KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 1-2 (15.2.1927)
- Date
- 1927-02-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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der Ausländsdeutschen nach ihrer augenblicklichen Saatsangchörigkeit ist für sie dabei undenkbar. Ein Abgehen von dem grohdent sehen Aufbau, der Deutschen Studentenschaft widerspricht der Grundidee der studentischen Selbstverwaltung und ist daher ausgeschlossen. Zur- Koalitionsfrage müssen die Vertreter der preuß. Einzelstudentenschaften feststellen, daß ihnen r.chUich und tatsächlich die Möglichkeit einer Einflußnahme auf die Hochschulgesetzgebung und die Gestaltung der Studentenschaften in den Staaten außerhalb des Reiches fehlt. Infolgedessen erscheint den Vertretern der preuß. Einzelstudentenschaften der vom Kultusminister beabsichtigte Weg, eine Aenderung der an den auslandsdeutschen Hochschulen bestehenden Verhältnisse durch die Preuß. Studentenschaften herbeizuführen, nicht möglich. Die preuß. Studentenschaften halten schließlich eine Teilnahme des Vorstandes der Deutschen Studentenschaft an den vom Kultusministerium geplanten Verhandlungen des Herrn Ministers mit den Vertretern der Einzelstudentenschaften und den Herren Rektoren für unerläßlich, da die beabsichtigte Neuregelung des Preuß. Studentenrcchtes weitgehende Rückwirkungen auf die gesamte deutsche Studentenschaft haben muß, und richten eine dahingehende Bitte an den Herrn Minister." 'Wer's nichr aus ihrem Wortlaut ersehen kann, daß diese Erklärung so gut wie gar nichts besagt, mag cs aus den vielfältigen Prcsseäußerungen herleiten: Hier heißt es: „Lryale Ab'age an den Minister", dort „Amfalt der Studentenschaft". Daß es in Wahrheit eine Absage an den Minister war, und daß nur die Furch! vor etwaigen Zwangsmaßnahme!: das anscheinende Entgegenkommen bewirkt hat, ist aus dem Verlaufe der Tagung ersichtlich. Die vom Vorstand der Deutschen Studentenschaft (D. St.) ausgehende Einladung gab jeder Studentenschaft nur eine Stimme. Proteste der Universitäten Berlin ünv Breslau, von den dortigen Minderheiten bruchgesetzt, bewirkten aber, daß nach dem Tausendcrsysten! abgeftimmt wurde, und so auch die Minderheiten zu'Worte kommen konnten. — Am Freitag, den 28. Januar, hatte der Hauptausschuß der D. (st. getagt, — gemeinschaftlich mit einigen Rektoren, die eine vermittelnde Stellung einnahmen und sich, im Gegensatz zu vorher umlaufenden Gerüchten, bereit erklärten, bei der Feststellung des Begriffes „Auslandsdcutscher" mitnrwirken. Die Tagung selbst stand unter Leitung ganz alter, bewährter völkischer Vorkämpfer: Conti, higcnstock, Führer, Gcrloff, Stöckle, Franck, Kersten, Haas-, Thon; ihr einziges jüngeres Mitglied. Essen-Bonn- Poppclsdorf, war als Mitglied der nationalsozialistischen Arbeiterpartei diesem Kreise würdig. Was wunder, wenn diese Tagesleitung den Studententag zu „bluffen" versuchte! Gerloff hielt ein Referat über den Ministerbricf, zerpflückte jeden einzelnen Satz und stellte plötzlich formulierte Fragen zur Abstimmung, um so von vornherein die Vertreter- Versammlung gegen den Minister festzulegen. Die Opvoiition, unterstützt von den großen westdeutschen Hochschulen, Universitäten Bonn. Köln, Münster und T. H. Aach'n, und dem Rektor der Universität Breslau, s. Magnifizenz, Geh.