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KC-Mitteilungen · 1929-05-22 · Heft 3-5 (22.5.1929) · p. Seite 36

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 3-5 (22.5.1929)
Date
1929-05-22
Page
Seite 36 (sequence 12)
Language
German
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36 zweiten Vorsitzenden Kaß. Die Stelle des dritten Vorsitzenden wird offengelassen bis zur Entscheidung über die Zugehörigkeit des Freistaates Sachsen zum Landesverband. Während des Konvents, der erfreulicherweise von einer größeren Anzahl Bezirksansässiger besucht war, besichtigten die Damen die Anhaltische Gemäldegalerie in ' Dessau. Anschließend fand ein sehr stimmungsvoll verlaufenes gemeinsames Mittagessen im Cafe „Altes Theater" statt. Die neu geschossenen schönen Räume dieses auf der Stelle des altenniedergebranntenberühmten Hoftheaters entstandenen Kaffees trugen viel dazu bei, die Stimmung zu heben. Nachdem Kartellbruder Dr. Mendershausen die zahlreich Erschienenen begrüßt hatte, bewillkommnete Kartellbruder Dr. Sonder, Dessau, die Kartellbrüder und ihre Damen nochmals besonders namens der jüdischen Organisationen der Stadt Dessau und hieß sie in der Stadt Moses Mendelssohns, dessen 200. Geburtstag zu feiern man sich rüstet, herzlich willkommen. Recht vergnügt wurde es, als Kartellbruder Dr. Kaß eine sehr humorvolle Damenrede hielt. Auch die leiblichen Genüsse ließen nichts zu wünschen übrig, so daß alle Erschienenen hochbefriedigt waren. Ein Teil der Kartellbrüder besichtigte dann das Bauhaus, während ein anderer sich in Dessau erging. Um 17 Uhr traf man sich wieder im schönen Hause der jüdischen Gemeinde zu Dessau in den Logenräumen zu einem Vortrage, den Kartellbruder Dr. Erich Stern, Berlin, übernommen hatte, wofür ihm auch an dieser Stelle nochmals gedankt sei. Stern verstand es in der ihm eigenen zündenden und hinreißenden Weise, unter dem Thema „Der jüdische Student von heute" für das Wesen des K. C. zu werben und es den Hörern nahezubringen. Der auch von einer größeren Zahl geladener Philister besuchte Vortrag fand begeisterten Beifall. Anschließend begab man sich wieder ins Cafe „Altes Theater" zü einem geselligen Beisammensein mit kaltem Imbiß und Tanz, wo die Teilnehmer noch bis Mitternacht vergnügte Stunden verbrachten. Kartellbruder Walter Kathammer und Frau sorgten für musikalische Unterhaltung, indem Kathammer unter Klavierbegleitung seiner Frau verschiedene Lieder zu Gehör brachte. Eine Kapelle sorgte auch sonst für die nötige Stimmung, und das Tanzbein wurde eifrig geschwungen. Der Abend wurde noch von Erfolg gekrönt durch die Aktivmeldung eines Keilfuchsen. Alles in allem eine sehr erfolgreiche Tagung, die in erfreulicher Weise erheblich dazu beigetragen hat, den schon beinahe verloren gegangenen Zusammenhalt unter den K. C.ern Mitteldeutschlands zu festigen und zu fördern. Mögen auch diejenigen Kartellbrüder, die auch leider diesmal wieder sich abseits gehalten haben, dies beherzigen und bei der nächsten Veranstaltung nicht fehlen! Den Kartellbrüdern werden in nächster Zeit vom Vorsitzenden auch die Jahresrechnungen zugehen. Ich bitte, diese dann umgehend begleichen zu wollen. Eine gelegentlich der Mittagstafel vorgenommene Sammlung für den K. C.-Hilfsfonds ergab ein erfreuliches Resultat. □ Weder- und Blätterfcbau □ Beiträge zur Geschichte der Juden. Eine der traurigsten Folgeerscheinungen der allgemeinen Verarmung des letzten Jahrzehnts ist es, daß eine Menge von Aufgaben nicht so erfüllt wird, wie sie eigentlich erfüllt werden müßte. Wir benutzen daher gern die Gelegenheit, immer wieder auch auf solche Einrichtungen hinzuweisen, die nicht rein sozialen Charakters sind, die aber auch der Förderung und Unterstützung bedürfen. Es sei heute auf zwei Einrichtungen hingewiesen, die wir unseren Kartellbrüdern nicht dringend genug ans Herz legen können: Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums und die neu geschaffene Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums ist vielleicht vielen nur durch ihre Monatsschrift bekannt, deren rein wissenschaftlicher Charakter noch dazu in Anbetracht ihres oft ins Religiös-Wissenschaftliche und Hebraistische Gehenden manchen nicht verständlich genug erscheint. Verschiedene unserer Kartellbrüder, die sicherlich gern den Mitgliedsbeitrag der Gesellschaft (mindestens 10 RM. im Jahr) opfern würden, scheuen ihn, weil sie glauben, daß die Arbeiten der Gesellschaft ihnen fern liegt. Wir halten es daher für unsere Pflicht, wieder einmal unseren Blättern das Verzeichnis der Schriften der Gesellschaft beizulegen, aus denen ersichtlich Jtft, wie unmittelbar die Arbeit der Gesellschaft unsere Freunde interessiert und wie viele der (Hhriften auch für sie von Interesse und Bedeutung sein werden. Aus der vor einigen Wochen stattgehabten Generalversammlung der Gesellschaft sei im übrigen noch berichtet, daß die Gesellschaft zurzeit an einer großen kritischen Ausgabe der Werke Moses Mendelssohns arbeitet, deren 1. Band noch in diesem Jahr erscheinen wird, und daß diejenigen Mitglieder, die die Zusendung der Monatsschrift der Gesellschaft vielleicht aus den von uns eingangs erwähnten Gründen nicht wünschten, im letzten Jahr das von der Gesellschaft herausgegebene Buch von Felix Rosenthal: „Heimat, Geschichte der badischen Juden" geliefert erhielten, ferner daß eine neue Auflage des zweiten Bandes Philippfon „Neueste Geschichte des badischen Volkes" erscheint. Wir würden es begrüßen, wenn in stärkerem Umfang als bisher auch unsere Kartellbrüder sich der Gesellschaft anschließen würden. Durch ihre wirtschaftliche Arbeit, insbesondere über die Geschichte der Juden in Deutschland, arbeitet die Gesellschaft zweifellos im Sinne unserer Bestrebungen. In gleichem, wenn nicht noch stärkerem Maße gilt dies aber auch für die jetzt neu im Philoverlag erschienene Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland. Hier wird in populärer Form Aufklärungsarbeit im besten Sinne getrieben und von jüdischen wie deutschen Gelehrten das leider allzu, unbekannte Material verwertet, daß die Jahrtausende lange Verbundenheit der deutschen Juden mit ihrem Vaterlande beweist. - Dr. L e v i, Mainz, berichtet in dem ersten Heft über die Spuren der ältesten jüdischen Siedlungen am Rhein an Hand der Grabsteine jüdisch-römischer Legionäre. Professor Glbogen schreibt über die Quellen zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland, Dr. Freudenthal, Nürnberg, bespricht die Verfassungsurkunden einer reichs-ritterlichen Judenschaft, die emen interessanten

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