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KC-Mitteilungen · 1929-05-22 · Heft 3-5 (22.5.1929) · p. Seite 28

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 3-5 (22.5.1929)
Date
1929-05-22
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 vorhergehenden Seite in Einklang zn bringen ist, in dem die drohende Belastung der deutschen Kulturbelange durch die jüdischen Akademiker so drastisch dargelegt ist. Hier findet man nun, um in der Sprache der „Deutschen Akademikerzeitung" zu bleiben, als vollkommen deutsches Geisteswesen eine Sammlung von Juden, Halbjuden, Iudenstämmlingen und Iudengenossen aus Gegenwart und Vergangenheit der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zitiert. Es ist doch manchmal unangenehm, wenn die Rechte nicht weiß, was die Linke tut. Kayrische Hochschulzeitnng. Wir haben zu wiederholten Malen an der Unparteilichkeit der „Bayrischen Hochschulzeitung", des amtlichen Organs der Münchener Studentenschaft, Kritik zu üben gehabt, weil sie in bezug auf unpolitische Gesinnung etwas merkwürdige Anschauungen an den Tag gelegt hat. Es sei darum auch einmal das Gegenteil mit Befriedigung registriert. Unter dem Thema „National-Sozialismus und Asta-Wahl" brachte die „Bayrische Hochschulzeitung" Anfang d. I. einen Aufsatz, der sich sehr scharf für National-Sozialismus einsetzte. Und nun erscheinen in der „Bayrischen Hochschulzeitung" einige Entgegnungen, keineswegs etwa nur von jüdischer Seite, aus denen wir doch einige Bemerkungen zum Abdruck bringen wollen. Herr stud. jur. Georg Rietsch wendet sich z. B. gegen Darlegungen eines völkischen Artikelschreibers, und führt u. a. folgendes aus: „.... der Herr Verfasser fordert u. a. Ausschaltung aller fremdartigen Elemente in der Dozenten- und Studentenschaft und beweist damit, daß er das wahre Wesen der Wissenschaft nicht erkannt hat. Eine solche Forderung mag für Politik und Wirtschaft schließlich verständlich sein, für die Wissenschaft ist sie aber unsinnig. Was versteht denn der Herr Verfasser unter dem Ungeist der fremdartigen, .insbesondere jüdischen Wissenschaft? Gibt es etwa einen Unterschied zwischen jüdischer und nichtjüdischer Medizin, zwischen jüdischer und nichtjüdischer Natur- und Rechtswissenschaft? Warum sollen wir uns nicht die Forschung und Erkenntnis nicht deutschstämmiger Gelehrter ebenso zu eigen machen im Dienst der Wissenschaft wie die deutsche Wissenschaft? ." Und ein weiterer Einsender wendet sich noch schärfer gegen die Forderung des Artikelschreibers, der den National-Sozialismus verlangt und der zu stark in das Grundsätzliche geht, als daß es möglich wäre, ihn hier im einzelnen zu behandeln. Wir registrieren diese Stimmen als Versuche zur Wahrung der Objektivität. Das gleiche Streben zur Wahrung der Objektivität eigt sich übrigens auch an anderer Stelle. So z. B. inoen wir eine recht lobende Buchbesprechung über die Gedichtsammlung von Lissauer im Weltgeistverlag in der Nummer vom 2. Mai. Wenn wir dann allerdings auf der anderen Seite auch einen Vortrag im Kampfbund für deutsche Kultur über Münchens Kulturaufgaben von Herrn Adolf Rosenb e r g finden (bekanntlich trotz seines Namens der rein arische Schriftleiter verschiedener völkischer Blätter), so fragt man sich, ob es nicht räumlich möglich wäre, dieser Objektivität deutlicheren Ausdruck zu geben. Es sei übrigens noch festgestellt, daß in