KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 11 (15.11.1928)
- Date
- 1928-11-15
- Page
- Seite 109 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2822870-2822914-2822922--547-2823591- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
109 Für Ehre und Recht! Zum 10. Gründungstag der Albingia. Von Rechtsanwalt Dr. Erich Stern, Berlin (Rh.-Sil., Frib.-Ghib., Alb.) hat uns auch jetzt das Leben Verstreut in alle Welt, Eins ist uns doch gegeben, Was uns zusammenhält, Was uns Zusammenkommen Aus allen Städten läßt, Wenn wir den Ruf vernommen: Einmal im Jahre wieder Einmal im Jahre wieder Steigt auf Erinnerung, Da tönen alte Lieder, Da fühlen wir uns jung. Und wie dereinst in Halle Uns Freundschaft treu verband, So reichen wir uns alle Aufs neu die Bruderhand. Wir können nicht mehr tragen Der Farben bunte Zier, Doch wollen wir nicht klagen: Albingen waren wir. Wir bleiben stets Albingen, Denn tief im Herzen lebt Der Wille, zu vollbringen, Was einst uns vorgeschwebt. Wir nahmen mit ins Leben Der Jugend Ideal, Wir werden weiter streben, Sind wir auch klein an Zahl. Und immer tön' aufs neue Der Ruf wie einst so echt: Für Freundschaft und für Treue, Für Ehre und für Recht! Diese Verse sollen erklingen und unserer Stimmung Ausdruck geben, wenn am zehnten Gründungstage der Albingia alte und junge Bundesbrüder mit Kartellbrudern und Freunden unseres Bundes sich vereinen, um den Tag zu begehen, an dem unsere Verbindung in Halle vor zehn Jahren ins Leben trat. Wir können dabei nicht wie andere Bünde des K. C. auf eine blühende aktive Korporation blicken, denn die Verbindung Albingia hat bereits vor vier Jahren aus Mangel an Aktiven endgültig suspendieren müssen. Aber dennoch ist das, was uns einst zusammengeführt hat, stark genug, um uns auch weiter zusammenzuhalten, und mit Stolz blicken wir zurück auf die kurze aber ruhmreiche Geschichte unserer Verbindung. Die Albingia ist hervorgegangen aus einem im Oktober 1918 in Halle gegründeten Saxo- Bavaren-Stammtisch. Am 14. Dezember 1918 wurde dann von acht K. C.ern der „K. C.-Stammtisch Halle" gegründet, der von Anfang an korporativen Charakter trug und kurze Zeit darauf zur Verbindung Albingia umgewandelt wurde. Bereits Mitte Februar 1919 setzte die junge Verbindung Vollcouleur auf und wurde auf dem Berliner K. C.-Tag am 2. November 1919 in den K. C. ausgenommen. Halle ist kein leichter Boden für eine K. C.- Verbindung. In normalen Zeiten studieren dort nur wenige junge jüdische Semester. So war es unausbleiblich, daß die Verbindung, die in den ersten vier Semestern ihres Bestehens immer eine starke Aktivitas gehabt hatte, bald an Leutemangel litt und schließlich eingehen mußte, heute wissen wir, daß diese Entwicklung zwangsläufig war. Aber trotzdem.haben wir damals die Verbindung aufrechterhalten, solange es nur irgend ging. Als Examenssemester und Referendare haben wir noch Couleur getragen, um die violettweiß-schwarzen Farben nicht von den Straßen Halles verschwinden zu lassen. Denn wir waren uns bewußt, auf einem besonders vorgeschobenen Posten zu stehen. Halle hat auf der einen Seite eine überwiegend .reaktionäre Bürgerschaft und eine fast durchweg antisemitische Studentenschaft, während auf der anderen Seite eine stark linksradikal gesinnte Arbeiterschaft steht. Mit besonderer Schärfe prallen hier die Gegensätze aufeinander, die durch die politischen Ereignisse der Nachkriegsjahre noch gesteigert wurden. Der Kapp-Putsch, der in den meisten Teilen Deutschlands eine Episode weniger Tage blieb, führte hier zu blutigen Unruhen, die noch lange nachwirkten. Unter solchen Verhältnissen die K. C.-Tendenz zu vertreten war keine leichte, aber eine um so notwendigere Aufgabe. In Halle genügte es nicht, sich auf die eigentliche Hochschularbeit zu beschränken. Mindestens ebenso wichtig war es für uns, in den zahlreichen völkischen Versammlungen mit Wort und Tat unfern Standpunkt zu verfechten, dem hier sich besonders breitmachenden hakenkreuzunsug entgegenzutreten und in den unruhigen Wahlzeiten alle unsere Leute in den Dienst der Abwehr antisemitischer Propaganda zu stellen. Nebenher ging der eigentliche Kampf innerhalb der Studentenschaft. Anfangs schien es, als ob das gemeinsame Kriegsteilnehmererlebnis die alten Gegensätze gemildert hätte. Zwei Säbelpartien, die im ersten Jahr der Verbindung gegen andere Hallenser Korporationen ausgetragen wurden, trugen nicht wenig zur Stärkung unseres Ansehens bei. Als am 3. Juni 1919 von sämtlichen schlagenden Hallenser Korporationen ein gemeinschaftlicher Paukkomment abgeschlossen