KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 11 (30.11.1927)
- Date
- 1927-11-30
- Page
- Seite 81 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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81 zopften Störenfriede des akademischen Eigenlebens stürmisch zurückweisen und auf breitester Front den Kampf der beiden entgegenstehenden Staatsanschauungen entfesseln müssen." (N) Von seiten der „Deutschen Studentenschaft" war die Antwort auf die Staatsministerial-Derordnung flammende Kampfaufrufe, in denen viel von „akademischer Freiheit" die Rede ist. „Das neue Studentenrecht nimmt der Studentenschaft die Möglichkeit einer selbständigen und verantwortungsvollen Gestaltung und Durchführung ihrer Aufgaben." Gleichzeitig mit dem Aufruf des Vorstandes der „Deutschen Studentenschaft", der zum Kampf gegen die Verordnung auffordert, veröffentlicht das „'Mitteilungsblatt der Deutschen Studentenschaft" eine Entschließung der Rektorenkonferenz. In der Einleitung zu diesen Beschlüssen heißt es, „der Inhalt des neuen Preußischen Studentenrechts hat zwar die Absicht des Preußischen Kultusministeriums aufgezeigt, das höchste Gut unserer deutschen Hochschulen, die akademische Freiheit, zu vernichten." (Was tut denn das Ministerium? Es hat der Studentenschaft weit mehr Rechte gegeben, als es im Kaiserreich jemals besessen hatte; vor 1918 hat es ja überhaupt keine studentische Selbstverwaltung gegeben, ohne daß deswegen soviel Worte über ..akademische Freiheit" verloren würden.) Weiter heißt es: „Helle Empörung hat Hochschullehrer und Studentenschaft einmütig auf den Plan gerufen." Es folgt nun die mehr als zahme (/.allerdings sehr vorsichtige", heißt es im „Studenten") Entschließung der Rektorenkonferenz: „Die Preußische Rektorenkonferenz ist gewillt, soweit es in der Macht einer solchen steht, die deutschen Studentenschaften, wie seit jeher auch in der jetzigen schwierigen Lage mit Rat und Tat zu unterstützen. Der Verband der .^Deutschen Hochschule" und die Deutsche Rektorenkonferenz haben sich dieser einstimmig gefaßten Resolution gleichfalls einstimmig angeschlossen." Der Hauptausschuß der deutschen Studentenschaften stellte sich am 28. Oktober in Jena gegen die Stimmen der Leiter der Kreise V (Westdeutschland) und X (Brandenburg) vollkommen hinter den Vorstand, ebenso auch eine Reihe der studentischen Verbände. (Kösener S. C., die Deutsche Burschenschaft, der V. C. und der D. L.) Die Deutsche Burschenschaft behauptete in ihrer Entschließung unter völliger Verdrehung der Tatsachen, 'es würde durch die neue Verordnung der Preußischen Studentenschaft die Zugehörigkeit zur Deutschen Studentenschaft verboten. Davon ist nie die Rede gewesen. Die Verordnung sagt ja nur, daß eine Studentenschaft deren Aufbau nicht der Verordnung entspricht, nicht st a a t - lich anerkannt werden könne. Im übrigen ist ja die Entscheidung auch in die Hand der einzelnen Studentenschaft gelegt. Ein helles Licht auf die Ideologie der Unentwegten werfen die Kommentare, die einzelne hochschnlblätter der Verordnung widmen. Die „Deutsche Akademikerzeitung", die erst der Meinung Ausdruck gibt, daß in einer mehr verstaatlichten Organisation der junge Student allzu früh lernt, „sich mit den Belangen des Staates zu beschäftigen, die Staatsnotwendigkeiten zu erkennen und Rücksicht zu nehmen auf Andersdenkende", wendet sich dagegen mit folgenden Ausführungen: „Man kann sich nun sehr Wohl vorstellen, daß es auch Menschen gibt, die die Unverbundenheit eines freien, wenn au<H vielleicht über die Schnur hauenden, wenn auch zügellosen Studenten haben wol- Icu, dessen Gedankenfluß rege und dessen Handeln von keiner Erwägung des Alters beeinträchtigt ist." Wenn