KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 3-4 (30.4.1928)
- Date
- 1928-04-30
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 achtung für die Deutsche Studentenschaft der Universität Wien: Walter Fuchs m. p " Uns scheint es wirklich beinahe ein Witz zu sein. Auf diese Weise wird die Deutsche Studentenschaft ihr Ziel sicherlich nicht erreichen, und sie wird ihre Bestrebungen auch dann nicht fördern, wenn sie, wie dies neuerlich der Fall ist, versucht, den Deutschen Studentenverband der Korruption zu zeihen oder gar seine Existenz zu verleugnen. Es wird die Stunde kommen, wo wir auf die Entwicklung in den übrigen Ländern auDer Preußen noch eingehend werden zurückkommen müssen, und es wird hoffentlich auch einmal die Stunde kommen, wo eine wirklich einheitliche Deutsche Studentenschaft geschaffen wird, die nicht ein völkischer Verein oder ein Deckmantel für politische Bestrebungen ist, sondern eine geschlossene Organisation sämtlicher deutschen Studenten, wie wir sie wünschen und erstreben. — Gin Uresse-Kierabend der Deutschen Studentenschaft. Am Dienstag, den 13. März, fand in den Räumen der „Deutschen Gesellschaft" in Berlin ein von der „Deutschen Studentenschaft" veranstalteter Bierabend statt, zu dem Vertreter der Tagespresse wie der akademischen Zeitschriften und studentischen Verbandsblatter eingeladen worden waren. Der Vorstand der „Deutschen Studentenschaft beabsichtigte, bei diesem Zusammensein die Presse über die Entwicklung der Studentenschaften nach dem Konflikt mit dem Preußischen Kultusministerium zu informieren. Neues ist an diesem Abend — wie auch nicht anders zu erwarten — nicht gesagt worden,- man begnügte sich damit, die alten, wenig stichhaltigen und schon so oft widerlegten Argumente aufgewärmt, in etwas gemäßigterer Fassung zu servieren. Das einleitende Referat über die Entwicklung der „D. St." hielt der Vorsitzende Schmadel, der noch einmal einen historischen Rückblick über die Entwicklung der „D. St." gab; das Vorgehen der preußischen Regierung suchte er daraus zu erklären, daß man bei Erlaß des Studentenrechts von seiten der Regierung aus eine größere Einflußmöglichkeit als bisher auf die Studentenschaft als bisher erhofft habe. Die Enttäuschung darüber, daß eine solche Einflußnahme infolge der nationalen Entwicklung der „D. St." nicht möglich gewesen und die Studentenschaft nicht zum Werkzeug politischer Parteien (?) geworden sei, habe dann das Vorgehen des Preußischen Landtags und der Regierung veranlaßt. Als inneren Grund für die Ablehnung der neuen Beckerschen Verfassung nannte Schwade! wieder (quousque tandem...?) das Festhalten am großdeutschen Charakter der ganzen „D. St,". Schmadel ging weiter auf die Goslarer Tagung ein und auf ihren Beschluß, die studentische Selbstverwaltung ohne Verengerung des Mitgliederkreises (wie er stark betonte!) weiterzuführen. Als Ziel der Arbeit, die die Studentenschaft zu leisten haben werde, nannte er offen die Wiedererlangung der staatlichen Anerkennung. Das zweite Referat über die „Deutsche Studentenschaft in d.er internationalen Studentenbewegung" hielt Kersten, der ebenfalls nichts Neues brachte. In den Vordergrund schob er die ursprünglich chauvinistische, antideutsche Einstellung der C. I. E. Das besondere Ziel der „D. St." sei die Durchsetzung des großdeutschen Gedankens, die Ablehnung des durch die C. 2. E. vertretenen Staatsbürgerprinzips und seine Ersetzung durch das Volksbücherprinzip der „D. St." (sic!) gewesen. Im übrigen meinte Kersten, das Vorgehen der preußischen Regierung hätte die Stellung der „D. St." gegenüber der C. I. E. sehr erschweren können; jedenfalls sei das Abstimmungsergebnis als Bekenntnis zum großdeutschen Aufbau der „D. St." zu werten. In der sich an die Referate anschließenden Aussprache sprach zunächst Prof. Lubarsch, der (seiner bekannten politischen Einstellung entsprechend) das Verhalten der „D. St." im großen und ganzen billigte. Bezeichnend war die von ihm geäußerte Ansicht, daß auch die gegen ein Studentenrecht eingestellten Dozenten, durch die M o - tive des preußischen Ministeriums bei seinem Vorgehen bewogen, sich auf die Seite der bedrängten „D. St." gestellt hätten. Im Gegensatz zu Schmadel hielt er sogar eine Weiterarbeit der „D. St." ohne staatliche Anerkennung der Einzelstudentenschaften für wünschenswert (wohl, um den genügenden Radikalismus in der „D. St." zu gewährleisten?). Anfragen» die Dr. Mahrholz (Voss. Ztg.) an den Vorstand über das Verhältnis zu den österreichischen Studentenschaften richtete, wurden mit den üblichen Phrasen („exceptionelle Stellung der österreichischen Studentenschaften"; „in bezug auf ihre Zusammensetzung dürfe der Vorstand keinen Zwang auf sie ausüben" usw.) beantwortet. Mehrfach wiederholte Anftagen über die zahlenmäßige Stärke des „Deutschen Studentenverbandes" wurden ausweichend (d. h. überhaupt nicht) beantwortet. Schmadel gab zu, daß lediglich die Existenz des „Deutschen Studentenverbandes" und dessen eventuelles Zusammenarbeiten mit politischen Parteien die „D. St." vor Schwierigkeiten stellen könne. Aeußerst drollig wirkte die von Kersten geäußerte und echtester Kerstenscher Art entsprechende Auffassung des „Deutschen Studentenverbandes" (die von einer Gegengründung zur „D. St." überhaupt nichts wissen will): Der „Deutsche Studentenverband" sei überhaupt gar keine Gegengründung zur „D. St.", sondern zum Hochschulring (daran dürste er wohl nach Aufbau und Zielsetzung des Deutschen Studentenverbandes selbst nicht glauben!). Als Ergebnis dieses Abends kann man, wie es auch anders kaum zu erwarten war, nur