Mannheim
Compact Memory

KC-Mitteilungen · 1927-07-16 · Heft 7 (16.7.1927) · p. Seite 53

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1927
Issue
Heft 7 (16.7.1927)
Date
1927-07-16
Page
Seite 53 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2822870-2822871-2822876--373-2823407
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

53 Zusammenschluß Deutschlands mit Deutsch-Oesterreich und für die Gleichberechtigung aller ehrenhaften deutschen Studenten ein. Die für die Einheit der Studentenschüft auf preußischen Lochschulen aufgestellten Grundsähe des preußischen Lerrn Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung unterstützt er aus vollster Lleberzeugung. Er erachtet es als selbstverständliche Pflicht aller seiner Mitglieder, am Wiederaufbau Deutschlands tatkräftig mitzuarbeiten, getreu seinem Wahlspruch: Für Deutschtum, Freiheit, Recht und Ehre. 2. Bei' allen offiziellen Veranstaltungen des B. C. in Deutschland und Oesterreich ist die Flagge des Deutschen Reiches zu zeigen. Krawalle an der Wiener LLniverfität. Das „Jüdische Echo" meldet: Wien, 11. Juni. Für Freitag abends war in dem kleinen Festsaal der Universität von den sozial» demokratischen Studenten eine Versammlung ein» berufen worden» in der ein Bortrag über das Thema „Der soziale Numerus clausus" gehalten werden sollte. Der Vortrag wurde als Gegenkundgebuno gegen die in der Vorwoche in der Universität gehaltenen antisemitische Hetzrede des Robert Körber gedacht. Schon vor Beginn der Versammlung hatte eine große Anzahl von hakenkreuzlerischen Studenten den kleinen Festsaal besetzt. Als der Referent Tschadek seinen Vortrag beginnen wollte, setzten die Hakenkreuzler mit Krawall ein. Sie riefen im Chorus: „Juden hinaus!" Dann sangen sie antisemitische Hetzlieder und dazwischen erhoben sie ein Indianergeheul. Die Aufforderung des Vorsitzenden Vohmann. Ruhe zu bewahren und den Vortrag nicht zu stören, verhallte ungehört. Die sozialistischen Studenten suchten den Lärm der Hakenkreuzler durch das Absingen der Internationale zu übertönen. Schließlich kam es zu einem Handgemenge, in dessen Verlaufe die Hakenkreuzler aus. dem Saale gedrängt wurden. Bei dieser Keilerei sollen zwei Sozialisten und ein Hakenkreuzler verletzt worden sein. Mittlerweile war das Rektorat von dem Tumult verständigt worden und ließ durch zwei Pedelle die weitere Abhaltung der Versammlung verbieten. Die Studenten begaben sich in die Aula, wo das Gejohle seine Fortsetzung fand. Die Hakenkreuzler sangen nationale Lieder und brüllten „Juden hinaus", während die Sozialisten das „Lied der Arbeit" und die „Internationale" sangen. Die Situation schien bedrohlich zu werden, da die Studenten wegen des heftig einsetzenden Gewitterregens die Aula nicht verlassen wollten. Nunmehr erschien Hofrat Professor Wettstein in der Aula und ermahnte die Anwesenden zur Ruhe. Er gab bekannt, daß das Universitätsgebäude nur ausnahmsweise bis 8 Uhr geöffnet bleibe, um den Studenten vor dem Gewitter Schutz zu bieten. Der Diplomkaufmann Körber, der den Krawall wieder inszeniert zu haben scheint, hatte sich, als der Tumult seinen Höhepunkt erreicht hatte, geräuschlos entfernt. Erst als das Gewitter zu Ende war, leerte sich langsam die Aula. Die Krawalle setzen sich auch auf der Rampe fort. Die Studenten, die vielleicht auch durch nichtstudentische Elemente verstärkt waren, hieben aufeinander mit Stöcken los. Es gab zahlreiche Verletzte, so daß die Rettungsgeseltschaft kn mehreren Fällen intervenieren mußte. Da die Krawallszenen immer ärger