das der Idealstudent der „Deutschen Studentenschaft" ist,^ ist so wird jeder Ernstdenkende darüber lächeln müssen. Dieser Student soll also gegen eine „m i ß - leitete Obrigkeit" Widerstand leisten!! Wie die Entscheidung ausfallen wird, ist nach den Entschließungen der Verbände sehr fraglich. Sie wird wahrscheinlich von der Stellungnahme der katholischen Studenten und der Finkenschaft abhängig sein, die sich übrigens selbst nicht einig sind. 2n Berlin z. B. betreibt ein Teil der Finkenschaft auf schwarzweiß-rot umrandeten Flugblättern Propaganda, die dazu auffordert, - mit „sa" zu stimmen. Zweifellos hat die Finkenschaft bei einer Ablehnung des Referendums am meisten zu verlieren. Wenn die Abstimmung übrigens nicht den vom Ministerium gewünschten Erfolg hat, so trifft zweifellos das Ministerium dafür auch eine gewisse Verantwortung, denn es hat seinen Standpunkt nickt klar genüg hervortreten lassen. Wochenlang wurden von seiten der Finkenschaft geflissentlich Gerüchte verbreitet, daß das Ministerium die Studentenschaften sämtlich auf jeden Fall erhalten werde, und auf Grund solcher Rachrichten hat mancher, der das Hauptgewicht nur auf die studentischen Aemter und die von ihnen geleitete sachliche Arbeit legte, gelaubt, seine Stimme nicht zugunsten der neuen Verordnung abgeben zu müssen. Zu einer klaren Stellungnahme hat sich das Ministerium erst in letzter Stunde entschlossen. Wenn die „Deutsche Studentenschaft" zu existieren aufyören oird, — „und daß sie sich in der Form freier staatlich nicht anerkannter Studentenschaften schon aus finanziellen Gründen nicht lange wird halten können, darüber sind sich auch die etwas Einsichtigeren in der Deutschen Studentenschaft im klaren", — so darf sie die Schuld daran jedenfalls keinem anderen aufbürden. Sie selbst ist der Schuldige. Wenn der Fünferausschuß zu dem Ergebnis kommt, eine Aenderung der Zusammensetzung der österreichischen Studentenschaften sei unmöglich» so ist das geradezu lächerlich. Man wollte eben eine Unmöglichkeit konstatieren, und so wurde konstatiert. Von Anfang an fehlte in den leitenden Kreisen der Deutschen Studentenschaft der Wille, zu einer Verständigung zu kommen. Eines jedenfalls kann matt der Deutschen Studentellschaft nachsagen, wenn es auch ein etwas fragwürdiger Ruhm für sie ist: Sie wird an einem echt deutschen Erbübel sterben: am Doktrinarismus. Es ist ein Hebel, wenn eine so große Organisation, wie die „Deutsche Studentenschaft", air deren nationaler Gesinnung gar kein Zweifel bestehen kann, nicht glaubt, die paar Juden und Sozialisten, die sich an der am meisten „betroffenen" Wiener Universität nach dem Brief des Kultusministers wie 2:8 verhalten, verdauen zu können, sofern sie die Gefahr einer Ileberfremdung fürchtet. Aber wenn mail an die Enrsthaftigkeit dieses Arguments nicht glaubt, so zeigt sich, daß die Studenten von heute noch nichts zugelernt haben. Sie haben wieder einmal (nach dem scharfen, aber wahren Wort des Münchener Rektors Boßler) sich an nationalen Fragen betrunken. Die „Deutsche Studentenschaft" hat gezeigt, daß die staatliche Anerkennung, die eine wesentliche Vorbedingung ihrer Wirksamkeit ist, ihr weniger wert gewesen ist," als das starre Festhalten an der völkischen Doktrin, die ja im Reich sowieso nicht durchführbar ist. Dieser Heroismus wird die „Deutsche Studentenschaft" teuer zu stehen kommen. Der Kampf für das größere Deutschland, er wird von anderen gekämpft werden, von denen, die den heutigen Staat bejahen und die „Deutsche Studentenschaft" wird das Odium treffen, das sie um eines längst nicht mehr dnrchgeführten, nur Spaltungen und Kämpfe bringenden Prinzips willen, ihre klügeren und höheren Ziele vergessen hat.