Mannheim
Compact Memory

KC-Mitteilungen · 1928-02-15 · Heft 1-2 (15.2.1928) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1928
Issue
Heft 1-2 (15.2.1928)
Date
1928-02-15
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2822870-2822914-2822915--441-2823478
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

10 hierbei darauf hingewiesen, ein wie großer Teil des eigentlichen Palästinawerkes gar nicht das Verdienst des Zionismus ist. Nach diesem Vortrag hat Lerr vr. Wiener seine Palästina-Reise angetreten, und es entspricht seiner Gründlichkeit, wenn er nicht, wie so mancher andere wenige Wochen nach Rückkehr aus einem fremden Land seinen Reisebericht veröffentlicht, sondern in sorgfältigster Forschungsarbeit das Ergebnis seiner Reisebeobachtungen festlegt, obgleich es sich hier nur um das Wiedersehen eines Landes handelt, das ihm vertrauter ist als manchem Anhänger des Zionismus. Das Ergebnis dieser Arbeit ist die „Kritische Reise durch Palästina", ein Buch, das viel mehr ist als ein Reisebericht, ein Buch, das an Land der an Ort und Stelle gemachten Feststellungen einmal alles das nachprüft, was über Palästina im Laufe der letzten Jahre gesagt und verbreitet worden ist. Es kann unumwunden ausgesprochen werden, daß dieses Buch das wertvollste ist, was jemals an kritischen Betrachtungen des Palästina- Werks geschrieben worden ist, ein Buch, frei von jeder Polemik, rein betrachtend und es dem Leser überlassend, welche Schlußfolgerungen er aus diesen Darstellungen zieht. Gerade diese Sachlichkeit ist es, die den Leser immer wieder an das Buch fesselt. Bezeichnend für die Bedeutung, die dieser Schrift zukommt, ist die Aufnahme, die sie in der zionistischen Presse gefunden hat. Was fand man auszusetzen? Der erste Bericht, den das maßgebendste Blatt des Zionismus, „Die Jüdische Rundschau", zu diesem Buch schrieb, fand es unverständlich, warum Wiener das ihm freundlichst vom Propagandachef der zionistischen Organisation angebotene Touristen-Auto abgelehnt hat, um sich selbst ein Bild machen zu können Sicherlich kann man dies nicht als einen schweren Fehler des Buches betrachten. Der gleiche Bericht kritisiert, daß im Anhang das Präsidium des Keren Lajessod nicht vollständig zitiert worden ist. Gewiß ein bedauerliches Versehen, — das aber auch nicht irgendwie von der geringsten sachlichen Bedeutung ist. Und dann folgt eine Serie von Artikeln, die un wesentlichen darauf hinausläuft, festzustellen, daß all' das, was Wiener sagt, Zahlen und Ergebnisse sind, die schon einmal irgendwo in irgendeinem Zusammenhang von einem Zionisten gesagt worden sind und die daraus die Uberflüssigkeit des Buches nachzuweisen trachten. Tatsächlich beweist diese Kritik aber gerade das Gegenteil. Gewiß, viele von den Zahlen, wenn nicht alle, sind schon einmal zu lesen gewesen. Aber was Wiener will, ist es ja gerade, diese immer wieder gesagten Zahlen in die Wirklichkeit umzurechnen, einmal die vielen Zahlen von Dunam an Boden auf deutsche gangbare Maße zurückzuführen, um ihre Kleinheit zu erweisen, zu zeigen, wieviel umfangreicher heute bereits das jüdische Siedlungswerk in den anderen Ländern ist als in Palästina, daß nur ein ganz geringer Teil der heute in Palästina angesiedelten Personen wirklich in den letzten großen Kolonistenjahren angesiedelt worden ist. Wäre der Zionismus ehrlich, er müßte es begrüßen, daß in dieser Objektivität das Palästinawerk einmal unter die Lupe genommen wird. Aber es ist mit Schriften, die sich von anderem als zionistischen Standpunkt mit dem Palästinaproblem befassen, ein eigen Ding. Entweder der Betreffende sieht das Problem rein ideologisch, dann wird er als Letzer in Acht und Bann getan, weil er die Tatsachen übersieht, oder er stellt, wie Wiener, die Tatsachen in den Vordergrund, dann macht man ihm