-Rat Kornemann, fegte hier tmt Erfolg ein und es gelang ihr, diesen Versuch, Material zu einem radikalen Schreiben an den Minister zu schaffen, abzndrehen. Allerdings erst, als der erste Tag fast vorüber war, — und als sich Tagesleitung und Versammlung in einer Weise blamiert hatten, die jedem Ansiher die Schamröte ins Gesicht hätte steigen lassen müssen. Es hatte nämlich folgende Frage zur Abstimmung gestanden: „War der Aufbau der auslandsdeutschen Studentenschaften dem Ministerium zur Zeit der Schaffung des Studentenrechts bekannt, sind daher unter ,,entsprechenden" Organisationen von vornherein die auslandsdeutschen Studentenschaften zu verstehen?" Trotz aller Hinweise der Minderheiten, daß man hier doch nicht über Wissen oder Nichtwissen des Ministeriums abstimmen könne, wurde, nach mehrstündiger Debatte abgeftimmt mit dem Ergebnis: Niemand ist für ja und niemand ist für nein! Schließlich war also die Bahn für sachliche Verhandlungen frei. Die beiden Hauptpunkte, Mithliedschaftsrecht zur Einzelstudentenschaft und Koalitionsfrage brauten sachlich nichts, was mar: von beiden Seiten nicht schon gehört hätte. Immerhin lohnt es, in dieser: Blättern darauf hinzuweisen, daß ein sehr teutscher Herr aus Oesterreich mit dem echt deutschen Namen Dr. Pontschack, — was hatte er eigentlich auf dem Preußischen Studententage zu suchen? — airssprach, daß die irr ostjüdischen Händen befindliche Presse Oesterreichs, vor allem m der Inflationszeit, von: Studium abgeraten hätte, nur damit die Arier von den akademischen Berufen fern blieben und diese mit all ihrem Einfluß den Juden überließen. Und ist es nicht von Interesse, daß derselbe Herr zugab. das Kultrlramt der Wiener D. St. führe das Hakenkreuz im Wavpen, aber mit den österreichischen Behörden habe auch die deutsche Gesandtschaft an der Reichsgrürrdnngsfeier dieses Amtes teilgenommen? — Der großdentsche Gedanke war das Leitwort all dieser Reden und ihn zu verteidigen, war man nach Magdeburg gezogen. Aber es berührt eigenartig und erscheint nicht gerade als durcharrs förderlich. wenn Herr Pontschak ans Wien erklärt, daß der Anschlußgedanke geschädigt werde, wenn man es wage, von Preußen ans Oesterreich Vorschriften zu machen; in seine Eigenstaatlichkeit lasse man sich nicht hereinrcden! Und noch merkwürdiger klingt es, wenn ein anderer Wiener, Dr. Franck, — unter selbstverständlicher Betonung des föderalistischen Prinzipes, —^ btc Studenten und Professoren als die alleinigen Träger des Anschlußgedankens hinstellt und von den Sozialdemokraten oder dem Deutsch-Oesterreichischen Volksbund nicht viel wissen will: „glauben Sie nicht, meine Herren, daß das nationale Bekenntnis gerade heute so stark ist!" Es kann zum Lobe der Minderheitsvertreter gesagt werden: sie hielten sich tapfer. Aber wie der selige Don Quichote gegen Windmühlen focht, so kämpften sie vergebens gegen Leute, die nicht hören wollten. In der Berliner Studenten- Vertretung hat im Januar einmal ein Vertreter des hechschnlrings zugegeben, daß in Oesterreich und im Sudetenland deutsche Juden und Sozialisten unendlich viel für Deutschtum und Anschluß geleistet hätten; er wolle ihre Arbeit nicht missen. Als in Maadeburg ein Mindcrheitsvertreter auf die vielen sich stolz deutsch nennenden Inder: z. B. in Prag hinwies und an die Nachteile erinnerte, die dort e:n Bekenntnis zum Deutschtum mit sich brächten, da hieß es: von. Nachteilen sei nirgendwo die Rede, — nur um der Vorteile willen wollen die Juden in die Deutsche Studentenschaft. So verriet man seiner völkischantisemitischen Gesinnung wegen die deutschen Brüder irr Böhmen und vergaß ganz, daß man mit deren doch wahrhaft schwerem Ringen sonst die besten politischen Geschäfte zu machen bemüht »st. Diese Blutenlese könnte noch werter fortgesetzt werden. Aber wozu? Der „Geist", der in Magdeburg herrschte, scheint genügend gekennzeichnet. Daß man ihm nicht deutlich Ausdruck zu geben wagte, sondern