KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 6 (16.6.1927)
- Date
- 1927-06-16
- Page
- Seite 34 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2822870-2822871-2822875--353-2823386- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
34 Schiff verlassen. Heber die Unregelmäßigkeiten in der Kassenführung der Deutschen Studentenschaft, die das Preuß. Kultusministerium festgestellt hat, ist in der Lagespresse soviel berichtet worden, daß wir es nicht für notwendig hielten, auch in den K. C.-Blätter.r hierzu Stellung zu nehmen. Alle Dementis der Leitung der Deutschen Studentenschaft und selbst das des Vorsitzenden des Vermögensbeirats sind zumindest nicht sehr klar; daß strafrechtliche Verfehlungen vorgekommen sind, ist allerdings nicht bewiesen. Aber ist denn tatsächlich in der Verwaltung studentischer Gelder alles das erlaubt, was nicht gegen das Strafgesetz verstößt? Ein Beispiel möge genügen: Das Vorhandensein eines wenige Lage alten Schecks des Hochschulrings deutscher Art in der Kasse der Gefallenen-Gedächtnrs-Stistung ist von der Deutschen Studentenschaft damit begründet worden, daß dieser Scheck im laufenden Verkehr ordnungsgemäß der Deutschen Studentenschaft zugeflossen ist. Welche Beziehungen hat aber der Hochschulring mit der Gesallenen-Gedächtnis-Stiftung, eine Partei-Organisation mit einer allgemeinen unparteilichen Organisation aller deutschen Studenten? Entweder handelt es sich hier um eine namhafte Stiftung des hochschulrings zugunsten der Gefallenen, dann wäre sicherlich diese Latsache hervorgehoben worden, oder dies ist nicht der Fall, dann würde es naheliegen, anzunehmen, daß der Hochschulring deutscher Art aus den Mitteln der Deutschen Studentenschaft bzw. der Gefallenen-Gedächtnis-Stistung Kredite in Anspruch genommen hat. Und das scheint, selbst wenn sie verzinslich und vorübergehend gewährt werden, unter keinen Umständen zulässig zu sein. Mag man den Preuß. Kultusminister für noch so voreingenommen gegenüber dem Hochschulring und gegenüber der Deutschen Studentenschaft halten, sicher ist, daß die Sperre der Beiträge für die Gefallenen-Gedächtnis-Stiftung, die der Preuß. Kultusminister nach diesen Vorfällen verhängt hat, nicht ohne weiteres nach den verschiedenen Dementis vom Badischen Kultusminister bestätigt worden wäre, wenn nicht zumindest der wohlbegründete Verdacht vorliegen würde, daß diese laufenden Beziehungen zwischen Hochschulring deutscher Art und Gefallenerr-Gedächtnis-Stiftung sich nicht immer in dem Rahmen bewegt hatten, der eigentlich verlangt werden muß, auch dann, wenn das Strafgesetz davon nicht verletzt worden ist. Vielleicht sind es auch diese Ereignisse, die manche Korporationen veranlassen, dem Hochschulring neuerdings etwas kritisch gegenüber zu treten. Ob diese organisatorischen Angelegenheiten etwa einen praktischen Einfluß auf die studentische Politik haben werden, dies wird die Zukunft lehren und von uns eingehend beobachtet werden müssen. bl. 6. Nochmals „Das Problem des Judentums nach Otto Meininger". In Heft 2 der K. C.