KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 8 (25.7.1928)
- Date
- 1928-07-25
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
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69 5. Da der kulturelle Eigenwert der kulturschöpferischen Völker oder derjenigen, die einmal solche werden können, für den Kulturaufstieg der Menschheit unentbehrlich ist, sind wir ebenso berechtigt, von den anderen Völkern Anerkennung und Achtung unserer deutschen Wesensart zu fordern, wie wir zur gleichen Achtung vor der fremder Völker verpflichtet sind. Folglich ist unbeschadet der wertlichen Rangordnung der Völker jeder Imperialismus, d. h. jede Knechtung anderer Völker aus Macht- oder Geldhunger grundsätzlich abzulehnen, wie auch jeder Versuch, einem Volke sein Volkstum nehmen zu wollen. Äieraus ergibt sich weiter, daß grundsätzlich die Austragung von Gegensätzen unter den Völkern im Wege friedlicher Verständigung anzustreben ist. 6. Eine solche ist jedoch dort unmöglich, wo lebenswichtige Belange von Völkern in unlösbaren Gegensatz treten. Lier versagt in Ermangelung einer über den Völkern und Staaten stehenden unparteiischen Gewalt jedes Völkerrecht, und entscheidet das Recht des stärkeren Volkes den Kampf ums Dasein^ in letzter Linie das Schwert. Allein das schärfste Schwert wird stumpf, wenn es nicht von einem entschlossenen Willen geführt wird, in solchen Kampf um jeden Preis bis zum bitteren Ende durchzuhalten. Daher ist der Wille zur Selbstbehauptung und Macht, der wehrhafte Schwertwille, eine unentbehrliche Daseinsbedingung für jedes Volk, im besonderen für das deutsche. Der Pazifismus der westlichen Aufklärung, der diesen Macht- und Wehrwillen grundsätzlich unterbinden will, ist unbedingt abzulehnen. Ein unlösbarer Widerstreit daseinswichtiger Volksbelange wird im besonderen durch Land- und Rohstoffnot eines Volkes gegeben. An solcher leidet jetzt im unerträglichen Maße das deutsche Volk. Rostoff- und Siedlungskolonien sind ihm unentbehrlich. Solche muß daß deutsche Volk unter allen Umständen und um jeden Preis sich wieder erringen. 7. Die Erzeugung einer eigenem Wesen entstammenden Kultur kann dem deutschen Volke nur gelingen, wenn es in vollster Freiheit leben und sich betätigen kann. Daher ist der Einfluß jeder außerdeutschen Gewalt auf das deutsche Volk, mag er auf geistigreligiösem, wirtschaftlichem oder politischem Gebiete liegen, unter allen Umständen zu beseitigen. An erster Stelle steht gegenwärtig die Aufgabe, das Diktat von Versailles wieder abzuschütteln. 8. Die deutsche Volksgemeinschaft ist nicht bloß die Zusammenzählung zusammenhanglos nebeneinanderstehender Einzelner, vielmehr die Verflechtung der einzelnen Volksgenosien zu einem organischen Ganzen. Das Ganze und die einzelnen setzen sich gegenseitig voraus und bedingen einander. Sie leben nur durch- und miteinander, wobei die Erhaltung und Wohlfahrt des Ganzen, der Art des Volkes, stets und unbedingt wichtiger ist, als die Erhaltung und die Wohlfahrt des Einzelnen. Daher ist es sittlichePflicht des Einzelnen, dem Ganzen, dem er Wesen uud Sein verdantt, die zu dessen Erhaltung nötigen Opfer bis zum Opfer des eigenen Lebens zu bringen. Der dem deutschen Volke an sich eingeborene heldische Opfersinn und der Wille zur Pflicht, die die Glückseligkeitslehre der westlichen Aufklärung zugunsten einer Volkszerstörenden materialistischen Ichsucht weiten Kreisen des deutschen Volkes geraubt hat, sind in ihm wieder zu erwecken. Der Deutsche muß wissen, daß der Mensch.nicht in Rechte, sondern in Pflichten hineingeboren wird, und daß das Ziel seines Lebens nicht persönlicher Genuß, sondern Erfüllung von Pflichten und Leistung von Arbeit, Erzielung von Höchstleistungen ist. Er muß lernen, sich als Mensch der Volksgemeinschaft, der er verantwortlich ist, zu empfinden. Auf dieses Ziel ist im besonderen die Erziehung der Jugend, abzustellen, die als Sache des Gesamtvolkes die Aufgabe hat, dessen Nachwuchs zu volksbewußten und opferwilligen, Pflicht- und gemeinschafts- : bewußten Volksbürgern zu erziehen. 