KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 11 (15.11.1928)
- Date
- 1928-11-15
- Page
- Seite 110 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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110 wurde, konnte auch die Albingia diesem Abkommen ohne weiteres gleichberechtigt beitreten. Aber dieselben Korporationen, die sich in diesem Paukkomment ehrenwörtlich zur gegenseitigen Achtung und Anerkennung ihrer Massen verpflichtet hatten, schellten anderthalb Jahre später sich nicht, dieses Abkommen zu verleugnen und unter Bruch ihrer ehrenwörtlich übernommenen Verpflichtungen uns die Satisfaktion zu verweigern. Die Jahre 1921 und 1922 sind erfüllt von einem dauernden Kampf der Albingia um ihre Gleichberechtigung innerhalb der andern Korporationen, die auch vor dem Mittel der Denunziation nicht zurückschreckten, um die ihnen unbequeme jüdische Verbindung zu unterdrücken. In diesem Kampf waren wir ganz auf uns selbst angewiesen. Auch die Universitätsbehörden versagten. Theoretisch erkannten sie zwar unfern Rechtsstandpunkt an, aber in der Praxis machten sie „im Interesse des akademischen Friedens" (den die andern Korporationen zuerst gebrochen hatten!) „Vermittlungsvorschläge", in denen sie uns zumuteten, vor dem Wunsche der Mehrheit der Studentenschaft zu kapitulieren. Es war genau dieselbe Taktik, die später unsere Kartellverbindungen in Freiburg, Hannover und andern Orten erlebten. Der Universitätsrichter nahm sogar daran Anstoß, daß in dem (wörtlich aus den K. C.-Satzungen übernommenen) § 3 unseres Statuts der „Kampf gegen den Antisemitismus" als Zweck der Verbindung proklamiert war, und so hatten wir nicht nur die geschlossene Front sämtlicher andern schlagenden und nichtschlagenden Halleschen Korporationen gegen llns sondern auch die akademischen Behörden. Dagegen fanden wir Wohlwollen und Unterstützung in reichstem Maße auf seiten der Hallenser jüdischen Bürgerschaft. Schon die beiden ersten großen Stiftungsfeste im Dezember 1919 und 1920 hatten gezeigt, wie sehr die Verbindung in der kurzen Zeit ihres Bestehens es vermocht hatte, Verständnis zu erwecken für die Bedeutung der K. C.-Tendenz. Das Auftreten einer K. C.-Verbindung in dem antisemitischen Halle wurde als Notwendigkeit, ihr Kampf als erlösende Tat empfunden. In dieser Erkenntnis schlossen zwölf Hallenser Bürger sich zu einem „Albingenklub" zusammen, dessen einzige Aufgabe es war, der Albingia in der schweren Zeit der Inflation die materielle Möglichkeit zur Fortsetzung ihres Kampfes zu geben. Dieses hochherzige Versprechen hat der Albingenklub gehalten in einer Weise, um die uns andere Kartellverbindungen oft beneidet haben. So war es uns möglich, bereits am 1. Januar 1921 ein kleines aber eigenes Haus zu beziehen, dessen Räume zu einem gemütlichen Verbindungsheim ausgestaltet wurden. Schon kurze Zeit später konnten wir Fahne und Wichs anschaffen und so am 10. Juli 1921 das Fest der Fahneniveihe begehen, das als der Höhepunkt in der Geschichte unserer Verbindung fortlebt. Wenn die Albingia trotz aller äußeren Schwierigkeiten sich so lange Jahre hindurch halten und mit Erfolg die K. C.-Tendenz verfechten konnte, so dankte sie das in erster Linie ihrer inneren Geschlossenheit und dem guten bundesbrüderlichen Verhältnis, das alle Mitglieder miteinander verband. Dabei herrschte stets trotz aller studentischen Fröhlichkeit eine straffe Disziplin, zu der auch das neue Htatut beitrug, das die Verbindung sich am 1. Juni 1921 gegeben hatte, und das später von mehreren andern Kartellverbindungen als vorbildlich übernommen wurde. Am 12. Dezember 1920 wurde anläßlich des zweiten Stiftungsfestes der Alt-Herren-Verband Albingia gegründet. Hatte er zunächst nur den Zweck, die Alten Herren organisatorisch zusammenzufassen, so haben die Verhältnisse seit der Suspension der aktiven Verbindung es mit sich gebracht, daß der A. H. V. immer mehr zum Schwerpunkt unseres Bundes wurde. Ihm fällt jetzt die Aufgabe zu, die Tradition und den Zusammenhang unter den Bundesbrüdern aufrechtzuerhalten. In Berlin, wo etwa die Hälfte der Mitglieder wohnt, finden in jedem Monat Zusammenkünfte statt, deren guter Besuch Zeugnis davon ablegt, wie stark immer noch das Gemeinschaftsgefühl in unfern Bundesbrüdern lebt. Und einmal in jedem Jahr vereint das Stiftungsfest alle Berliner und auswärtigen Bundesbrüder mit den Kartellbrüdern, die einst bei unserer Verbindung verkehrten. Daneben hat der A. H. V. Albingia es als seine vornehmste Aufgabe betrachtet, rechtzeitig diejenigen Einrichtungen zu schaffen, die es ihm ermöglichen, da helfend einzugreifen, wo bundesbrüderliche Hilfe gebraucht wird. Oft genug ist in den letzten Jahren im K. C. die Frage aufgeworfen worden, ob es richtig war, in der Nachkriegszeit all die neuen Verbindungen zu gründen, die nachher sich doch nicht halten konnten. Wer die Geschichte der Albingia miterlebt hat, dem kann die Antwort nicht zweifelhaft sein. Wir haben dem K. C. eine Reihe von Mitgliedern geworben, die ihm sonst verloren gegangen wären. Wir haben die Tendenz des K. C., den großen und befreienden Gedanken der Selbstwehr, hineingetragen in Kreise, die sonst niemals etwas davon gesehen hätten. Und wenn uns auch in unserm Kampf innerhalb der Hallenser Studentenschaft der endgültige Sieg nicht beschieden war, so haben wir doch unsere Farben in Ehren getragen und unserm Verbände An-