KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 3-4 (30.3.1927)
- Date
- 1927-03-30
- Page
- Seite 16 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Bestreben, den eigenen Standpunkt klar herauszuarbeiten unter Rücksichtnahme auf die großen Ziele und Arbeitsaufgaben der Deutschen Studentenschaft und eine folgerichtige Fortführung - der Arbeit an der studentischen Selbstverwaltung war unverkennbar. Wenn man das Polemische des Referats und der Aussprache beiseite läßt, so muß man anerkennen daß die Behandlung der hochschulpolitischen Kernfragen wirklich an das wesentliche heranging und die Zukunftsmöglichkeiten ins Auge faßte. Als oberstes Ziel wurde dabei die Erhaltung der Deutschen Studentenschaft für ihre großen Arbeitsauf» gaben unter Weiterführung der mit dem Preußischen Kultusministerium angebahnten Verhandlungen aufgestellt. Die ordentliche Vollversammlung des Reichsausschusses der Hochschulgruppen der Deutschen Volkspartei brachte außer geschäftlichen Beratungen und Berichten am Sonntag Vormittag die Wahl des Vorstandes der R. d. H., die folgende Zusammensetzung ergab: Satzungsgemäß von der Partei bestellter 1. Vorsitzender Dr. Fr. A. Pinkerneil, im übrigen wurden zu Mitgliedern des Vorstandes gewählt: Dr. Walter Zimmermann, Dr. Ing. Friedrich Kruspi, Dr. Gerhard Simson, Dr. Kurt Göpel, cand. ing. Burkh.irdt 'Freiberg) und cand. rer. pol. Hans Koerffer (Frcibnrg i. B.). Die Aussprache über die hochschulpolitische Lage wurde am Sonntag Nachmittag mit außerordentlich reger Anteilnahme fortgesetzt und führte, nachdem alle Fragen eingehend durchgesprochcn waren, zur einstimmigen Annahme folgender Erklärung zum Konflikt in der Deutschen Studentenschaft: Der Reichsausschuß der Hochschulgruppen der Deutschen Dolkspartei wird sich mit allen Kräften dafür cinsetzen, daß die Studentenschaft als verfassungsmäßiges Glied der Hochschule im Sinne d.r Preußischen Ministerialverordnung von 1920 erhalten bleibt, und daß in ihrer Gesamtorganisation der großdeutsche Gedanke Verwirklichung findet. Er lehnt jedoch eine Auslegung dieses Gedankens auf Grund einer Rassentheorie ab und fordert sowohl für die Einzelstudentenschaften, wie für den Gesamtverband ein Zusammengehen der reichsdeutschen Studentenschaften mit allen auslanddeutschen Studierenden, die sich zum Deutschtum und zum Großdeutschen Gedanken bekennen und die Gewähr für die Aufrichtigkeit dieses Bekenntnisses bieten. Der Reichsausschuß der Hochschulgruppen bedauert, daß die an sicy nicht zu vermeidende AuLr^ einandersetzung zwischen Studentenschaft und Preußischem Kultusministerium über die Auslegung der Ministerialvcrordnung von 1020 durch ein Eingreifen des Parlaments herbeigeführt worden ist. Die Auseinandersetzung ist dadurch verschärft ihre Grundlagen sind verschoben worden. Der Reichsausschuß der Hochsulgruppen erblickt in den zwischen den Vertretern der Preußischen Studentenschaften und dem Preußischen Kultusministerium getroffenen Vereinbarungen vom 15. Februar 1927 ein Mittel zur Beilegung des bestehenden Konflikts. Er mißbilligt das Verhalten einzelner Studentenschaften gegenüber ihren verantwortlichen und 'selbstgewählten Führern aufs schärfste und erwartet, daß die Studentenschaften die von diesen getroffenen Abmachungen anerkennt." Austritt der volksparteilichen Hochschulgruppen ans dem Hoch sch ulring. Die eingehende Aussprache über das Verhältnis der hochschulgruppeu der Deutschen Volkspartei m Hochschulring hatte das Ergebnis, daß