KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 12 (27.12.1927)
- Date
- 1927-12-27
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Studentenschaften angesehen wurde. Es muß endlich ein Ende haben damit, daß deutsche Studenten ihre besten Jahre vergeuden mit öden, letztlich doch bedeutungslosen Gefechten um Zielformeln und Zugehörigkeitsbestimmungen. Einstimmig wurde, als Ergebnis der Debatten, folgende Entschließung angenommen: '„Das Kartell erblickt seine ^Hauptaufgabe nach wie vor in der Förderung der politischen Bildungsarbeit der ihm angeschlossenen Verbände und im politischen Kampf für die freie, soziale deutsche Republik. Der Kartell-Tag verkennt nicht, daß hierüber hinaus die hochschulpolitische Zusammenarbeit aller Gleichgesinnten notwendig ist zur Wahrung der Interessen der gesamten republikainschen Studentenschaft gegenüber der Reaktion auf den Hochschulen und auch jenen gegenüber, die immer noch als Vertreter der Gesamtstudentenschaft aufzutreten versuchen. Der Kartelltag fordert die ihm nahestehenden Gruppen auf, den Kampf gegen die Hochschulreaktion mit Entschiedenheit zu führen." Großdeutsch nennt die Tagespresse das, was da kommen soll. And großdeutsch war schon die Heidelberger Tagung. Aus Danzig und Sudetenland und vor allem aus Oesterreich waren Vertreter gekommen, und ihre Berichte über die Zustände vor allem an den Wiener Hochschulen, die erschreckend klangen und eine gesonderte Besprechung verdienten, veranlagten die ebenfalls einstimmige Annahme des folgenden Beschlusses: „Der Kartelltag nimmt den Bericht über die Zustände an den österreichischen Hochschulen entgegen und erklärt, daß der völkische Geist, der von der Wiener Universität an andere deutsche Hochschulen verpflanzt wird, eine große Gefahr für die freie geistige Entwicklung des deutschen Hochschullebens bedeutet. Der Versuch der brutalen Unterdrückung der republikanischen. Studenten durch die Reaktion auf den Hochschulen, die einseitige Bevorzugung einer reaktionären Studentenschaft widerspricht den Aufgaben der deutschen Hochschulen, deren Losung es sein muß, für eine freie Studentenschaft im freien Volksstaat zu kämpfen. Der Kartelltag der republikanischen Studenten drückt den republikanischen Studenten Oesterreichs seine wärmste Sympathie aus und fordert sie auf, den Kampf fortzusetzen, bis an den österreichischen Hochschulen die Vorherrschaft völkischer und faschistischer Ideen verschwunden ist." Ihren Abschluß fand die Tagung in einer öffentlichen Kundgebung in der Festhalle am Klingenteich, auf der die Abgeordneten Dr. Breitscheid (Soz.), Kbr. Dr. Haas (Dem.) und Dr. hosfmann (Zentr.) zu Worte kamen und begeisterten Beifall fanden. Konnte man die Heidelberger Veranstaltung als Augenzeuge schildern, so ist man bei der Schilderung der Goslar er Tagung auf den Bericht angewiesen, den das Nachrichtenamt der „Deutschen Studentenschaft", — wie sich noch immer stolz das jetzt recht armselige Rumpfgebilde nennt. — herausgegeben hat. Vertreter der nicht mehr bestehenden Preußischen Studentenschaften haben sich da versammelt, um zu beraten. wie trotz negativen Referendums die studentische Selbstverwaltungsarbeit fortgeführt werden könne. Nirgends steht zu lesen, wer die Vertreter waren und wer sie entsandt hatte. Aachen fehlte, Münster war gegen die Resolution, die dort zur Annahme kam und in der es heißt, daß man trotz Aufgabe der staatlichen Anerkennung auch weiterhin getreu den bisher geltenden Grundsätzen die alten Aufgaben weiter erfüllen wolle. Man erstrebt wiederum eine staatliche Anerkennung, aber nur auf Grundlage eines Studentenrechts, das dem endlich gefallenen von 1920 entspricht. Und dann kommt ein Absatz, der wörtlich wiedergegeben werden mag: „Die Studentenschaft hat durch den Zusammenschluß aller studentischen Richtungen und Gruppen zu einer G e m e i n s ch a f t die unheilvollen Gegensätze überbrückt, die in der Vorkriegszeit das studentische Leben an deutschen Hochschulen kennzeichnete. Die Erhaltung und Pflege dieser Gemeinschaft betrachtet die Studentenschaft auch in Zukunft als ihre erste Pflicht. Der Zusammenschluß dder Studierenden zur Studentenschaft ist geschaffen aus dem kameradschaftlichen Zusammengehörigkeitsgefühl der Iungakademikerschaft, nicht aber durch die Paragraphen einer erst zwei Jahre nach der Gründung der Studentenschaft erlassenen Verordnung. Das Kameradschaftsgefühl aller Studenten, gleich welcher Einstellung, soll auch in Zukunft der Träger unserer Gemeinschaft sein. Deswegen werden alle Kommilitonen, die bisher Angehörige der staatlich anerkannten Studentenschaft waren, auch in Zukunft zur Mitarbeit und Teilnahme an unserem Zusammenschluß aufgefordert. Daß viele von ihnen bei den Entscheidungen in der Vergangenheit in anderer Weise als die Mehrheit der Preußischen Studentenschaften unserer studentischen Sache dienen zu müssen glaubten, soll und darf dabei kein Hinderungsgrund sein." Schon klingen diese Satze, gewiß, und vielleicht werden sich Kommilitonen finden, die auf sie hereinfallen. Wer aber überlegt, wer bedenkt, was gerade diejenigen, die in Goslar