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KC-Mitteilungen · 1929-02-22 · Heft 1-2 (22.2.1929) · p. Seite 12

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 1-2 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Das Arterl ist von unserm Standpunkt aus zu begrüßen. Es wird jene auf der Lut sein lassen, und soll uns als gute Waffe dienen für alle derartigen zukünftigen Fälle. Bericht über die Uerlrarrdlnrrgen rirr Gründung eines Pcichsnerdandes jüdischer Studierender. Ende Juni v. I. lud der Vorsitzende des Altherrenbundes des A. I. G. B. Vertreter der Berliner jüdischen Korporationsverbände zu einer Besprechung über die evtl. Gründung eines sogen. Reichsverbandes jüdischer Studierender ein. Vertreten waren in dieser wie in den folgenden Sitzungen K.I.V., B.Z.K., B.2.A, V.I.N.K. (A.I. G. V. und Dalehmia) und der K. C. Die vorläufigen Hiele und Aufgaben dieses Verbandes wurden in einem Programmentwurf dargelegt, der von K. I.D. und A. I. G. V. verfaßt war. Punkt 1 dieses Entwurfs enthielt ausschließlich soziale Forderungen, wie Schaffung einer Darlehnskasse, Berufsberatung, Arbeitsvermittlung, Verschaffung von Studienmitteln usw. Besonderes Gewicht wurde hier auf den Gedanken der j Selbsthilfe gelegt. Die Punkte 2—4 lauteten wörtlich: „2. Als Aufgaben wären anzusehen: engerer gesellschaftlicher Könner und intensivere geistige Fühlungnahme, beruhend auf freundschaftlicher und sachlicher Einstellung zuein- 3. Wahrung der Gesamtinteressen der jüdischen Studierenden an den Hochschulen und einheitliche Teilnahme an dem hochschulpolitischen Leben. 4. Zusammenschluß mit den jüdischen Studierenden Deutsch-Oesterreichs zu einem Gesamtverband und angemessene Vertretung im Weltverband jüdischer Studenten." Da die letzten drei Punkte für uns nicht annehmbar waren, vom B. I. A. übrigens auch abgelehnt wurden, so blieb lediglich Punkt 1 des Programms übrig, zu dessen Durchführung von den Vertretern ein vorläufiger Arbeitsausschuß gebildet wurde, dem der K. C. auch angehört. Im Laufe der weiteren Verhandlungen wurde dann allmählich darqelegt, wie man sich im einzelnen den Aufbau des Reichsverbandes dachte. Es sollten in den einzelnen Hochschulstädten Vertreter der verschiedenen Korporationen Ausschüsse bilden, die die erforderliche Arbeit zu leisten hätten. Insbesondere wäre es auch ihre Aufgabe gewesen, innerhalb ihres Bezirkes die erforderlichen Gelder aufzubringen. Als Dach der Organisation sollte eine Zentrale mit dem Sitz in Berlin geschaffen werden, die sich aus Vertretern der Lokaloraanisationen zusammensetzte und periodisch tagte. Für die Erledigung der laufenden Geschäfte sollte aus der Zentralvertretung heraus ein Präsidium gewählt werden. Außerdem hatte die Zentralvertretung das Recht, Persönlichkeiten, die sie für geeignet hielt, zu Förderern des Verbandes zu ernennen. Diese Gedanken fanden ihren Niederschlag in einem entsprechenden Statutenentwurf. Der ganze Aufbau des Verbandes bot auch nicht im mindesten eine Gewähr dafür, daß seine Parität stets gewahrt blieb, da ja nicht an allen Hochschulplät-en alle jüdischen Richtungen und wenn, dann bestimmt nicht in gleicher Stärke vertreten sind. Außerdem schien es uns aus rein praktischen Erwägungen heraus viel zweckmäßiger, die rein sozialen Dinge, die ja allein übrig geblieben waren, zum mindesten unter Mitwirkung der örtlichen Wohltätigkeitsorganisationen 31t behandeln, deren Erfahrungen man sich sogleich nutzbar machen könnte, und die eine gewisse Sicherheit der ganzen Verhältnisse schaffen könnten, die sonst bei dem ständig wechselnden Bestand der aktiven Verbindungen recht fraglich wäre. Außerdem erschien uns der Name Reichsverband jüdischer Studierender durchaus nicht zweckentsprechend. Aus all diesen Gründen begrüßte der K. C. es sehr, daß die Zentral-Wohlfahrtsstelle, mit der bereits der Arbeitsausschuß des Reichsverbandes verhandelt hatte, plötzlich die Führung in dieser Angelegenheit an sich nahm. Der Arbeitsausschuß löste sich stillsckweiaend auf. und am 18. Dezember v. Z. fand die erste Sitzung der Verbandsvertreter, zu denen jetzt noch der Verband jüdischer Studentenvereine hinzukam, statt, in der die Z. W. St. neue Pläne für ein sicherlich sehr erstrebenswertes jüdisches Studentenhilfswerk unter tätiger Mitarbeit der Studenten, also in erster Linie der Korporationen, entwickelte. Damit sind diese Dinge in ein vollkommen neues Stadium getreten, und über den weiteren Verlauf wird an dieser Stelle weiter berichtet werden. Zur Berufswahl btt Abiturienten. In den nächsten Wochen verlassen mehr als 25000 Abiturienten und Abiturientinnen die deutschen höheren Schulen. Die meisten von ihnen stehen damit vor der Entscheidung über ihren Lebensberuf. Von der Richtigkeit dieser Entscheidung hängt nicht nur das Lebensglück des einzelnen, sondern in mancherlei Hinsicht das Gesamtschicksal unserer deutschen Zukunftsentwicklung ab. Deshalb ist gewissenhafte Selbstvrüfung, also gründliche Erforschung der eigenen Anlagen und Begabungen sowie der möglichen Berufsarten und Ausbildungswege eine Gewissenspflicht für Schüler, Eltern und Erzieher. Diese Pflicht kann nicht ernst genug genommen werden, denn infolge der gedrückten Existenzbedingungen in allen Berufen, die in der Gesamtlage Deutschlands begründet liegen, kann nur der für seinen Beruf wirklich Geeignete und Befähigte auf Vorwärtskommen hoffen. Das sollten vor allem diejenigen beherzigen, die an eine Universität oder Hochschule gehen wollen, um sich für einen akademischen Beruf vorzubereiten. Dieser Weg darf nur von denen beschritten werden, die für wissenschaftliche Arbeit in ganz besonderem Maße befähigt sind und deren Lebenskraft stark genug ist, um die mannigfachen Hemmungen. Schwierigkeiten und Enttäuschungen zu überwinden. Es gibt immer noch viel zuviele, die allein von der Hoffnung auf eine spätere angesehene soziale Stellung oder nur von der Aussicht auf günstige Einkommensverhältnisse zum Hochschulstudium getrieben werden. Ihnen sei gesagt, daß die meisten akademischen Berufe heute gerade in dieser Hinsicht unter großen Schwierigkeiten leiden, so daß bittere Enttäuschungen für viele nicht ausbleiben werden. Tausende von Akademikern befinden sich heute in Berufsstellungen, die sie ebensogut auch ohne Hochschulstudium hätten erlangen können; andererseits gibt es viele außerakademische Berufe, die tüchtigen jungen Menschen in jeder Hinsicht die Möglichkeit voll befriedigender Lebensarbeit eröffnen —. Besonders verhängnisvoll ist die weitverbreitete Hoffnung, daß die' hohen Kosten des Hochschulstudiums durch Stipendien, Studienbeihilfen usw. erleichtert werden können. Es sei eindringlich darauf

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