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KC-Mitteilungen · 1929-02-22 · Heft 1-2 (22.2.1929) · p. Seite 3

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1929
Issue
Heft 1-2 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Jakob Aoewenberg zum Gedächtnis. „Semit! Ich senk das Auge nieder, wenn höhnend dieses Wort erklingt: mich quälts, daß der Verleumdung Syder kein Feuerbrand der Wahrheit zwingt, daß du nicht kannst den Drachen töten, mein Deutschland, sonst so ritterlich; als Jude fühlt' ich kein Erröten, jedoch als Deutscher schäm' ich mich!" Jakob Loewenberg "Aus jüdischer Seele". Semit! Jakob Loewenberg hat seine Augen für immer geschlossen. Als wir dichtgedrängt aus dem Friedhof in Ohlsdorf standen, um ihn zur letzten Ruhe 311 bringen, als man in einer erhabenen feierlichen Abschiedsstunde ihn noch einmal ehrte, ihn, den Dichter und Schulmann, den deutschen Sänger „aus jüdischer Seele", als gar, bevor wir seinen Sarg hinausgeleiteten zur Gruft durch ein Spalier seiner Schülerinnen, von zarter feiner Stimme vorgetragen als letzter Gruß sein Heidelberger Lied erklang „And lächelnd sprech ich noch im Sterben: Ich war zu Heidelberg Student", da empfanden wir, was dieser große Mensch uns deutschen Juden war, was auch wir K. C.er mit ihm verloren haben. Jakob Loewenberg trug nicht unser Band, er war alter Heidelberger L. C.er, der aufrecht und selbstbewußt schweren Herzens seinem Verbände den Rücken kehrte, als völkischer Geist ihm ein Verbleiben zur Qual machte. So sei es hier ehrlich ausgesprochen: Es gilt ein Versäumnis nachzuholen: Wenn irgend ein Mensch, so hätte Jakob Loewenberg schon längst eine Ehrung seitens des K. C. verdient. Nun sei ihm denn im Tode noch gedankt, was er für das deutsche Judentum und besonders für uns deutsch-jüdische Akademiker gewesen ist. Wie oft haben wir in fröhlichem Kreise sein Lied gesungen: „Wo zwischen grünen Bergen munter des Neckars klare Woge rauscht". Dies Lied, eine Zierde des deutschen Kommersbuches, würde allein ihn unsterblich gemacht haben, hätte er nicht durch seine übrigen Werke unsere Ideen in einer Weise ins deutsche Volk getragen, die ihresgleichen sucht. Ueberaus groß ist die literarische Tätigkeit Loewenbergs. Seine Gedichte, seine Kinderlieder, seine pädagogischen Schriften, seine Novellen, Aufsätze und Vorträge, besonders seine Gedichtsammlung „Vom goldenen Ueberfluß" haben eine ungeahnte Verbreitung erfahren und den Namen Loewenbergs in manches deutsche Haus getragen. Doch was uns Jakob Loewenberg in der Reihe seiner Werke menschlich so überaus nahe bringt, das ist sein immer wieder sich zeigendes starkes Bekenntnis zum Judentum: In seinen Liedern spiegelt sich eine rührende, auf seiner jüdischen Erziehung beruhende Anhänglichkeit zum alten Elternhaus wieder. Den Abtrünnigen gilt seine ganze Verachtung; ein Uebertritt zum anderen Glauben um äußerer Ehren willen ist ihm Meineid: „Nicht daß der Väter ihr vergessen. Daß andres Bündnis ihr gewählt; Nein, daß wir jemals euch besessen, Das ist es, was uns schmerzt und quält!" Für sich selbst verzichtet Jakob Loewenberg lieber auf Ehre und Würde, als daß er um eines äußeren Vorteils willen dem alten Glauben die Treue bricht. Wir können feinen Mut und seine Standhaftigkeit Nachlesen in seinem Lebenswerk „Aus zwei Quellen", in dem wir es miterleben, wie er, der einfache Sohn der westfälischen Erde, sich mit hartem Kampfe durchsetzt gegen eine Welt von Vorurteil, wie er die Liebe zur deutschen Heimat in einer seltenen Harmonie vereinigt mit seiner Treue zum alten Glauben. Seine Lieder „aus jüdischer Seele" gehören zum schönsten, was er der jüdischen Jugend schenken konnte. Wir wollen sie unseren jungen Bundesbrüdern geben, auf daß sie in Jakob Loewenberg ihren Führer und Lehrer sehen, die Idealgestalt eines deutschen Juden. Uns selbst aber mag, wenn wir uns immer noch dem Haß und der Verleumdung bei Teilen unserer Volksgenossen gegenübersehen, aus Jakob Loewenbergs Grab der Mahnruf des toten Dichters entgegenklingen, den er seinen Söhnen mit auf den Lebensweg gab: Sei fest, sei stolz, und eins noch laß dich lehren: Dich wehren, Jung, dich wehren! Ernst L u c a s (Sar., Rhen.-Pal.). K. C-Tag m Königsberg! Ein alter Wunsch der ostpreußischen Brüder, er ist nunmehr in Erfüllung gegangen. Mit dem aufrichtigen Gefühl herzlicher Dankbarkeit und berechtigtem Stolz darf der K.C. gerade auf diese Tagung Hinweisen. Selbst aus der nächsten Nachbarschaft ist es ein weiter und beschwerlicher Weg nach dieser nordöstlichen Großstadt des Reiches. Vielleicht ist der Pessimismus in die erdkundlichen Kenntnisse der westdeutschen Brüder zu groß?! Vorsorglich sei es ihnen plastisch gesagt: mindestens 12 Stunden durcheilt der Schnellzug von Berlin, Stettin und Breslau auch unter fremder Herrschaft deutsches Land! Es verdient deshalb hervorgehoben zu werden, daß etwa 15 aktive Burschen und alte Herren aus Breslau und über 20 aus Berlin der Einladung der Friburgia unverkennbar gern gefolgt waren. Aber auch Köln und München, Hannover und Frankfurt, Beuthen i. O.-S. und Karlsruhe waren vertreten. Kein deutscher Landesverband des K.C.

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