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KC-Mitteilungen · 1929-05-22 · Heft 3-5 (22.5.1929) · p. Seite 27

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 3-5 (22.5.1929)
Date
1929-05-22
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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27 Fragen der jüdischen Einstellung auf dieser Tagung ohne Bedeutung sind und daß hier lediglich soziale Gesichtspunkte ausschlaggebend sein können. Allerdings glaubte Halitzki damals, als einzige Vertretllng der deutsch-jüdischen Studentenschaft in Paris erscheinen zu können. Doch, was weiß Herr halitzki über die Einstellung der nicht-jüdischen Vertreter zu berichten? Ein' kleiner Ausschnitt aus diesem Artikel in der „Jüdischen Rundschau" beweist dies am besten: „Sine andere Situation: Professor Qualid hat sein Referat über die Lage der Juden in Europa beendet. Rationalökonom an der Sorbonne, brachte er es in glänzender Form, mit vielem Material. Er ist Jude, guter Sohn Frankreichs, steht der Alliance Israelite nahe. Die Debatte setzt ein, eine Französin spricht, allgemein beliebt, weil sie ihre ganze Kraft an die Idee des Friedens und der Völkerverständigung setzt. Sie fragt Qualid, wie er als Jude zu Frankreich stehe, sie glaube, daß sein Verhältnis zum Lande doch im letzten ein anderes sein müsse als etwa das ihre. Qualid weicht aus, beruft sich auf die französische Revolution, die alle Gegensätze im voraus ausgeglichen habe. Die Französin wird dringlicher, fragt ganz klar: Wenn Sie in einen Konflikt kommen, in dem Sie zwischen Frankreich und Judentum zu wählen haben, was werden (sie tun? Rach kurzem Zögern die Antwort: Ich werde Frankreich wählen. Die zahlreichen jungen Rationaljnden sind entsetzt, die anderen erstaunt und ungläubig.... Ein neues'Bild: Der Vertreter des K. C. der Deutschen Studenten jüdischen Glaubens, unser engerer Gegner, spricht in der Debatte. Ich ahnte schon, was er sagen könnte, meine Freunde aus Oesterreich, Polen, England, Amerika sind erwartungsvoll. Er sprach über das Heranwachsen des deutschen Staates vom frühen Mittelalter, sprach lange von der Staatsauffassung Friedrich des Großen und von dem Begriff des Gottesgnadentums. Das jüdische Problem? — wie heißt doch — die juristische Formel? Mangels Masse wurde der Konkurs nicht eröffnet. Ich hatte Not, meine Freunde zu beruhigen.“ Es ist zweifellos das gute Recht des Herrn Halitzki, sich gegen einen Nichtzionisten zu wenden, aber es fragt sich, mit welchen grundschürfenden, neuen Lösungen er dann das berührt, was er unter „dem jüdischen Problem" versteht und diese Weltweisheiten möchten wir unseren Kartellbrüdern doch nicht vorenthalten: „... Das persönliche Ergebnis? Kulturelle, wirtschaftliche, politische Faktoren des Antisemitismus zugegeben. Der tiefe Grund liegt im Menschlichen, liegt darin, daß die anderen vor uns in einer geschichtlichen Situation keine Achtung besitzen, die sie selbst herbeigeführt haben. And so werden alte Erkenntnisse von neuem bestätigt: Normalisierung des jüdischen Volkes brauchen wir, ein Argument gegen all diesen Haß müssen wir uns schaffen: die meßbare, von niemand zu leugnende jüdische Leistung den Aufbau Palästinas. Einkehr der akademischen Jugend? Einkehr aller Böswilligen? — Wieviel Zeit werden wir zum Aufbau Palästinas brauchen?...." Ist Herr Halitzki wirklich so naiv, daß er sich von dem Aufbau Palästinas, von der Ansiedlung einiger Hunderttausend Juden die Beseitigung des Antisemitismus in den Ländern der Welt verspricht? Hat er so wenig die Argumente verstanden, die auf dieser Tagung von den