KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 5 (20.5.1928)
- Date
- 1928-05-20
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 2× ep/1047833
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35 Lüge ausnuhen. Nichts liegt ihnen ferner, sie glauben dloß, daß Statistiken eine Weisheit des Zählens sind, und sie wissen nicht, daß in der Statistik das Gesetz der großen Zahlen gilt. Daß an einem Ort, an dem zwei Äcrzte sind, von denen einer Jude ist, die Hülste des Acrztcsiandes verjudet ist, ist selbstverständlich. So wird es sich sicherlich bei Petershagen a. d. Weser und der Dürkheim verhalten. Warum beschränken sich denn die Herren des Verbandes Deutscher Akademiker ausgerechnet aus Aerzte und Rechtsanwälte, warunr werden denn die beamteten Juristen nicht gerechnet? Wo ist die Statistik der jüdischen Oberlehrer, die Gesamt- Statistik der jüdischen Akademiker und, ganz nebenbei, wo ist die Rachprüfbarkeit der Richtigkeit dieser Behauptungen?- Aber wir brauchen nicht' einmal so weil zu gehen. Wieviel von den 40 000 in Deutschland vorhandenen Aerzten sind denn insgesamt Juden? Bestimmt nicht 20 000. Diese lächerliche Statistik ist darum nicht weiter ernsthaft zu nehmen. Mit einem derartigen unwissenschaftlichen Material arbeitet ein Verband, hinter dem sich heute durch seine Organisation oder sogar persönlich manch ein alter Herr stellt, der es weit von sich weisen würde, sich einen solchen Ansinn zu eigen zu machen. — Beirut und Jerusalem — Zwei Universitäten, Von Heinrich Pfeiffer, Hamburg. Der Autor kommt soeben von einer Studienreise von Syrien und Palästina zurück. Reben den wirtschaftlichen Fragen ist auf kulturelle Dinge ein besonderes Augenmerk gerichtet. Der Vergleich der beiden Universitäten — Beirut und Jerusalem — dürste bei dem deutschen Leser einem besonderen Interesse begegnen. (Die Red.) Zwei orientalische Aniversitäten; sie liegen.dicht beieinander, Beirut und Jerusalem. Ihr Gesicht ist grundverschieden, obwohl bei Gründung beider Anstalten die amerikanische Wohltätigkeit eine große Rolle spielt. In Beirut ist die Urheberin die amerikanische Mission in Syrien, über deren erste Gründungsarbeit unter Daniel Bliß im Jahre 1864 der Staat New Pork das Patronat übernahm. Und so wurde denn „The Syrian Protestant College" zur Tatsache. Im Jahre 1870 wurden bereits die ersten Berechtigungen ausgeteilt. 50 Jahre später — im Jahre 1920 — wird aus dem College „The American University of Beirut". Selbstverständlich entspricht in ihrem Wesen diese Universität der sonst üblichen amerikanischen akademischen Organisation; sie befaßt sich bereits mit jungen Leuten, die nach unseren Begriffen noch nicht die Reifeprüfung hinter sich haben, fördert dann in etwa einem Jahr soweit ihre Vorbildung, daß mit dem speziellen akademischen Studium begonnen werden kann. Daraus ergibt sich auch die strengere Disziplin, die ständige Kontrolle der Studierenden, die nach unseren Begriffen teilweise einer starken Beschränkung der akademischen, ja persönlichen Freiheit gleichkommt (siehe Rauchverbot!). Der junge Student wird bei seiner Immatrikulation genau unterrichtet über die Vorbehalte des akademischen Direktoriums, das jedem Studenten zu jeder Zeit das akademische Bürgerrecht entziehen kann, sei es, daß ein Student auf seine Kommilitonen einen ungünstigen Einfluß ausübt oder evtl, gesundheitlich und intellektuell nicht in der Lage ist, den gestellten Anforderungen zu genügen. Allen Bestimmungen, die irgendwie noch vom akademischer Direktorium nach der Immatrikulation getroffen werden, muß er sich im vorhinein schriftlich unterwerfen. Ein großer Teil der Studenten ist im Internat untergebracht; für 50 ägyptische Pfund im Jahr haben sie Unterricht, Verpflegung, Wohnung und Benutzung der sportlichen Einrichtungen. Weibliche Studenten sind zugelassen, indessen vom Internat ausgeschlossen. — In dem Lehrplan sind wie bei einer deutschen Universität alle Fakultäten vertreten, einschließlich Landwirtschaft; dazu treten alle Disziplinen der polytechnischen Wissenschaft. Im übrigen gibt es eine Reihe von Nebendsziplinen, die nur auf das Praktische gerichtet sind, wie z.B. die Erlernung von Stenographie und Schreibmaschine, kaufmännischer Arithmetik und Buchhaltung. Wie die amerikanische Wohltätigkeit das ganze Werk aufgebaut hat, läßt sich schon erkennen aus den Namen der einzelnen Gebäude. So gibt es ein Martin House, Thomson Hall, Rockefeller Hall, Morres Hall und dergleichen mehr, und noch gibt es immer Opferbereite, wie z. B. der junge Rockefeller, der am Ende des vorigen Jahres eine Million Pfund der medizinischen Fakultät für Erweiterung der Baulichkeiten gestiftet hat. Vergegenwärtigt man sich die vielen Gebäude für die Internate, für die wissenschaftlichen Institute, für die Wohnungen der Lehrer; ferner die Kirche; das Theater, das Observatorium, die Sport- und Spielplätze usw., so hat man den Eindruck einer ganzen Universitätsstadt, die durch ihre vollendeten technischen und wirtschaftlichen Einrichtungen als eine geschlossene Oekonomie angesehen werden kann. Was soweit die äußeren Bedingungen der Universität, wie Lage, Bauten, Hygiene, Kultur usw. angeht, so wird sie bestimmt von keiner Universität der Welt übertrofsen werden, wenn sie nicht überhaupt einzig dasteht. An einem — und das ist gewiß nicht unwesentlich — scheint es indes zu mangeln; es sind in Beirut keine großen wissenschaftlichen Kapazitäten vertreten. Das forscherische Moment tritt hinter dem pädagogischen bei weitem zurück. Immerhin könnte ich mir vorstellen, daß ein deutscher Student, einerlei ob er sich für orientalische