zum Vorwurf, daß er die Idee nicht genügend beachtet. Wir, die wir diese Anschauung nicht teilen, müssen Wiener Dank dafür wissen, daß er dieses Buch geschrieben hat, das in allen seinen Teilen in hervorragender Werse geeignet ist, ein Bild über die Lage in Palästina zu formen.. Wie wenig die von Zionisten selbst angegebenen Zahlen ein Bild über die Lage ermöglichen,kannderjenigeleichtprüfen, der bis zum Jahre 1925 zurück den damaligen Bericht der Lerren Weizmann und Sokoloff über den Zionistenkongreß nachschlägt und findet, was dort an Zahlen der Einwanderung genannt ist. Wenn er diesen phantastischen Zahlen gegenüber stellt, was die zionistische Presse heute sagt: „Wir brauchten Wieners Buch nicht, denn es ist schon von uns alles gesagt worden", — der wird zu dem Ergebnis kommen: „Wir haben das Buch sehr gebraucht." L. B. Die Juden, von Hilaire Belloc (Verlag 2. Kösel und F. Pustet, München). Das Gefährliche an diesem Buche ist nicht sein Inhalt, sondern die Tatsache, daß ein angesehener katholischer Verlag es herausgegeben hat. Der Uebersetzer, der zu dem Buche ein bemerkenswertes kritisches Nachwort geschrieben hat, betont, daß das Buch auch für die katholische Jugend bestimmt sei. Dies erscheint mir das bedenklichste. Denn dieses in seiner Weife agressive Werk muß wie ein schleichendes Gift auf das jugendliche Gemüt einwirken. Vorauszusagen ist, daß die Kenntnisse des Verfassers von den Verhältnissen der Juden in Deutschland von keiner Sachkenntnis getrübt sind. Die oberste These des Verfassers ist: Die Juden sind eine heimatlose Nation, ein wanderndes Volk ohne Heimat, das sich nur zufällig immer irgendwo befindet. Der Jude ist Nomade, nur der Nichtjude seßhaft. Es scheint ihm unbekannt zu sein, daß im Rheinland Juden seit der Römer Zeiten wohnen oder daß, um noch ein anderes Beispiel anzuführen, die Juden in Saloniki seit dem Beginn der modernen Zeitrechnung seßhaft sind. Gutwillig hat nie ein Jude sein Heimatrecht aufgegeben! Will Belloc ihm die Vertreibungen zum Vorwurf machen? Er lehnt das Iuoentum als Religion ab. Für ihn besteht lediglich die jüdische Natron. Und unter diesem Gesichtspunkte verlangt er eine Absonderung der Juden durch Gesetz von den Wirtsvölkern und den Juden selbst. Goldmann hat in seiner wohl etwas zu scharfen Kritik in der C. V.-Zeitung VI. Nr. 43 sicher recht, wenn er behauptet, der Weg, den Belloc die Juden gehen heißt, führe ins Ghetto zurück. Belloc ist da sehr konsequent. Er fordert nicht mehr und nicht weniger als das „Iudenrecht", wie es Hitler in seiner „Deutschen Judenordnung" aufgestellt hat. Das Material, das Belloc zur Bekräftigung seiner Behauptungen vorträgt, ist nicht neu. Es entstammt dem unerschöpflichen Arsenal der antisemitischen Propaganda. Um nur einiges zu nennen: Zusammenhang zwischen Freimaurertum und Judentum, Revolution als Stern Judas, der Bolschewismus eine jüdische Erfindung, usw. Verhältnismäßig neu ist lediglich die Art, wie diese Anschuldigungen vorgebracht werden. Das Buch predigt „Frieden für Israel". Es ist aber durch und durch verlogen, denn es legt zwischen die Zeilen Stacheln und Fallstricke für den Unkundigen und Leichtgläubigen, um im Mantel der Freundlichkeit und des Friedens Haß und Verderben zu säen. Es scheut sich nicht, geradezu widerliche Behauptungen aufzustellen, wie, daß der Jude sein „Vaterlano" nie verraten könne, — — weil es für den Juden nur einen Verrat gegenüber Juda gäbe! Es schämt sich nicht, unsere gefallenen Helden zu besudeln und ihr Andenken zu schänden, indem es behauptet, sie hätten kein nationales Interesse an den Kämpfen gehabt, sondern nur als Juden gekämpft. Der Uebersetzer Th. Häcker lehnt diese Auswüchse <w. Es wäre besser gewesen, er hätte sie verhütet, statt sie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.