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KC-Mitteilungen · 1928-10-15 · Heft 10 (15.10.1928) · p. Seite 99

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1928
Issue
Heft 10 (15.10.1928)
Date
1928-10-15
Page
Seite 99 (sequence 5)
Language
German
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no lern Gebiet unter allen Umständen fest. Sie muß es deshalb ablehnen, daß Förderervereinigungen mit der Zweckbestimmung, die Deutsche Studentenschaft oder ihre Einzelstudentenschaften finanziell zu unterstützen, gegründet werden. Stimmrecht der Einzel st udentenschaften. Stück 9, Abs. 2: Die Studentenschaften führen für jedes angefangene Tausend der am 1. Juli jedes Jahres an ihrer Hochschule vollimmatrikulierten deutschen Studierenden eine Stimme. Mitgliedschaft und Aufbau der Einzelstudentenschaften. Der Studententag empfiehlt den Studentenschaften die Anerkennung folgender Grundsätze: So wünschenswert die Anerkennung seitens der Universitätsbehörden ist, so soll diese von folgenden Grundlagen abhängig gemacht werden: 1. Die Studentenschaften betrachten sich als Gesamtvertretung aller Studierenden einer Hochschule, nicht als Korporationen neben anderen Hochschulkorporationen. 2. Wahlberechtigt sind alle immatrikulierten deutschen Studierenden. Läßt sich unter diesen Bedingungen die Anerkennung seitens der Hochschulbehörden nicht erreichen, so verzichten die Studentenschaften auf diese Anerkennung. Jüdischer Vosrlivisnms und K. C. Wilhelm Mainzer (Bav. FM.) Wenn man sich heute mit dem Problem Judentum befassen will, so ist es unbedingt notwendig, daß man sich erst einmal eine begriffliche Abgrenzung zu geben versucht, bevor man überhaupt Stellung dazu nehmen kann. Dabei wird man finden, daß der Begriff Judentum logisch Umrissen und unbedingt eindeutig nicht existiert, sondern daß der einzelne jüdische Mensch je nach Art seines besonderen Erlebens für sich selbst den Inhalt dieses Begriffes herausentwickÄn muß. Das schließt jedoch nicht aus, daß dieser Inhalt des Judentums mehr oder weniger großen Gruppen von Menschen etwas sehr Aehnliches bedeuten und für sie als gemeinschaftsbildender Faktor in starkem Maße wirksam sein kann. Durch das Fehlen eines Dogmas ist eine Abwandlung der ursprünglichen Idee des Judentums in der Geschichte bedingt. Die zunächst in den 10 Geboten sestgelegten Richtlinien bedürfen erst noch ihrer Erfüllung, ihrer' inhaltlichen Darstellung. So beobachten wir beispielsweise die Entwicklung des Begriffs der Nächstenliebe von dem rein vergeltenden Prinzip des „Auge um Auge, Zahn um Zahn" bis zu der hohen sittlichen Forderung eines Christus „wenn Dir jemand auf die eine Backe schlägt, dann halte auch noch die andere hin". Dabei sei bemerkt, daß Urchristentum weiter nichts bedeutet, als eine jüdische Erneuerungsbewegung. Erst durch die weltorganisatorischen Tendenzen eines Paulus wird sein Inhalt gefälscht, es erstarrt in der katholischen Kirche. Im Talmud sehen wir nur den Versuch einer Kanonisierung der jüdischen Idee, die heute noch für die streng orthodoxen Juden Gültigkeit besitzt. Wohl wird durch dieses Werk eine Menge für jene Zeit bedeutungsvollen scholastischen Denkens hervorgerufen. Aber ist nicht die Tat Spinozas bedeutungsvoller, der durch neue Wertung des Gottesbegriffes, durch die Aufklärung entstandener Zweifel entgegenkam und so viele, die abzuirren drohten, vor Atheismus und Areligiosität bewahrte? Ist der Begriff der All- Einheit, wie er ihn in seinem Pantheismus entwickelt, nicht eine neue Uebersetzung des Kardinalsatzes „adonai echod“, dabei jedoch der modernen naturwissenschaftlichen Weltaufsassung Rechnung tragend? Es gibt sogar Autoren, die soweit gehen, daß sie die Linie dieses Ideenkomplexes weiter fortsühren bis aus den Sozialismus, die gewissermaßen in Karl Marx einen neuen Propheten der Menschheit aus dem Judentum entstehen sehen. Diese ganze Entwicklungsreihe läßt uns K. C.er, die wir den nationalen Gesichtspunkt und jede physische Bindung in der jüdischen Frage äblehnen, wohl eine brauchbare Formulierung für den Begriff Judentum finden, die wir als Forderung aufltellen können: Judentum als Kulturgemeinschaft, Trägerin hoher ethischer Menschheitsideale. Positiv sein heißt fordern, und ein Ideal ist immer fordernd. Es gilt also, daß wir uns dieser Ideale bewußt werden und daß wir sie zu erfüllen suchen. Pazifismus, soziales Empfinden und Handeln dürften heute selbstverständliche Konsequenzen sein. Auch der Kampf gegen jene materialistische Zeitrichtung, die wir etwa in dem Begriff Amerikanismus verstehen, deren Ideologie völlig in der Nutzleistung begriffen liegt und jedes Streben zum Unbedingten hin ignoriert, ergibt sich als Postulat. Dies sei natürlich nicht etwa als jüdisches Manifest, als Reservat einer besonderen Gruppe von Menschen mißzuverstehen. Das Judentum soll uns lediglich einen Rückhalt bei unserem Kampfe, ein Reservoir unserer Kräfte sein. So wie wir das Erbe längst untergegangener Kulturen übernommen haben — die universalistische Idee in der Sinaioffenbarung ist ja bekanntlich der iranischen Zarathustrareligion entlehnt, ebenso lassen sich noch andere Elemente ägyptischen und babylonisch assyrischen Ursprungs

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