9. Alle Kultur beruht in ihrem ticfftcn Grunde auf Religion. Denn die erste und wichtigste aller Beziehungen. in denen der Mensch steht, ist die zum Urgrund aller Dinge, zu Gott. In dieser seiner tiefsten Beziehung ist jeder Mensch souverän, selbst, und zwar nur Gott gegenüber verantwortlich. Das persönliche Verhalten des einzelnen zu Gott entzieht sich jeder von Menschen gemachtenVorschrift und Regel. Gewissenszwang ist ein Widerspruch in sich selbst und grundsätzlich verwerflich. Darüber hinaus bedarf jedoch die religiöse Seite der Volkskultur der Pflege durch die Organisation der 'Kirchen, die^ was das deutsche Volk anlangt, die Darstellung der christlichenReligion nach der Einstellung und Veranlagung des deutschen Volkes sein sollen. Die evangelischen Landeskirchen Deutschlands sind entsprechend der kulturellen Einheit des deutschen Gesamt- Volkes innerhalb und außerhalb der Reichsgrenzen zu dessen evangelischer Volkskirche deutschvolklicher Ausprägung als Pflegestätte deutschen Christentums auszugestalten. Diese hat die Verständigung mit dem Christentum der deutschen Katholiken anzustreben. 10. Unentbehrlich für jede gesunde Kultur ist eine gesunde Volkswirtschaft, ebenso wie ein gesunder Körper für einen gesunden Geist. Aufgabe der deutschen Volkswirtschaft ist nicht nur, das deutsche Volk wirtschaftlich von fremden Völkern unabhängig zu machen und zu erhalten, sondern auch im Innern die Wohlfahrt der einzelnen Volksgenossen nach Maßgabe ihrer Leistung zu fördern. Gemäß der allgemeinen Aufgabe aller Menschen sich nach Möglichkeit zu Persönlichkeiten zu entwickeln, hat die Volkswirtschaft die wirtschaftliche Selbständigkeit der einzelnen und deren Gefühl für Verantwortung und Pflicht zu pflegen. Grundlage der Volkswirtschaft ist daher das Privateigentum, jedoch so. daß die staatliche Gewalt in der Lage ist. jede der Bolkswohlfahrt abträgliche monopolartige Ausnutzung des Privateigentums zu unterbinden. Erfordernis jeder gesunden, auf Persönlichkeitsbildung abzielenden Volkswirtschaft sind eine gesunde Landwirtschaft und ein gesunder Mittelstand. Eine der brennendsten Aufgaben ist die Wiedereinfügung der vom Manchestertum entwurzelten und durch den Marxismus vom Gesamtvolk abgesprengten Lohnarbeiterschaft in den Volkskörper als eines bodenständigen, an den materiellen wie kulturellen Gütern des Volkes teilhabenden, bewußt zu seinem Volke stehenden und für dieses und für seine Pflichten sich verantwortlich fühlenden Mitgliedes derselben. Der Arbeitsvertrag ist aus seiner römisch-rechtlichen Versteinerung einer Miete von Arbeitskraft gegen Geld zu lösen, und gemäß der deutsch-rechtlichen Grundauffassung aller Dienstverhältnisse als gegenseitig verpflichtendes Treueverhältnis von Unternehmer und Arbeiter aufzubauen. Die Gesetzgebung hat zu verhindern, daß Mammutunternehmungen, die die Staatsgewalt durchkreuzen können, hinter der Tarnkappe der Inhaberaktie von unbekannten Großkapitalisten, im besonderen von solchen des Auslands, zur Beherrschung oder Ausbeutung des deutschen Volkes benutzt werden. Die Umwandlung solcher Riesenunternehmungen in Selbstverwaltungskörper ihrer Vorstände und Beamten, Angestellten und Arbeiter unter Mitleitung des Kapitals ist anzustreben. Unbedingt notwendig ist die Förderung der landwirtschaftlichen Siedlung durch landwirtschaftlich porgebildete Siedler nordischen Blutes, und die För-