KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 3-5 (22.5.1929)
- Date
- 1929-05-22
- Page
- Seite 33 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Wolfs, dessen Arbeit und Interesse an der Verbindung geradezu vorbildlich ist) allein aus der Debatte heraus Klärung der Anschauungen und Aneignung des geistigen Materials stattfinden sollte. Ferner besuchte jeder Aktive einen von den Vortragszyklen der Freien jüdischen Volkshochschule, in denen von hervorragenden Referenten jüdische Probleme verschiedener Gebiete behandelt wurden. Ein Vortrag von A. h. Dr. Ernst Frankel über das Thema „Der deutsche Student in der Gegenwart" bot Grundlage für eine äußerst interessante Diskussion über Gegenwartsfragen des Deutschen Studententums. Wir besuchtet: außerdem einige Vorträge des „Jüdischliberalen Iugendvereins" u. a. ein Referat unseres A. £j. Dr. Felix Goldmann über „Religion und Politik". Nicht vergessen werden soll, daß eine gemütliche Chanukafeier einen Teil der Bbr. Bbr. bei Chanukalichtern und Prendel auf dem Verbindungshause vereinte. Im ganzen kann gesagt werden, daß das geistige Interesse reger und der Wille zu geistiger Arbeit aufrichtiger und intensiver war als in den letzten Semestern. Wir glauben und erwarten, daß dieser Fortschritt in den nächsten Semestern anhalten und sich auswirken wird. Die hochschulpolitische Situation in Breslau ist unverändert. Wir arbeiten mit an der Konsolidierung der hiesigen Ortsgruppe des „Deutschen Studentenverbandes", die in nächster Zeit durch Angliederung an den republikanischen Altakademikerbund ideell und materiell gestützt werdet: soll. Der Sportbetrieb, den wir in diesem Semester, abgesehen von dem wöchentlichen Schwimmoffizium, innerhalb der Boxabteilung des „Turnvereins Vorwärts" abgehalten haben, wird sich in dieser Form nicht fortführen lassen. Das scharfe Training hat jedoch den Bundesbrüdern bestimmt sehr gut getan, und wir werden im Sommer auf unserem schönen akademischen Stadion die Sportoffizien weitestgehend fortführen und ausgestalten. Nun noch einige persönliche Daten: Die interimistischen Chargen und Wartschaften wurden bestätigt. Es meldete sich aktiv Herr stud. theol. Hans Zucker, so daß wir das Semester mit 23 Aktiven durchführten. Wir rezipierten unsere Brander Herzberg, Dallmann, Wolfsohn, Rosenbaum, Schein und Gerber. Wir inaktivierten unsere a. B. a. B. Poppelauer, Löwenthal, Schaal, Fränkel, Schrenk, Fuchs und Kutner. Das Referendarexamen bestand unser i. a. B. Brück, das Assessorexamen A. H. Reich, den Dipl.-Ing. machte unser i. a. B. Tauber. Ihnen allen sei an dieser Stelle nochmals herzlichst gratuliert. Die F. C. besteht aus: X i. a. B. Eugen Poppelauer (X), XX a. B. Harry Rosenbaum XXX a. B. Kurt Stanner. Vineta, Berlin. Mit Beginn des Wintersemesters bezog die Verbindung ihr neues Heim am Kurfürstendamm und verlegte damit den Mittelpunkt ihres Lebens aus einem, gelinde gesagt, unwohnlichen Lokale in ein Heim, das in geschmackvollster Wohnlichkeit seinesgleichen sucht. Diese örtliche Veränderung bedeutet ein Wesentliches für die innere Wiedererstarkung der Verbindung, da die neuen Räume die Bundesbrüder nicht nur zu pflichtgemäßem Aufenthalt, sondern in starkem Maße zu oftmaligem freiwilligem Zusammensein vereinen. Wir hatten tu der stimmunggebenden Wohnung zwei gutgelungene gesellschaftliche Veranstaltungen. Ein Channukafest, würdig begonnen mit Lichteranzünden