KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 8-10 (5.10.1927)
- Date
- 1927-10-05
- Page
- Seite 68 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Diese Verfassung sei inkonsequent, denn sie führe in der D. St. teilweise das großdeütsche, teilweise das völkische Prinzip durch. Wenn von den Oesterreichern behauptet wurde, sie würden mit den reichsdeutschen Juden gern Zusammenarbeiten, so könnte das doch, wie die Praxis zeigt, nicht den Tatsachen entsprechen, denn bekanntlich sei es doch auch dem reichsdeutschen jüdischen Studenten unmöglich, in Oesterreich Mitglied der Studentenschaft zu sein. In eindringlichen Worten, die sichtbaren Eindruck auch auf die Vertreter der Mehrheit machen, erinnert Herr Juda (Frankfurt a. M.) vom Kartell republikanischer Studenten den Studententaa daran, daß 12 000 jüdische Soldaten für ihr deutsches Vaterland gefallen sind. In der Frage der Ostjuden, die angeblich so antinational und deutschfeindlich sind, daß weite Kreise in der D. St. glauben, mit ihnen nicht Zusammenarbeiten zu können, weist er darauf hin, daß es doch gerade diese angeblich antinationalen Ostjuden waren, oie in Oberschlesien mit in vorderster Linie für die deutsche Kultur und das deutsche Volkstum gegen slawische Einfälle gekämpft haben . Don allen Rednern der Minderheit wird mit Entschiedenheit betont» daß die Minderheiten den Gedanken der studentischen Selbstverwaltung bejahen und schon aus diesem Grunde die Zerschlagung der Studentenschaften, die eine notwendige Folge der Politik der D. St. sein müsse, als großes Unglück für alle deutschen Studenten ansehen. Es wird darauf hingewiesen, daß die Männer, die die D. St. gegründet haben (Pulvermanu, Benecke, Dr. Mahrhoh). auf dem Boden standen, auf dem heute die Minderheit steht, und daß doch gerade die Kriegsteilnehmergeneration, als deren Nachfolgerin sich die Mehrheit immer wieder bezeichnet, bestimmt hat, daß Mitglied der D. St. jeder Student sein solle, der sich zur deutschen Kulturgemeinschaft bekennt. Die Vertreter der Mehrheit, die in die Debatte eingriffen, versuchten meist gar nicht erst, diese Argumente zu widerlegen, von deren Berechtigung sie im Inneren vielleicht selbst überzeugt waren, sondern man begnügte sich auf seiten der Mehrheit damit, durch Annahme des Beschlusses zu dokumentieren, daß man nicht gedenke, die alten politischen Bahnen zu ver- Von besonderem Interesse war natürlich die Stellungnahme der preußischen Studentenschaften, als der zunächst am Verfassuugskonflikt Beteiligten. Nach langen vertraulichen Verhandlungen faßten die preußischen Studentenschaften dann folgenden Beschluß: Die preußischen Studentenschaften halten eine Beschlußfassung über die Fragen des preußischen Studentenrechtes aus dem 10. Deutschen Studententag in Würzburg nicht für möglich, da sie eine sachliche Klärung der Verhältnisse in den österreichischen Studentenschaften zur Grundlage ihrer Stellungnahme machen wollen. Die preußischen Studentenschaften bedauern, daß der Fünferausschuß noch nicht seinen Auftrag erfüllt hat, und erwarten, daß er umgehend den preußischen Studentenschaften über die Lage in Oesterreich berichten wird. Die preußischen Studentenschaften verweisen auf Stück 2, Absatz 2 der Würzburger Satzung der Deutschen Studentenschaft, nach der es jeder anslandsdeutschen Studentenschaft frei steht, ihre Zusammensetzung selbst zu bestimmen. Es ist nur möglich, den österreichischen Studentenschaften einen Vorschlag zur Aenderung ihrer Zusammensetzung auf Grund der Ausführungen des Fünferausschusses zu machen. Einen Zwang auszuüben, lehnen die preußischen Studentenschaften ab. Dieser Beschluß ist» wie ein Vertreter der preußischen Studentenschaften