KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 7-8 (31.8.1929)
- Date
- 1929-08-31
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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58 DnflClIi« Sanitäts-Rat Dr. Max Ehrenfried zum Gedächtnis. S. 57. — Professor Julius Goldstein zum - Gedächtnis. S. 58. — Der 16. Zionistenkongrest und die Iewish Agency. S. 59. — Stimmungsbilder vom 30. Stiftungsfest der Rheno-Silesia. S. 61. — Akademische Nachrichten. S. 63. — Nationalistische Konjunktur. S. 63. — Was liest der deutsche Student? S. 63. — Lauptausschußsihung des deutschen Studentenverbandes. S. 64. — Die jüdischen Ingenieure organisieren sich. S. 6l. — Verdiente Anerkennung jüdischer Wissenschaftler. S. 64. — Studienreise deutscher Studenten nach Italien. S. 65. — Gesamtbericht über die Internationale Schulungswoche für Studentische Selbsthilfe des Weltstudentenwerkes in Dresden. S. 65 — Verbandsnachrichten. S. 66. — Bücher- und Blätterschau. S. 71. — K. C.-Veranstaltungen. S. 73. — Inserate. S. 75. Professor Juli«« Goldssein zum Gedächtnis! Auch Wir K.C.er haben mancherlei Ursache, den zu frühen Heimgang Julius Goldsteins zu beklagen. Vorweg die Darmstädter Viadrinen. Viele von ihnen haben seine Vorlesungen an der Technischen Hochschule dort besucht. Des öfteren erschien er bei besonderen Veranstaltungen der Verbindung. Zuletzt wohl bei ihrem 25jährigen Stiftungsfestkommers, wo er den verhinderten Rektor amtlich vertrat und herzliche Worte der Ermunterung an die versammelten Kartell- und Bundesbrüder richtete. Aber abgesehen von diesen persönlichen Beziehungen hat sich die Lebensarbeit Goldsteins in Bahnen bewegt, auf denen auch die Ideen des K. C. Richtung und Verlauf haben. Ein deutscher civi5 academicus jüdischen Glaubens; so steht er vor uns in seiner Arbeit und seinem Kampf, in seinem Tun und seinem — Leiden. Wer einmal in Wahrheit ein membrum academiae geworden, erst recht, wer dann an ihr nach dem alten Satz des docendo discimus „lehrend lernt", der bleibt der „Student", der Strebende, der mit den letzten Fragen und ihren Antworten Zeit seines Lebens Ringende. Vollends, wenn er ein „der Philosophie Beflissener" ist, der in dieser die Zusammenfassung und Krönung aller Wissenschaften sucht. So war Goldstein die Philosophie, ihr Studium und ihre Lehre, Aufgabe seines Daseins. Ihr hat er gedient, sinnend und forschend, wägend und urteilend, Bibliotheken durchstöbernd, Literaturen durchprüfend, seine Ergebnisse darstellend in Werken der Wissenschaft, in streng akademischen Abhandlungen, in gemeinverständlichen Aufsätzen, in der Fülle seiner Vorträge von plastischem Aufbau, in der scharf bestimmten Art des Wortes, in der Klarheit der Schrift. Aber nicht mit einer bloßen Bücherweisheit, nicht in weltfremder Art! Sein Blick schweifte hinaus aus der Abgeschlossenheit seiner Studierstube. Er war immer mit den Problemen der Wirklichkeit befaßt, er bewahrte stets den Zusammenhang mit seiner Zeit und dem Alltag. So war er in den Lebensfragen dieser unserer Gegenwart der rechte Streiter für unsere — der K.C.er — Behauptung, war er der im Vordertreffen stehende Kämpe für Deutschtum und Judentum in ihrer innigen Verbindung, er selbst in seiner Persönlichkeit ein klares Beispiel für die Harmonie deutschen und jüdischen Geistes. So trat er auf gegen den verstiegenen Rassefanatismus, der uns von außen bedrängt, verfestigte er unsere eigenen Meinungen, gab er uns Wehr und Waffen gerade in dem Streit der Anschauungen, der heute am stärksten und nachhaltigsten die deutsche Akademikerschaft durchtobt. Neben solchen Erörterungen von Fragen der „Rasse und Nation", die weit hinaus drangen, hatte Goldstein den Juden unter den deutschen Akademikern, und zwar eben seiner Generation, noch ein Besonderes zu sagen. Scharf tönt mir im Ohr sein wie ein Pfeil zugespitztes Wort von „unseren Unglaubens genossen". Es war wohl auf unsere Allgemeinheit gemünzt. Aber am tiefsten hätte es in das Bewußtsein vieler unserer Aerzte und Anwälte und Chemiker und Ingenieure dringen sollen, die noch um die Jahrhundertwende und über sie hinaus in dem wissenschaftlich längst überlebten Materialismus einer schon verflossenen Zeitspanne befangen blieben, sich von jeder religiösen Gesinnung, geschweige denn Betätigung fernhielten und, durch ihr Beispiel auf die Nichtakademiker wirkend, die inneren Wesenskräfte unserer Gemeinschaft des Glaubens stark verminderten und schwächten. Daß sich dagegen Goldstein als der Lehrer der Philosophie an einer technischen Hochschule, mit der vollen Wucht seiner auf der Höhe der gegenwärtigen wissenschaftlichen Erkenntnis stehenden Ueberzeugung für die religiösen Werte in voll bejahendem Sinn einsetzte, ist und bleibt einer seiner hervorragendsten Verdienste um die geistige Erneuerung des deutschen Judentums. Goldstein hat das Schicksal fast aller jüdischen und jüdisch gebliebenen Hochschullehrer in Deutsch-