Mannheim
Compact Memory

KC-Mitteilungen · 1929-06-25 · Heft 6 (25.6.1929) · p. Seite 46

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 6 (25.6.1929)
Date
1929-06-25
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2822870-2822924-2822927--623-2823670
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4Ü stellen, nein, an der Spitze steht sogar ein „Genosse"! Hieraus folgt ihre politische Festlegung. Welch kristallklarer Beweis für die parteipolitische Festlegung dieses Verbandes. Natürlich ist ein Keglerverein tierfreundlich, wenn er Mitglieder hat, die auch dem Tierschutzvereiu angehören, und der Deutsche Studeuteuverband empfängt seine Direktiven der Reihe nach von allen Parteien, denen seine Mitglieder außer ihm angehören. Da ist es mit der Neutralität der von der Hochschulzeitung gehätschelten „Deutschen Studentenschaft" ganz was anderes. Daß ihr das Arierprinzip über die Reichsverfassung geht, ist eine Frage, die mit Politik natürlich nichts zu tun hat. Politisch sind alle die, die nicht unserer Meinung sind, und die wahre Neutralität steckt auf seiten derer, die, noch dazu mit unzureichender Begründung, anderen ihre parteimäßige Abstempelung beweisen wollen, nur weil diese sich erlauben» die Reichs- Verfassung zu ehren. Wie steht es übrigens, wenn wir bei der Argumentation der „Bayerischen Hochschulzeitung" bleiben, mit der Neutralität der D. St. auch von dreser Seite her. Sicherlich gehört kein Mitglied der Deutschen Studentenschaft irgendeiner politischen Partei an, ganz bestimmt keiner ihrer maßgebenden Persönlichkelten! Repuülilrattisches Wartüurgfest. In den Pfingsttagen fand zu Eisenach ein Wartburgfest unter Mitwirkung verschiedener republikanischer Organisationen statt. Aber nicht alle republikanischen Körperschaften waren vertreten, und das ist der Grund, weshalb wir hier einige Anmerkungen machen wollen, die nicht nur ungetrübter Begeisterung entspringen. Wohl kaum eine andere Gelegenheit wäre so günstig gewesen wie diese, um der Parole „Student und Volk" glanzvollen Nachdruck zu verleihen, wenn man es nur organisatorisch geschickter angepackt hätte.. Damit, daß man diese Parole ausgab und sie in feierlichen Reden pries, war ihr noch kein Sieg erstritten. Man hätte vor allem restlos sämtliche republikanischen Akademikerverbände heranziehen müssen, damit man durch die sprechende Zahl ihrer Anhänger allen Sehenden vor Augen führte, daß auch heute noch die Begriffe „Student", „Korporation" und „Schwarz-Rot-Gold" keine Gegensätze sind. Statt dessen begnügte man sich mit einzelnen Abordnungen von verschiedenen Universitäten, und man sah auch freilich den „Reichsbund republikanischer Studenten" vertreten. Aber leider hat der Reichsbund erheblich viel weniger Anhänger hinter sich, als sein Name glauben läßt. Wo blieb die Heranziehung des Reichsbundes demokratischer Studenten, wo die Teilnahme der zionistischen Studenten, die etwa um die gleiche Zeit an anderer Stelle ihre Tagung abhielten. Auch der Verband sozialistischer Studenten Deutschlands und Deutsch-Oesterreichs gehört dem Reichsbund republikanischer Studenten nicht an. Warum unterließ man eine offizielle Heranziehung des Deutschen Studentenverbandes, warum hat man keinen einzigen der freiheitlichen auf dem Boden der heutigen Staatsform stehenden Korporationsverbände herangezogen? Ja noch mehr, auch diejenigen Verbände, die ihren Namen für die Veranstaltung hergegeben haben, sind z. B. erst in letzter Stunde über nähere Einzelheiten unterrichtet worden. Solche Regiefehler sind bedauerlich, denn sie beeinträchtigen zweifellos die Wirkung der gesamten Veranstaltung. — Gewiß ist die Feier, bei der führende Persönlichkeiten des Republikanertums, wre z. B. unser l. Kbr. Ludwig Haas, mitwirkten, erhebend und eindrucksvoll verlaufen. Wir glauben aber, man hätte den erfreulichen Eindruck noch vertiefen können» wenn man sich um die Heranziehung aller freiheitlichen akademischen Organisationen größere Mühe gegeben hätte. 