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KC-Mitteilungen · 1928-05-20 · Heft 5 (20.5.1928) · p. Seite 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1928
Issue
Heft 5 (20.5.1928)
Date
1928-05-20
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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36 bzw. neuere Sprachen oder für die Frage der östlichen Kultur interessiert, ein Semester in Beirut zubringt; es wird ihn gewiß nicht weniger fördern als etwa ein Aufenthalt in Oxford oder Lausanne. Ganz anders steht es mit Jerusalem. Dort spielt das forscherische Moment eine außerordentliche Rolle. Ein rasches Hinauftreiben der Besuchsziffer scheint dort von dem akademischen Direktorium — wenigstens zunächst — nicht beabsichtigt zu sein. Die Geschichte der Vorarbeiten und der eigentlichen Gründung ist denn auch für Jerusalem völlig anders geartet. Nach dem ersten Plan von Prof. Schapira-Heidelberg — das war vor 40 Jahren — befaßte sich der 5. zionistische Kongreß 1901 und dann der 11. im Jahre 1913 mit der Gründung der Jerusalemer Universität. Dr. Weizmann, der bekannte Zionistenführer, nahm dann Fühlung mit Baron Edmund v. Rothschild und Paul Ehrlich. Die eigentliche Gründung konnte aber naturgemäß erst auf die Balfour-Erklärung nach dem Krieg vorgenommen werden. Die britische Regierung hat sicherlich sehr dazu beigetragen, daß bereits 1918 der Grundstein auf dem Berge Skopus gelegt werden konnte. Ein wahrhaft frischer Zug kam erst in die Angelegenheit im Jahre 1926; um diese Zeit flössen dann auch die großen Stiftungen von Samuel Untermyer, New «York, mit 20000 Pfund, Symonds auf Sydney mit 5000 Pfund, Wolfsohn mit 3000 Pfund usw. Das llniversitätsgelände wurde um 4 Dunams auf dem Wege der Enteignung — allerdings gegen sehr anständige Vergütung — vergrößert, und die Hälfte des Bodens wurde auf den Namen des jüdischen Nationalfonds eingetragen. Die Zahl der Studenten wuchs von- 118 auf 168, darunter aber meistens junge Akademiker, die schon irgendwie einen wissenschaftlichen Abschluß hinter sich haben, also für die Forschungsarbeiten in Frage kommen. Es ist rührend zu beobachten, mit welch opferwilligem Gemeinsinn das ganze Werk mit den Studierenden zusammen aufgebaut wird. Anstatt Stipendien zu geben, hat man mit Erfolg den Versuch gemacht, beim Aufbau, ja sogar bei den Maurerarbeiten und bei anderen handwerklichen Dingen die Studierenden mit heranzuziehen. Die Stunden sind so gelegt, daß die, die am Vormittag als Handwerker tätig sind, am Nachmittag ihrem Studium obliegen können und umgekehrt. Viele sind auch beschäftigt in der Druckerei, in der Buchbinderei und mit der Herstellung von Instrumenten, soweit diese ohne besondere technische Vorkenntnisse möglich ist. Mit besonderer Zähigkeit baut man die Bibliothek aus, für die durch Stiftungen (Bibliothek des verstorbenen Oskar Strauß in New Z)ork „Die amerikanische Geschichte und internationales Recht", philosophische Bibliothek von G. Jtelsohn, Berlin, „Rabbinika und Orientalin" von Dawud, London u .a.) schon eine ausgezeichnete Grundlage geschaffen ist. Die Entwicklung der Universität hat eine gewisse Aehnlichkeit mit der von Frankfurt a. M., wo mit Hilfe der Speyer-Stiftung, Paul Ehrlich z. V. sein serum-therapeutisches Institut begründete, an das sich dann mit der Zeit andere Institute anschlossen. Die Jerusalemer Universität besteht heute in der Hauptsache aus dem Institut für jüdische und für orientalische Studien, dem Institut für Mathematik, für Chemie, Mikro-Biologie mit der Abteilung für Hygiene und dem Institut für palästinensische Naturwissenschaft. Verfolgt man die Liste der Persönlichkeiten, die zur Verwaltung oder sonstwie zur Universität in irgend einem Verhältnis stehen, so findet man da die ersten Namen der ganzen Welt; einerlei, ob man nach New Port oder Berlin sieht. Unter den Dozenten spielen deutsche Gelehrte und solche, die in Deutschland ihre Ausbildung gefunden haben, eine große Rolle. Die Direktionsgeschäfte besorgt Dr. Magnus, der es durch seine amerikanischen Verbindungen versteht, immer und immer wieder die Mittel zu beschaffen, um den ständig wachsenden Anforderungen zu genügen; ein mehrmonatiger Aufenthalt in New Port jedes Jahr sorgt für den erforderlichen finanziellen Segen. Zur Zeit wird noch allenthalben gebaut, und die einzelnen Institute find noch provisorisch untergebracht; es herrscht aber trotzdem ein lebhafter Betrieb. Für die technischen Hilfeleistungen gehen zahlreiche Laborantinnen an die Hand. Ganz offenbar ist das Bestteben, Palästtna wissenschaftlich-technisch zu erforschen, um die Grundlage für besondere industrielle Entwicklung zu schaffen; wie z. B. sich in dem Chemischen Institut eine Reihe von Arbeiten darauf richtet, die Düngerstoffgewinnung aus dem Wasser des Toten Meeres zu betreiben. Dr. Bobtelsky bemüht sich ganz besonders um diese Arbeiten, die in der Fach- und Tagespresse der ganzen Welt schon zu Diskussionen geführt haben. Der Sekretär der Universität ist ein junger Gelehrter: Ari Ibi Sahhav, ein Forscher auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte. Neben seiner amtlichen Tätigkeit verfolgt er besondere wissenschaftliche und literarische Ziele. Er hat soeben einen zweibändigen Roman „Die Tage Davids" abgeschlossen, ein Roman, der bei aller dichterischen Gestaltung sich streng an Ort und Zeit im Sinne der biblischen Geschichte hält. Er schürft und konstruiert physiologisch besonders da, wo der reine Sinn des erhabenen Königs Zweifeln begegnet. Das Problem heißt: David, Badseba und Urias. Der Roman erscheint zunächst in Hebräisch; der Autor hofft

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