diesem Bericht das Wort „Jude" überhaupt nicht vorkommt, sondern daß gesprochen wird, daß vom Westen her das Niggertum und vom Osten das Asiatentum das Germanentum bekämpft. Abgesehen von der Untergrabung des Rechtsgefühls und des deutschen helden-Jdeals werden als die Bannerträger dieser Untergrabung bezeichnet (ob es Asiaten oder Nigger sind, ist nicht klar erkennbar) selbstverständlich Revolutionspresse, Charlie Chaplin, wobei auch Krenek: „Jouny spielt auf", nicht fehlen darf, die „Frankfurter Zeitung", Reinhardt und Thomas Mann. Doch dies nur nebenbei. — Die Juden in der Reichshochfchnlstatistik für das Somnrerfemester 1938. (J.T.A.) Im Sommersemester 1928 wurden die deutschen Universitäten von 81917 Studierenden besucht, darunter 3571 Juden. Der Anteil der Juden an der Zahl der Studenten betrug 4,4 Prozents während der jüdische Bevölkerungsanteil in Deutschland nach der Volkszählung im Jahre 1925 nur 0,9 Prozent ausmacht. Unter den 4019 ausländischen Studenten, enthalten in den obigen Zahlen, befinden sich 787 jüdischen Glaubens. Sie machen 22 Prozent der Juden überhaupt aus, 19 Prozent der Ausländer. Es studieren 2733 jüdische Männer, 1838 jüdische Frauen. Unter den jüdischen Studierenden befinden sich also etwa zwei Fünftel Frauen, während die Gesamtzahl der Studentmnen in Deutschland 11883 beträgt, so daß von sämtlichen studierenden Frauen 15 Prozent Jüdinnen sind. 32 Prozent der jüdischen Hochschüler studieren Rechtswissenschaft, davon 1013 Männer, 109 Frauen, 114 Ausländer und 16 Ausländerinnen. 27 Prozent der jüdischen Hochschüler studieren allgemeine Medizin, davon 661 Männer und 295 Frauen. Bei diesem Studium betragen die jüdischen Ausländer 25 Prozent. Die meisten jüdischen Hochschüler studieren in Berlin, und zwar 1100 (287 Ausländer) unter 10 691 Studierenden (994 Ausländer). Es folgen Frankfurt mit 369 Juden unter 3657 Studierenden, Freiburg mit 285, Heidelberg 251, Münster 247, Breslau 224 jüdischen Studierenden. In Aachen, München, Braunschweig usw. studieren zurzeit nur wenige Juden. Von den Technischen Hochschulen hat Berlin-Charlottenburg weitaus die meisten jüdischen Studenten. Jüdischer' Friedensbrmd. Auf Einladung namhafter Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Berlin fand am 7. März im Brüderverein unter dem Vorsitz von Herrn Dir. Oscar Wassermann die Konstituierende Versammlung des „Jüdischen F r i e d e n s b u n d e s" statt. Wie aus den einleitenden Ansprachen des Vorsitzenden, der Herren Rabb. Dr. Baeck und Prof. Einstein, sowie aus dem Referat des Herrn Dr. Nossig hervorging, ist die Gründung der neuen Vereinigung auf die Anregung des evangelischen „Weltbundes für internatronale Freund sch aftsarbeit der Kirchen" und des „FriedensbundeK Deutscher Katholiken"" zurückzuführen, die die Bildung einer „Interkonfessionellen Arbeitsgemeinschaft für den Frieden'^ unter entsprechender Mitwirkung jüdischer Kreise vorbereiten. An der Spitze des „Weltbundes" stehen der Erzbischof von Canterbury, Erzbischof Ssoederblom von Apsala, in Deutschland Reichsgerichtspräsident a. D. Dr. Simons, Konsistorialrat Dr. Schreiber, Dr. theol. h. c. Spiecker und viele führende Theologen. Die Arbeitsgemeinschaft, in deren Rahmen der Jüdische Friedensbund sich einfügen wird, schließt politische und wirtschaftliche Momente grundsätzlich

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