wurden, sah sich schließlich die Polizei zu einem Einschreiten genötigt. Die Rampe wurde geräumt und hierbei mehrere Verhaftungen vorgenommen. Erst gegen 11 Uhr nachts trat Ruhe ein, die Polizei aber hielt noch bis Mitternacht die Rampe besetzt. Wien, 12. Juni. Nach den wiederholten Ausschreitungen an der Wiener Universität hat der Bürgermeister Seitz als Landeshauptmann nunmehr angeordnet, daß dre staatliche Polizei von jetzt ab bei Gefahr im Verzüge in den Hochschulräumlichkeiten einzuschreiten habe. Damit ist der Grundsatz, daß wegen der akademischen Autonomie auf akademischem Boden nur Universitätsorgane zur Aufrechterhaltung der Ordnung befugt und verpflichtet seren »durchbrochen. Es darf erwartet werden, daß die Krawalle, die sich lediglich infolge der Ausschaltung der Polizei und der mangelnden Energie und juoenfeindlichen Einstellung der Universitätsbehörden entwickeln konuten, sich nicht wiederholen werden. Inzwischen haben sich die Unruhen am Montag in verstärkter Form wiederholt; die Universität wurde bis auf weiteres geschlossen. Stud^ntenschaftsunterschlagungen . in München. Unterschlagungen im Studentenauss ch u ß der Münchener Technischen Hochschule haben zwei Tage lang das Strafgericht beschäftigt. Der ehemalige Kassierer des Asta, der frühere Student Hermann Fink, der seine Kommilitonen uin über 2200 M. geschädigt hat, wurde zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Fink, der ein Vertreter der radikal-völkischen Richtung war, was ihn heute nicht gehindert hat, einen jüdischen Rechlsantwalt zu nehmen, war 1923 und 1924 Kassierer des Asta und zeitweise Leiter des Bücheramts der Technischen Hochschule, das bis Ende 1923 mit dem Vücheramt der Universität verbunden war und sich dann verselbständigte. Bei dieser Trennung übergab der Leiter des Bücheramts der Universität dem Fink für die Technische Hochschule wertvolle Fachzeitschriften, Fink aber nahm die Hefte als angebliches Privatgeschenk an sich; einen Teil erhielt sein Bruder, und durch diesen verkaufte er die Hefte dann wieder all sich selbst als den Leiter des Bücheramtes der Technischen Hochschule für 900 Mark. Damit die Sache nicht so übel aussah, wie sie war, mußte an seiner Stelle für den empfangenen Betrag der Bruder quittieren. Was für Begriffe von der Verwaltung eines Ehrenamtes manche Studenten hatten, zeigt eine Aussage dieses Bruders, der mit großer Naivität vor Gericht erzählte, er habe die Hefte wirklich für ein G e s ch e n k des Verwalters des Universitätsbücheramtes gehalten, denn dieser sei kraft seines Amtes dazu berechtigt gewesen. Als der Vorsitzende den Zeugen erstaunt fragte, ob nach seiner Meinung zur Verwaltung fremden Gutes das Verschenken gehöre, erwiderte der Zeuge unter allgemeiner Heiterkeit: „Ja." In einer ähnlichen Auffassung von den Rechten eines ehrenamtlichen studentischen Funktionärs hat der Beklagte Fink für einen der zahlreichen Beleidigungsprozesse, die aus seiner Affäre entstanden sind, von dem Asta eine Kostenbeihilfe verlangt, allerdings vergeblich, und anläßlich des jetzigen Strafverfahrens hat der Asta es noch einmal für gut gehalten, ausdrücklich zu erklären, daß er für keinerlei Prozeßkosten aufkomme, zumal da er doch für Finks Betrügereien zu zahlen habe. Eine zweite Schiebung Finks geschah gleichfalls zu Lasten des Bücheramts der Universität; der Vorsitzende des Bermögensbeirates des Asta der Technischen Hochschule, Geheimrat Prinz, nannte sie die raffinierteste Unterschlagung» die chm je

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.