KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 1-2 (15.2.1928)
- Date
- 1928-02-15
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Stapel lieft. Alles tu allem: eine gelungene Veranstaltung, die bei den von auswärts Gekommenen das Gelöbnis anslöste, im nächsten Jahre sich wieder in Gießen einznfinden. Vereinigung Frankfurter K. C.er. Seit Monaten munkelt man in Frankfurt und Amgebung, daß die „Vereinigung Frankfurter K. C.er" für den Winter eine besoltders originelle Veranstaltung plane, aber keinem der Neugierigen war es gelungen, hinter die Kulissen zu sehen. Endlich enthüllten sich die Geheimnisse, als am 18. Dezember 1927 die große Tanzveranstaltung stieg. Schon die Wahl des Ortes war reizvoll, denn das Fest fand in den Räumen der „Tanzkianse" statt, einem Saal mit gemütlichen Logen und gutem Parkett, der, gewöhnlich als Cabaret benutzt, den Töchtern der guten Frankfurter Gesellschaft verschlossen zu bleiben pflegt. So aber kamen sie alle, ein wenig neugierig, die ihnen sonst voreitthaltcneit Rätttne ztt betreten, und froh, dort eine tanzlustige und vergnügte Gesellschaft anzutreffen. Man hatte dieses Mal ganz bewußt darauf verzichtet, eine eigentliche K. C.-Veranstaltung mit feierlichem Einmarsch der Chargierten, Kneipe, Fahnen usw. zu geben, sondertt man zeigte die gesellschaftliche — wenn man will die mondäne — Seite des K. C. Wenn Geselligkeit wirklich, wie die Soziologie sagt, wohlgepflegtes Zusammensein ist, dann war sie hier in klassischer Weise vorhanden. Den Willkommentrunk kredenzte air der Bar mit vollendeter Anmtit ttnser lieber Kirschbaum, dem sein weißer Dreß Ho gut stand, daß man fast bedauern muß, ihn für gewöhnlich in einem anderen bürgerlichen Beruf untergebracht zn wissen. Nicht minder liebenswürdig waren seine beiden Assistentinnen, die Frauen der um das Fest mit am meisten verdienten Kbr. Kbr. Dr. Kurt Ettinghausen uttd Dr. Georg Klein, sowie die stets fidele Fratt Dr. Gnckenheimer und Frau Dr. K i r ch b a n m. Eitt aus Gesang und Tanznnmmern bestehendes Programm wurde eingeleitet durch Frau Dr. Barn ch.' Mit einem schwungvoll vorgetragenen Prolog ihres Gatten „Seid mir gegrüßt, ihr Jungen und ihr Alten!" schmetterte sie tu den Saal — aber es waren keine Alten da: die ältesten Alten Herren ans Frankfurt, Wiesbadett, Bingen, Saarbrücken, Kassel, Darmstadt usw. schwangen die Beine elastisch im Black-Bottom oder kreuzten sie graziös beim Charlcston. Und ganz Frankfurt konnte noch bis spät in die Nacht hinein den Klängen der bekannten Tanzkapelle Pinkus-Langer lauschen, wenn es sich Radio-Hörer auf den Köpf schnallte. Ich glaube, daß diese äußerst gemütliche und dabei ganz'moderne Veranstaltung dem K. C. sehr viele neue Freunde und vor allem auch Freundinnen geworben hat, denn sie zeigte, daß der Geist des K. C. frisch ist und jugendlich. Bücher- und Blöfterschau Offenbacher Haggadah. Der Vater unseres Verbandsbruders Guggenheim (Viadrina-D.), Rechtsanwalt Or. G u g g e n h e i m, Offenbach a.M., ist ein im Sinne unserer Tendenz seit Jahrzehnten in vorderster Reihe stehender Mann. Namentlich die geistige Seite unserer Arbeit hat ihm, der nicht nur in der Liebe zu seiner Religion tutd Stammesgemeinschast erzogen, sondern dem auch die Natur in höchstem