eine völlige Einmütigkeit für eine Lösung der Beziehungen m Erscheinung trat. Diese Stellungnahme bedeutet eine Aufhebung des bisherigen Zustandes, daß die einzelnen volksparteilichen Hochschulgruppen den örtlichen Hochschulringen deutscher Art seit der Tagung in Halle 1925 als außerordentliche Mitglieder angehorten. Einstimmig wurde eine Entschließung angenommen, die folgenden Wortlaut hat: „Der Reichsausschuh der Hochschulgruppen der Deutschen Volkspartei stellt fest: 1. Der deutsche Hochschulring hat wiederholt und fortgesetzt in offiziellen und offiziösen Aeußerungem und durch Handlungsweise einiger Führer deck Grundsatz parteipolitischer Neutralität verletzt und . offen gegen die Politik der Deutschen Volkspartei und gegen führende Persönlichkeiten der Deutschen Dolkspartei gekämpft. 2. Der deutsche Hochschulring hat in einem Rundschreiben an die örtlichen Hochschulringe vom 29. Jänner l. I. folgende national-politische Richtlinien herausgegeben: „Als Leitsatz muß immer wieder das herausgestellt werden, was Walter Schulz bereits einmal auf dem Vertretertag des Deutschen Hochfchulringes auf der Hohen Syburg zum Ausdruck gebracht hat: , . . . und wenn wir weiter nichts zu tun wüßten, an der Erziehung unserer akademischen Jugend, so müßten wir wenigstens mit allen Kräften danach streben, das zu verhindern, was eiust der Preußische Kultusminister Dr. Voelitz als Aufgabe herausgestellt hat: Das Bekenntnis zum heutigen Staat/' In dem Augenblick, da man im vaterländischen Lager die nationale Opposition aufgibt, wird die Schar der Getreuen klein werden. Um so mehr müssen wir aber als Akadeiuiker unser ganzes Verantwortungsbewußtsein aufbieten, um wenigstens in unseren Reihen eine, wenn auch no chso kleine Kerntruppe, den Träger einer völkischen Staatsidee, eine innerlich feste Schar, der jungen Generation und damit des jungen Nationalismus zu bilden." Mit dieser Zielsetzung hat er sich in unüberbrückbaren Gegensatz 311 der Auffassung der liberalen Akademiker gesetzt, die den Dienst am Staat und für den Staat als ethische Pflicht aufsassen. Diese Erklärung zeigt, daß führende Kreise im Deutschen Hochschulring diesen zur Durchführung ihrer einseitigen politischen Ziele mißbrauchen wollen. :i. Der Deutsche Hochschulring ist seit langem nicht mehr im Sinne seiner ursprünglichen Idee tätig; seine praktische Arbeit ist außerordentlich gering geworden. Damit sind die Voraussetzungen, die für den Anschluß des Reichsausschusses der Hochsulgruppen ^.an den hochschulring maßgebend waren, sämtlich nicht erfüllt. Der Reichsausschuß der Hochschulgruppeu der Deutschen Volkspartei kündigt deshalb das im April 1925 mit der Leitung des Hochschulringes getroffene Abkommen. Diese Erklärung nimmt der Reichsausschuß der Hochschulgruppeu zum Anlaß folgender Kundgebung: Immer mehr vertiefen sich die Gegensätze in der Inngakademikerschaft Deutschlands und ihrer Organisation. Nicht nilr, daß die Extreme hemmungslos frei vom Geiste der Hochschule sich nur der Agitation hingeben, ohne auf eine mögliche Einigung hinzuarbelten. Die Linke treibt im Gegensatz zum Gedanken der Volksgemeinschaft eine Politik der scharfen Trennung. Auf der Rechten hat der Deutsche Hochschulring in der Zusammenfassung aller derer, die in wahrhaft nationaler Auffassung für die Mitarbeit aller ausbauenden Kräfte am Staat sich cinsetzen, versagt. Durch Abwenden von seinem Grundgedanken durch einseitig negierende Einstellung zum heutigen Staat, hat er den An-