und ernster Aussprache und vergnügt fortgesetzt mit Tanz, lustigen Aufführungen und Einzeldarbietungen. Karneval brachte uns ein Kinderfest, auf dem sich die kleinen Vineten und ihre Gäste in ihren kindlichen Verkleidungen recht wohl fühlten und sich unglaublich natürlich kindlich benahmen. Der gestrenge Herr Lehrer Wachsmann mit seinen reizenden „Die „Glocke s la Vineta" aufsagen wollenden Schülerinnen und Theo, der Kinderwagen-Lohengrin werden den Bundesbrüdern als angenehme Assoziation des Karnevals verbleiben. Gemeinsamer Theaterbesuch und morgendliche Spaziergänge im verschneiten Grunewald unter kundtger Führung der Berliner Bundesbrüder zeigten den auswärtigen die literarischen, künstlerischen und landschaftlichen Reize Berlins. Von den Wissenschaftlichen Abenden, an denen zum Teil auch die Freunde und Freundinnen der Perbindung teilnahmen, brachten große Anregung ein Vortrag mit musikalischer Interpretation über das Thema „Von Wagner bis Hindemith", gehalten von Kbr. Sabel, und ein Vortrag von Kbr. Totscheküber „London und Londons Juden". Eine große Aussprache folgte den Ausführungen des Bbr. Mainzer, der über das Problem der Kameradschaftsehe referierte. — Außerdem hielten wir die Semesterantritts- und Schlußkneipe. Die wenigen Offizien, die in diesem Bericht erwähnt werden können, zeigen die in unserer Verbindung ständig zunehmende Tendenz, dem Verbindungsleben neuen Inhalt zu geben. Wir legen großen Wert auf die Beschäftigung mit weltanschaulichen und wissenschaftlichen Fragen vornehmlich jüdischer Natur, bei schwächerer Betonung der Verbindungsäußerlichkeiten. Die Frage der künftigen Gestaltung der Verbindung beschäftigt die Bundesbrüder derart, daß für den Beginn des nächsten Semesters bereits ein Ausspracheabend über dies für den K. C. wichtigste Thema geplant ist. Das Semester war für alle Bundesbrüder anregend und brachte als bestes Ergebnis einen wirklich festen freundschaftlichen Zusammenschluß der Verbindungsmitglieder. An dieser Stelle danken wir noch einmal e. l. K. V. „Friburgia" für die prachtvolle Aufnahme, die wir beim K. C.-Tag in Königsberg fanden, sowie e. l. K.V. „Saxo-Bavaria" für die Gastfreundschaft, die sie unseren Bundesbrüdern in Leipzig entgegenbrachte. Die aus den definitiven Chargenwahlen hervorgegangenen Chargierten waren M. Radt, H. Francken und Th. Hannes. Das Fuxmajorat für Comment hielt i. a. B. G. Wachsmann (Lic.), der sich dankenswerter Weise wieder aktiv meldete, und das für Tendenz W. Mainzer. Den Chargierten wie den Fuxmajoren wurden bei der Dechargierung die Klammert: verliehen. Eine l. K.V. „Sprevia" beurlaubte zu uns die a.B. a.B. Francken, Jansen, Mainzer und Totschek, und überwies den a. F. Neumann, dem wir auf seinen Wunsch den Austritt gewährten. Aktiv meldete sich Herr stud. ing. A. Schacher. Auf dem Schlußkonvent inaktivierten wir unsere a. B. a. B. Schermann und Schwarzschild. Rheno-Palatia, Würzburg. Das Winter-Semester ist dahingegangen; noch einmal lassen wir unseren Blick über alles das schweifen, was uns die Tage in ihrem stets wechselnden Auf und Ab brachten, noch einmal legen wir uns die natürlichste aller Fragen vor: Was haben wir erreicht? Mannigfaltig, wie die Ziele und Wünsche zu Beginn des Semesters waren, bietet sich uns auch die Bilanz dieser Zeit dar. so daß es scheinen will, daß wahrhaft „ungemischte Freude" auch der Verbindung nicht zuteil wurde. — Ist schon