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KC-Mitteilungen · 1929-02-22 · Heft 1-2 (22.2.1929) · p. Seite 4

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 1-2 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 hatte es sich nehmen lassen, wenigstens einen Freund zum Zeichen der Zugehörigkeit zu entsenden. So konnte es nicht ausbleiben, daß die Veranstaltung in allen ihren Teilen von den feurigen Weinen des „Blutgerichts" in dem ehrwürdigen preußischen Königsschloß bis zu dem Abschiedsausflug nach dem vereisten Ostseestrande in Crantz von dem Bewußtsein engster Verbundenheit der K.C.er aller deutschen Länder beschwingt war. Besonders befruchtend machte sich diese alle umfassende Stimmung bei den Verhandlungen und Ausschußsitzungen bemerkbar. Es darf selbst bei dem einem Bundesstaat vergleichbaren K. C. nicht als selbstverständlich angesehen werden, daß die dem Verbände angeschlossenen Organisationen ihre eignen Wünschehinter denen des Gesamtverbandes zurückstellen. Ebensowenig kann rückschauend festgestellt werden, daß die dem Verbände angehörenden Korporationen, Altherren- und Landesverbände sich immer gutwillig von vornherein den Mehrheitsbeschlüssen zu fügen gedachten. Nicht immer ließen sich Personalfragen ohne Rücksicht auf Korporationszugehörigkeit lediglich nach den Gesichtspunkten vorzüglicher Eignung entscheiden. Schließlich und endlich hatten wir uns fast daran gewöhnt, den Main als die Grenze zweier Welten anzusehen. Glücklicherweise sind alle diese Gegensätzlichkeiten nicht verschwunden. Sie leben fort, sie wirken sich weiter aus. Hinter ihnen steht auch weiterhin die alte kampferprobte Kraft. Die Kraft hat sich erhöht, sie ist gestählt, in Form gebracht. Die Kraft hat nicht allein mehr Glut; Vernunft hat sich mit ihr gepaart. Man schont die Kraft, macht nur mit Maß von ihr Gebrauch. Man ist besonnen geworden, abgeklärt. Geschickte Führung, vielleicht ein gütiges Geschick, hat es verstanden, den Verband durch die Zeiten höchster Not in Geduld ausharren zu lassen. Nichts Altes ist gestürzt, nichts Neues angebetet worden. Mit berechtigtem Stolz darf der K. C. darauf Hinweisen, daß die schwersten Nöte der letzten zehn Jahre mit ihren ungeheuerlichen politischen, wirtschaftlichen und vor allem gesellschaftlichen Erschütterungen und Umwälzungen seine Stabilität nicht zu erschüttern vermochten. Immer hat man es verstanden, die oft, zeitweise Jahre hindurch bis aufs höchste erregten Gemüter und auch die schon mutlos gewordenen bei der Fahne in ihren alten Farben zu halten. Der Hauch links- und rechtsradikaler Geistesrichtungen hat naturgemäß auch vor den Toren des K. C. nicht halt gemacht. Alle diese Strömungen hatten sich bei uns gefangen und wurden festgehalten, bis sie sich endlich durchdacht und geläutert als geeinter Strom in den K. C.-Tag von Königsberg ergießen durften. Jetzt konnte man das Wagnis beginnen und ernstlich an Reformen im Verbände Herangehen. Deshalb ist es kein Zufall, daß man zwar nicht von vornherein einer Meinung war, daß aber überwiegend abgeklärte, wohl abgewogene Ansichten vorgetragen wurden, daß es in manchen Punkten sogar gelang, sich vor der Abstimmung in einer bestimmten Richtung zu einigen. Das war nur möglich, weil alle Teile in ihren Forderungen das Maß einzuhalten wußten, das erforderlich ist, um den Verband mit seinem bisherigen Inhalt und in seinen hergebrachten Formen bestehen zu lassen, und alle es dabei bewenden ließen, auch für diejenigen, die bisher nicht in ausreichendem Maße zu ihrem Recht gekommen waren oder deren Weltanschauung sich nur schwer innerhalb des Verbandes zurechtfinden konnte, die Gewährung der Möglichkeit zur Freude in und an dem Verbände zu fordern. Es ist ein Anfang gemacht, der Jahre braucht, um sich zu erproben und neuen Gedanken den Weg zur Fortentwicklung ebnet. Ein eigenartiges Spiel der Kräfte bot sich dar. Die Jungen wollten überwiegend an dem Hergebrachten festhalten. Die Alten, denen das Hergebrachte heimisch, deren Werk es war, sie wünschten die Reform. Ich höre den Einwand: zufällig andere, fortschrittliche Vertreter! Wären es andere gewesen, dann wäre es kein Zufall; denn der Vertreter wird von den Verbänden mit Stimmenmehrheit gewählt und gibt die Ansicht seines Verbandes wieder. Es waren aber nicht einmal andere. Alle die alten „Recken" konnte man Wiedersehen und hören, die zum Teil schon vor dem Kriege an den K. C.- Tagen teilgenommen hatten. Jedoch gerade an ihnen sind die Zeiten nicht spurlos vorübergegangen, gerade sie haben als gereifte Männer die Notwendigkeiten einer neuen, vielleicht nur geänderten Zeit erkannt. Sie wissen, daß der Zeitpunkt vorwärts schreitet, die einmal weggesegte Gedankenwelt nicht wiederkehrt, daß man die Sprache seiner Umwelt sprechen muß, wenn man verstehen und verstanden sein will. Das schafft den Wunsch nach neuen Taten, neuen Formen. Die Jungen wieder kennen nur die neue Zeit. Das Alte ist für sie Geschichte, sie haben es selbst noch nicht erlebt. Sie finden in dem Hergebrachten etwas, was anders ist als das, was um sie lebt. Jedoch gerade weil es anders ist, darum ist es für sie schön. Und sie sind jung, so jung, wie die Alten jung waren, — und das ist alles! Ostpreußenkundgebung, K.C.-Kommers! Wer beides kennt und beides liebt, kann sie vereinigen. Kundgebung des K.C. für Ostpreußen,

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