-Blätter brachten wir den Nachdruck eines Artikels von Professor Köhler, berg, aus den „Akademischen Blättern" des V. d. St., in dem sich der Verfasser mit einer Kritik seines Bundesbruders Strahlmann über das Buch „Das Problem des Judentums" von Otto Meininger auseinandersetzt. Wir möchten unseren Lesern auch nicht die Antikritik vorenthälten, die Strahlmann in der neuesten Nummer der „Akademischen Blatter" Nr. 3 Seite 35 bringt. Sie hat folgenden Wortlaut: „In der Mainummer der „Akad. Bl." findet meine Besprechung des Weiningerschen Werkes eine Kritik von Bbr. Kühler, welche doch eine Richtigstellung erfordert. Wenn Bbr. Köhler schreibt, er kenne wenige Werke, die geeigneter wären, die Jugend zu verwirren und nichts als Unheil zu stiften, so mag dies von den anderen Kapiteln des Buches in gewisser Weise gelten; ich habe das Kapitel über das Judentum auch nur reiferen Lesern empfohlen, und diese können es mit Gewinn lesen, weil nur ein Jude wie Meininger das Problem als solches so tief verstehen und darstellen konnte. „Daß im übrigen Bbr. Köhler als Naturwissenschaftler das ganze Werk „Geschlecht und Charakter" bis zur „Weißglut" ärgert, ist psychologisch verständlich, da Meininger selbst in seinen ganzen Ansichten über das Verhältnis der Geschlechter höchst extrem und einseitig ist, ebenso das Rasseprobleni bewußt außer Acht läßt. Ich lehne ebenso wie Bbr. Köhler das Werk als Ganzes bewußt ab, empfehle aber das Kapitel über das Judentum außerordentlich zur Beachtung, weil es die Gefahr der geistigen Verjudung des deutschen Volkes ausgezeichnet darstellt. 'Wenn »lau weiß, wie drohend die Gefahr der geistigen Verjudung heutzutage im eigenen Lande ist, wo man häufig mit vollkommenstem Recht vor „weißen Juden" warnen muß, — so ticj hat sich schon oas jüdische Gift eingefressen — ist jedes Buch, auch das eines Juden'recht, welches uns diese immense Gefahr plastisch vor Augen führt. Dabei kann man selbstverständlich die Wichtigkeit des Rasseproblems voll und ganz würdigen!" Zu dieser Antikritik ist wenig genug zu sagen. Wie verträgt sich der Begriff der geistigen Verjudung mit dem Ausgangspunkt völkischer Theorie, daß eine bestimmte geistige Veranlagung sich naturnotwendig aus der Abstammung ergibt und kein Wille und kein Milieu, keine Geschichte und keine Kulturgemeinschaft, blutsmäßige Geistesrichtungen beeinflussen können. Wenn es „weiße Juden" gibt, wenn man häufig „mit vollkommenstem Recht" vor ihnen warnen muß, welches ist dann letzten Endes noch die Gefahr, die im tatsächlichen Juden liegt und welches ist dann das Unterscheidungsmerkmal der Arier von den echten (schwarzen) Juden. (Wir setzen voraus, daß der Begriff der „Weißen Juden" unseren Lesern bekannt ist.) Sollten wirklich die Wünsche von Strahlmann in Erfüllung gehen und nach den Idealen gewisser Hakenkreuzlreder die Juden aus Deutschland verschwinden, dann wäre zum Schluß nichts gebessert, denn vor der Gefahr der zahlreichen weißen Juden muß ja mit Recht gewarnt werden und ihre geistige Einstellung ist die gleiche wie die der schwarzen Juden! Völkische Muse, verhülle Dein Haupt! — bl. 8. Die Eröffnung des Heimes des Bundes. Ein Brief des Reichskanzlers. Am 18. Mai, dem Jahrestage der Eröffnung des Frankfurter Parlaments, eröffnete der „Bund, Vereinigung freiheitlicher Akademiker" sein erstes Heim in Berlin. Die geschmacklich außerordentlich gelungenen Räume stehen Studierenden wie Altakademikern zur freien Verfügung; man findet Lesestoff und Schrcibgelegenheit und hoffentlich dauert es nicht lange, daß man, wenigstens .;u gewissen Zeiten, auch ältere, bekannte Akademiker dort antreffen und mit ihnen seine Sorgen und Nöte beprechen kann. Welche Bedeutung man in den verchiedensten Kreisen der Äeimeröffnung zumaß, zeigt das