens neigen uns in Ehrfurcht vor dem Namen Julius Goldstein. Die Saat, die er in seinem Sein gesät, gehe auf zu vollem Segen draußen in der Welt, im deutschen Vaterland, in unserer eigenen Mittel Arnold Lazarus (Madr.-D., Nass.) Dev 16. Ziorirstenkongreß und -re Iewish Agency. Vom 28. Juli bis zum 11. August 1929 war in Zürich der 16. Zionistenkongreß versammelt. An ihn schloß sich unter Mitwirkung zahlreicher führender Persönlichkeiten der gesamten Iudenheit die Begründung der — in Art. 4 des vom Völkerbund erteilten Palastinamandats vorgesehenen — Iewish Agency, und zwar in der konstituierenden Tagung (11—14. August 1929) des Rates (Council) der neuen Organisation. Die beiden Tagungen, die nur in ihrem Zusammenhang richtig gewürdigt werden können, sind, mag auch die Auffassung über die praktische Tragweite der dort gefaßten Entschließungen nicht einheitlich sein, in jedem Falle von außerZewöhnlicher Bedeutung. Sie wenden sich an jeden jüdischen Menschen und verlangen von ihm, daß er sich zum mindesten mit den Problemen auseinandersetzt, die den Inhalt und das Ziel der neugeschaffenen Organisation bilden. Es war die Aufgabe des Zionistenkongresses, dessen Hauptinteresse von den oft recht leidenschaftlichen Erörterungen über die Iewish Agency und ihre Verfassung in Anspruch genommen war — demgegenüber traten die anderen Punkte der Tagesordnung zurück, insbesondere die Referate über die Bedeutung Palästinas für die Zukunft der Juden (Dr. Ruppin), die Aufgaben der zionistischen Organisation für die Zukunft (Dr. Brodetski), Palästinaarbeit (Sacher), Keren hajessod und Keren kajemeth (Handtke, Assischkin), Gesundheits- und Erziehungswesen in Palästina (Miß Szold), Jüdische Kulturarbeit (Grünbaum, Dr. Wolfs» berg) — zunächst den Weg freizugeben für eine neue, von Zionisten und Nichtzionisten gebildete Organisation, in welcher den Zionisten nicht mehr die alleinige und unbeschränkte Entscheidung hinsichtlich des Palästinawerkes zustehen soll. Die entsprechenden Beschlüsse des Zionistenkongresses bedeuten in der Tat, daß die zionistische Organisation in Ansehung ihrer eigentlichen programmatischen Arbeit, des Aufbaus von Palästina, ihre bisherige autonome Stellung preisgab und die Eingliederung in eine größere, nicht rein zionistische Organisation beschloß, indem auf diese Weise sowohl der Zionistenkongreß als auch die zionistische Exekutive und das Aktionskomitee ihrer wichtigsten Aufgaben und Befugnisse entkleidet wurden, zugleich die umstrittene Grundforderung des zionistischen Programms, das Bekenntnis zum Nationaljudentum, als gemeinsame Grundlage für die am Palästinawerk Beteiligten nicht mehr aufrecht erhalten wurde. Leicht ist es der zionistischen Organisation nicht geworden, sich gewissermaßen zu dieser Abdankung zu entschließen und die von den äußeren Tatsachen aufgezwungenen Folgerungen zu ziehen, wie dies Dr. Weizmann, diese vornehme Führer- Persönlichkeit, in seiner schlichten Offenheit ausgesprochen hat: „Wir Zionisten bleiben eine Minorität im Judentum; wir haben wohl Großes erreicht, aber so, in diesem Tempo, werden wir den Bau Palästinas auch für unsere Generation nicht ausreichend weiterführen." Imgleichen Sinne erklärten andere Führer, daß die Iewish Agency eine materielle Notwendigkeit geworden ist, indem die Schwierigkeit des Aufbauwerkes zu groß und die zionistische Organisation zu klein ist, um das Werk weiterzuführen und eine Wiederholung der letzten, mühsam überwundenen Krisen zu verhindern. Demgemäß hielt man es trotz aller Bedenken für geboten, die von nichtzionistischer Seite in den Verhandlungen mit Weizmann gestellten Bedingungen anzunehmen und, wie dies in der Generaldebatte immer wieder zum Ausdruck gebracht wurde, „angesichts der Situation in Palästina auf dieses Kompromiß einzugehen, da es sonst kein Weiterkommen gibt." Man war sich zugleich darüber klar, daß die Iewish Agency auch eine politische Notwendigkeit ist. Abgesehen davon, daß von vornherein in § 4 des Palastinamandats nicht der zionistischen Organisation, sondern der gesamten Iudenheit die Aufgaben der Iewish Agency (Rat und Mitarbeit) übertragen worden sind, die zionistische Organisation also ohnehin verpflichtet war, die Befugnisse, die sie nur vorläufig übernommen hatte, einer erweiterten Organisation .zu übertragen, fordert die allgemeine politisch« Lage die Bildung einer starken jüdischen Organisation, die vor allem einen größeren Einfluß bei der englischen Mandatsregierung geltend machen kann, über deren allzu indifferente Haltung auf dem Kongreß immer wieder Klage geführt wurde. Vielleicht, daß die neue Organisation, namentlich wenn sie dafür sorgt, daß die Propaganda und die Arbeit selbst sich von — höchst unnötigen und unklugen — nationalistischen Deklarationen freihält, auch eher in der Lage ist, das schwierigste der Probleme, die Araberfrage, zu meistern und, insbesondere nach den erschütternden Ereignissen der blutigen Augusttage, eine Atmosphäre friedlichen und versöhnlichen Einvernehmens zu schaf-