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KC-Mitteilungen · 1929-02-22 · Heft 1-2 (22.2.1929) · p. Seite 6

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 1-2 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Holländer denken: es kommt eine Zelt, ln der die heutigen Probleme keine mehr sein werden. Am letzten Tage vereinigten sich die Verbandsbrüder am Strande der verschneiten und tosenden See; ein schönes, eindrucksvolles Landschaftsbild sollte unseren Kbr. noch einmal versinnbildlichen: die stete Brandung, die an unseren Grenzen tobt, die starre Abwehr, die wir beherzigen, und die treue Freundschaft, die uns verbindet. Ihr alle, liebe Kartell- und Bundesbrüder, die Ihr in das weite, weiße Baltenland gekommen; seid bedankt dafür, daß wir in dem Glauben an unsere Kraft und Zukunft wieder gefestigt sind, erzählt es weiter, daß auch hier treue Freunde wohnen, die Euch stets mit offenen Armen empfangen werden. Dr. Georg Rosen st ein (Frib.) Ein großer Teil der Tagespreise im Reich hat über den Königsberger K. C.-Tag berichtet. Insbesondere hat die Königsberger Lartungsche Zeitung einen größeren Artikel über die gesamten Veranstaltungen gebracht. Eindrücke non der KiernMer Tagung. Von Gerichtsassessor Hans Lennhoff. (Sil., Rh.-Pal., Sprev.) Man bekommt eine Einladung vom Weltstudentenwerk in Genf. Es bittet um Teilnahme an einer Tagung in einem kleinen französischen Schloß in der Nähe von Paris zur Besprechung der jüdischen Frage in Europa. In der Einladung heißt es, daß die Tagung gewiß keine unmittelbaren Ergebnisse Hervorbringen könne; sie werde nur dann von Bedeutung sein, wenn die Teilnehmer zu einer weiteren ernsthaften Beschäftigung mit den Problemen angeregt werden können. Man bekommt also diese Einladung und schüttelt zunächst den Kopf, weiß man doch nicht recht, was eine solche Tagung für einen Zweck haben kann. Aber schließlich, nachdem man mit vielen guten Freunden gesprochen hat, und nachdem sich maßgebende Persönlichkeiten des Geschäftssührenden Ausschusses und des Central-Vereins für die Teilnahme an der Tagung ausgesprochen haben, fährt man hin. Man kommt, nach einer an sich schon interessanten Fahrt durch das Kriegsgebiet, nach Paris, fährt nach kurzem Aufenthalt mit einem Bummelzug weiter und steigt schließlich auf einer gottverlassenen kleinen Station aus. Boissy la Riviere heißt der Bahnhof nach einem ganz kleinen Oertchen von noch nicht 200 Einwohnern, bei dem das Schloß Biervikle gelegen ist. Es ist eine etwas langweilige, hügelige Gegend, in die inan gekommen ist, außerordentlich verlassen und eigentlich ziemlich öde. Im Sommer mag vielleicht der Schloßpark ein netter Aufenthalt sein; im Winter ist nichts vorhanden, dem Ankommenden die etwas skeptische Stimmung zu nehmen. In Bierville findet man ungefähr 30 junge Leute aus allen möglichen Ländern. Deutsche, Engländer, Franzosen, Schweizer, Tschechen, Oesterreicher, Rumänen, Polen, ja sogar einen Amerikaner. Aus verschiedensten Kreisen stammen sie. Der eine Engländer kommt aus den dunkelsten Slums von London. Ist als junger Bursche schon tätiger Kommunist gewesen. Er hat sich gewandelt; jetzt studiert er Theologie. Ein polnischer Jude, der in Paris studiert, hat drei Jahre als Arbeiter in Palästina gelebt; jetzt treibt er Volkswirtschaft. Der Präsident der Tagung, James Parkes, war im Kriege Frontosfizier im englischen Heer, hat dann Theologie studiert, ist jetzt Studiensekretär des Weltstudendenwerkes. Der Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft schließlich. Kein Antisemit, — wie er betont, — aber aus seiner politischen Weltanschauung heraus steht er den Juden doch recht kritisch gegenüber. Der Mischung der Völker entspricht die Mischung der Konfessionen. Katholiken, Protestanten, Juden aller Schattierungen. Unter ihnen die Zionisten, die einige Tage später in Paris eine besondere Tagung haben, weitaus in der Mehrzahl. Der äußere Zugang ist so primitiv wie nur möglich. Die Betten macht man sich selbst. Jeder ist sein eigener Stiefelputzer. Nur einige wenige Damen, Studentinnen aus Frankreich. Belgien und Oesterreich, stehen — außer dem Küchenpersonal — dem Kongreß als Hilfskräfte zur Verfügung. Auch an dieser Stelle sei ihnen noch einmal für ihre aufopfernde Liebenswürdigkeit gedankt. Das ist also der Rahmen, in dem die Iudenfrage in Europa und seinen Hochschulen, wenn auch nicht gelöst, so doch der Lösung näher gebracht werden soll. Man wundert sich. Und man schimpft auch etwas über die doch recht ungewohnten Formen, in denen sich das Leben während der fünf Tage der Konferenz abspielt; überdenkt man es nachträglich, sieht man aber, daß die Einberuser gerade mit der Wahl des entlegenen Bierville den richtigen Griff getan haben. Wenn man von morgens bis in die Nacht hinein nur auf einander angewiesen ist, wird man zwangsläufig schon von vornherein in ein kameradschaftliches Verhältnis zueinander gebracht; die Unterschiede der Herkunft und der Auffassungen, so groß sie sind, treten hinter der augenblicklichen Lebensgemeinschaft zurück.

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