Völkischen aller Länder gegeben wurden? And was versteht er unter „Normalisierung des jüdischen Volkes"? And inwiefern soll diese Normalisierung das jüdische Problem lösen? — Eine Frage ist allerdings nicht Problem, daß Herr Halitzki nämlich die Kritik, die er an den Auffassungen anderer übt, nicht mit der gleichen Schärfe auch gegen sich selbst gelten läßt. H. B. Wenn die Rechte nicht weiß» was die Kinde Int . . . Die „Deutsche Akademikerzeitung" hat trotz all der Wandlungen, denen sie insbesondere in ihrer Anerkennung als offizielles Organ der völkischen Akademikerverbände ausgeseht gewesen ist, sich in einer Beziehung nicht gewandelt: in ihrer Stellung zum Judentum. Daß aber trotzdem dann und wann die „Deutsche Akademikerzeitung" und die Zeitschrift „Student" miteinander in Konflikt geraten, wer den echten Ring besitzt, ist weiter kein Wunder, wenn man die Folge 41 der „Deutschen Akademikerzeitung" vom Jahr 1929 zur Hand nimmt. Man findet dort auf Seite 3 einen recht interessanten Aufsatz zum Antisemitismus der Akademiker Oesterreichs. Es wird zunächst festgestellt, daß in Wien 23 Prozent, in Berlin 9,8 Prozent jüdische Studenten an der Aniversität studieren (ob es übrigens eine Aniversität ist, bleibt unklar, es können vielleicht auch sämtliche Hochschulen zusammengefaßt sein), und daß dieser Prozentsatz doppelt so hoch ist wie der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung der betreffenden Städte. Wieder einmal ein Beweis für völkische Statistiken. Seit wann ist man gewohnt, Statistik der Studentenschaft nach dem zufälligen Bevölkerungsverhältnis der Universitätsstädte zu treiben? Es scheint sich in völkischen Kreisen noch nicht herumgesprochen zu haben, daß nicht in jeder Stadt Universitäten bestehen, und daß auch nicht jeder Student in seiner Heimat studiert. Es soll sogar auch ausländische Studenten in gewissen Aniversitätsstädten geben. Genau so wäre es richtig, wenn man zurzeit der Studentenhunde die Zahl der Studentenyunde in ein Verhältnis zur Gesamtzahl der Hunde der betr. Stadt gestellt hätte. Wenn in so feierlicher Ausdrucksform gesprochen wird, wie z. B.: „Heute aber scheint den Juden die ihm eigene feine Witterung auch auf dieses wirtschaftlich wenig aussichtsreiche Gebiet gelenkt zu haben. So sehen wir in Wien heute sämtliche jüdischen Lehrer und Lehramtskandidaten innerhalb der sozialistischen Partei. Den jüdischen Hörern der Philosophie erleichtert ein fettes Stipendium der Gemeinde Wien das Studentenleben.", so ist auch dies, vorsichtig ausgedrückt, etwas irreführend, abgesehen davon, daß die Angabe vielleicht nicht einmal zutrifft, liegt tue Frage nahe, ob die jüdischen Lehrer, wenn sie sich organisieren, der christlich-sozialen Partei oder der völkisch-großdeutschen Partei beitreten sollen. Andere Parteien stehen aber: in Oesterreich nicht zur Verfügung. Das dürfte sogar einem in Wien erscheinenden Blatte wie der „Deutschen Akademikerzeitung" bekannt sein. Außerdem braucht wohl nicht betont zu werden, daß etwa die Gemeinde Wien besondere jüdische Stipendi.en bewilligt Aber nicht wegen dieser Darlegungen haben wir diesen Aufsatz zitiert, sondern weil er besonders dann interessant ist, wenn man sich die Mühe macht, das Blatt umzudrehen und auf Seite 4 den Aufsatz über Aufgaben und Leben der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zu lesen. Denn hier scheint der Name „Kaiser-Wilhelm- Gesellfchast" den Herren so imponiert zu haben, daß sie nicht die Zeit gefunden haben, einmal zu prüfen, inwieweit dieser Aufsatz mit dem auf der

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