während der Verfassungsdebatte vor dem Plenum des Studententages c klärte dahin auszulegen, daß die preußischen St dentenschaften mit der Leitung der D. St. konsor gingen. Dieser Erklärung darf man aber berechtigte Zweifel entgegensetzen; denn wie der Verf. aus eir wandfreier Quelle erfahren hat. ist dieser Beschl erst nach einer heftigen Debatte und gegen ei ziemlich starke Minorität gefaßt worden. ' Äußerde muß man sich vor Augen halten, daß die prenß schen Studentenschaften ihren Beschluß unter de Druck der Leitung der D. St. gefaßt haben, naa dem man ihnen wiederholt Vorwürfe gemacht hat! daß sie sich am 15. Februar überhätlpt m Vc Handlungen mit dem Minister eingelassen habe Daß man innerhalb der preußischen Stndentenschaftc mit der radikal-völkischen Richtung nicht gerade har moniert, zeigte sich auch bei den Wahlen zum Vor stand der D. St. Als Herr Schmagel, der im al! gemeinen als Vertreter der radikalen Richtung inner halb der D. St. gilt, zum 1. Vorsitzenden derD. S aewählt wurde, da waren es doch immerhin etw« 35 preußische Vertreter, die entweder mit der Minder heit gegen Schmagel stimmten oder sich doch zu mindesten der Stimme enthielten. Selbstverständli kann man aus solchen Symptomen noch nicht oh, weiteres folgern, daß nun die preußischen Studenten schäften bis zum 1. Oktober tatsächlich noch um fallen und evtl, aus der D. St. austreten. Ilevrigen wurde bereits vom Rechtsausschnß des Studententagcs fcstgestellt. daß auch innerhalb der Reichsgrenzen die Zugehörigkeit von staatlich nicht anerkann ten Studentenschaften zur D. St. möglich sei: trotz de^ vom preußischen Kultusministeriilm festgesetzten Namensschutzes könnten derartige freiwillige Zusammenschlüsse nach Auflösung der Zwangsorganisatio, den Namen „Studentenschaft" führen. Nach diese Feststellung würden also aus den preußischen Studentenschaften nach Verlust der staatlichen Anerkennung in kurzer Zeit genau solche völkischen Parteicliqüen werden, wie wir sie heute in Oesterreickhaben. Ganz gleich aber, wie die vreußischen Stn dentenschaften am 1. Oktober ihre Entscheidung sä len, ob sie auf die staatliche Anerkennung verzichte oder aus der D. St. austreten, das eine steht be reits heute fest, daß der Würzburger Stndententa. durch seinen Beschluß in der Verfassungsfrage der D. St. den Todesstoß verseht hat. Denn nach Austritt der preußischen Studentenschaften ist die D. S' nicht mehr als ein Torso ohne jegliche Bedeutung für den überwiegenden Teil der deutschen Stndenten: wenn aber die vreußischen Studentenschaften zu ..Studentenschaften" werden, wie wir sie heute in Oesterreich vor uns haben, so wäre die D. St. ein Verein von völkischen Studenten, der nicht zuleh an finanziellen Schwierigkeiten zu scheitern verdamint wäre. Für die Minderheit ergibt sich jedenfalls mehr denn je die Pflicht, mit allen Kräften weiterzuarbeiten für eine Studentenschaft, die alle deutschen Studenten umfaßt. Dieses Ziel wird nicht erreicht werden, und darauf sei am Schlüsse dieser Ausführungen noch hingewiesen, bevor nicht erst einmal der Einfluß der „Altakademiker" auf die einzelnen Studentenschaften und aus die D. St. beseitigt ist, bevor nicht Referendare und Diplomingenieure aufgehört haben, immer von neuem Partei Politik in die Hochschulpolitik hineinzutragen. Eri dann, wenn der Studententag nichts anderes mehr fein wird als eine Vertretung der Studierenden wird es möglich sein, eine entpolitisierte Deutsche Studentenschaft zu schaffen, in der alle Studenten, die sich zur deutschen Kulturqemeinschaft bekennen, gleichberechtigt Zusammenarbeiten im Interesse der deutschen Studenten, der deutschen Hochschulen und damit schließlich auch des gesamten deutschen Volkes.