3m übrigen wollen wir gern feststellen, daß der Gedanke einer solchen Veranstaltung nur aufs wärmste begrüßt werden konnte, und daß auch wir uns stets au der Seite derer fühlen, die die innerliche Verbundenheit des Akademikers mit dem Volke Pflegen und fördern wollen. R. H. Kayrische Behörden und jüdische Studentenschaft. Dach die bayrischen Universitäten nicht gerade vom Geiste allzu freiheitlicher Gesinnung erfüllt sind, ist eine traurige Selbstverständlichkeit angesichts der politischen Struktur der deutschen Studentenschaft überhaupt und besonders im Hinblick auf die speziellen bayrischen Verhältnisse. Man war auf Grund verschiedenartigster Erfahrungen geneigt, auch die Tätigkeit der offiziellen Verwaltungsbehörden nicht mit einem Uebermatz von Zutrauen zu verfolgen. Allerdings gab es Lichtpunkte, wie das mutige und loyale Verhalten des feinerzeitigen Rektors Voßler, das noch in aller Erinnerung ist. Es scheint übrigens zuweilen, als müsse man sich vor allzu großem Pessimismus bewahren, und es hat vielleicht in der Tat sich schon manches auf den Weg der Besserung Slenkt. Aus einigen Presseberichten läßt sich er» Ejen, daß maßgebende Persönlichkeiten, wie der rzeitige Münchener Rektor Bumke und vor allem Kultusminister Goldenberger, sich einer durchaus einwandfreien Objektivität befleißigen. Es ist dies eigentlich eine derartige Selbswerständlichkeit, daß man es nicht besonders erwähnen müßte. Da solche Nachrichten aber immerhin erfreulich wirken, so soll man sie schon deshalb nicht unbeachtet lassen, weil man mit Erfreulichkeiten in der Hochschulpolitik nicht verwöhnt wird. Es heißt da in einem Bericht der Ita u. a. folgendermaßen? „Wenn vor einigen Wochen die Überlassung des Saales an rechtsgerichtete Studenten dazu mißbraucht wurde» die Universität zum Schauplatz einseitig parteipolitischer Kundgebungen zu machen, so ist es mehr als fraglich, ob der Rektor Geheimrat Dr. Bumke über Form und Inhalt der geplanten Veranstaltung vorher Bescheid gewußt hat, da gerade er sich nach dem. Vorbild seiner Vorgänger Voßler und Schüpfer den jüdischen Studenten gegenüber absolut korrekt verhält und es z. B. durchgesetzt hat, daß diese sich wiederum zusammen mit der übrige»: Studentenschaft bei Universitätsfestlichkeiten beteiligen können. Des Kultusministers Stellungnahme zum Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden und die Förderung, die er dessen Bestrebungen angedeihen laßt, sind bekannt, ebenso seine entschiedene Haltung im Falle Manau. Rektor Bumke hat seit seinem Amtsantritt wiederum die Israelitische Kultusgemeinde München zu den Feiern der Universität eingeladen und wie seine Vorgänger Voßler und Schüpfer Wert auf korrekte Beziehungen zu der jüdischen Bevölkerung gelegt. Der Vorsitzende der Münchener Gemeinde ist z. B. Mitglied des Vorstandes des Vereins „Studentenhaus", was zur Folge hat, daß die Gemeinde von der „Asta" Einladungen zu öffentlichen Veranstaltungen erhält. Die offiziellen Beziehungen zur Universität sind durchaus befriedigend und haben jedenfalls gegenüber früher eine wesentliche Besserung erfahren." Wir wollen diese Selbstbesinnung des offiziellen Bayerns als einen begrüßenswerten Fortschritt der-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.