Maße Freude und Verständnis an Kunst und Kunstgewerbe verliehen hat, stets besonders am Lerzen gelegen. So hat er in Auswirkung dieser Eigenschaften eine neue Peffach - Haggadah geschaffen, die vielleicht die erfreulichste Erscheinung auf dem deutsch-jüdischen Büchermarkt ist, die wir seit langen Jahren zu verzeichnen haben. Ein über jüdische Dinge handelndes Kunstwerk ist geschaffen worden, das in hervorragendem Maße Erbauung, Anregung und Genuß verschafft. Ich weise jeden Missionsgedanken und jedes Predigertum weit von mir; aber ich glaube, daß auch der dem Religiösen fernstehende Mensch seine innige Freude haben wird, wenn er die zu 9/l0 deutsch gehaltene Laggadah lieft, die unserer Zeit, unterem Lerzen und unserem Gemüt in so ungeahnter Weise entspricht. Man lernt hier ein Stück Judentum kennen, dessen Reichtum von einem Manne empfunden wurde, der in seiner Gesinnung ganz der Unsere ist, und der aus dem Lerzen heraus dasjenige gesagt hat, was auch wir in unserer Mehrzahl innerlich empfinden, ohne ihm einen Ausdruck geben zu können; der um das Judentum ringende Mensch, der genötigt ist, sich mit den Rechtsfragen unserer Gemeinschaft zu befassen, wird bei der Lektüre dieser Laggadah wirklich innerlich erhoben werden. Namentlich empfehle ich das Buch jungen Paaren, die eine Familie gründen wollen und die ihrem Leim etwas Jüdisches zu geben gewillt sind. Zn ihrer Ausstattung stellt diese Laggadah ein Kunstwerk ersten Ranges dar. Guggenheim ist erster Kenner der Graphik. Ich habe Jahr um Jahr immer wieder in seinem Lause die Meisterwerke auf dem Gebiete der Graphik bewundert und habe mit seltenem Genuß den Kunstsinn und die Kenntnisse eines Mannes bestaunt, der auf diesem Gebiet eine Autorität geworden ist. All sein Wissen und seine Erfahrungen hat er in seiner Laggadah zur Auswirkung gebracht, sodaß dieses Werk in seiner geschmackvollen Ausstattung und mit seinem Reichtum an wundervollen Stichen ein Meisterwerk herrlich vollendeter Buchgestaltung ist. Freund Gug genheim hat große Summen für das Werk geopfert; niemals wird er, der für sein Werk lediglich einen Teilbetrag seiner Auslagen verlangt und der eine jahrelange Arbeit ohne jeden Eigennutz diesem Buch geopfert hat, auf seine Kosten kommen. Wir wollten die kostbare Gabe, die er uns gespendet hat, uns und unseren Familien als einen Schatz zuführen, dessen Wert auf Generationen gesichert ist. Bestellungen auf diese Laggadah sind am besten dirett an Freund Guggenheim, Offenbach a. M., Tttlpen- Hofstraße 54, zu richten. Liebe Bundesbrüder, geht an diesem Werke nicht vorüber. Es wäre Euer Schade! Ludwig Äolländer. „Kritische Reise durch Palästina", von Or. Alfred Wiener. Philo - Verlag, Berlin 1927, 2,40 M., in Leinen geb. 3,40 M. Vor längerer Zeit hat der Verfasser dieses Buches, Lerr vr. Alfred Wiener, der Syndikus des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, im Nahmen eines Vortragsabends bei den Berliner K. C.-Verbindungen die Frage aufgeworfen, die jedem, der sich ernsthaft ringend mit Palästina-Problemen befaßt, außerordentlich naheliegt, die Frage, was eigentlich hinter all' dem Zahlentaumel steckt, den die zionistische Presse alltäglich zum Beweis ihrer angeblichen Leistung über die Menschheit verbreitet. Er hat