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KC-Mitteilungen · 1927-02-15 · Heft 1-2 (15.2.1927) · p. Seite 4

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1927
Issue
Heft 1-2 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 selbst aufgelöst habe. Mit dem Bedauern» daß nun die Universität bei ihren nächsten Feiern nicht mehr den früheren studentischen Schmuck entfalten könne, wurde zugleich die Befriedigung darüber ausgesprochen, daß damit die volle Gleichberechtigung aller Studierenden auf akademischem Boden auch äußerlich hergestellt sei.' Damit ist der Kampf um das Recht der jüdischen Studenten an der Universität München zu einem gewissen Abschluß gelangt. Es ist anzuerkennen, daß Rektor und Senat der Universität München in loyaler Weise die Rechtsgleichheit der jüdischen Studenten gewahrt und ein schon seit mehreren Jahren bestehendes urnulässiges Treiben abgestellt haben. Bestehen bleibt die bedauerliche Tatsache, daß die roße Mehrzahl der Korporationen (mit Ausnahme er nichtsarbentragenden katholischen Verbindungen) es nicht über sich bringen konnte, von alten Phrasen und alten Verirrungen Abstand zu nehmen und das zu tun, was elementarster Anstand und was die Forderung der Gerechtigkeit gebeut. Dies zu erzwingen steht nicht in der Macht akademischer Behörden und niemandes sonst. Eine Wendung zu Ausland und Kameradschaftlichkeit kann nur erwachsen aus dem Wiedererstarken eines Geistes, wie er in der bei der Reichsgründungsfeier gehaltenen, weit über Münchens Grenze hinaus beachteten Rede van Boßler in so schöner Weise zum Ausdruck gekommen ist. 3n dieser Rede wandte sich Voßler gegen die politische Schwarmgeisterei. die als metaphysisches, spekulatives, romantisches, fanatisches, abstraktes und mystisches Denken wieder über uns hereingebrochen sei. Die Studenten, die in den letzten Jahren viel getan hätten, um den Alkoholismns aus ihrem Leben zu entfernen, liefen Gefahr, sich an politischen Phrase,i und Mythen geistig zu betrinken. Politik müsse geführt werden aus einem Gefühl heraus, gemischt aus Demut und Keckheit, das nur auf religiösem Grund erwachsen könne, das von einem lebendigen Vertrauen getragen sei in das eigene Glück, in die Sache, in die Sendung, in das eigene Volk oder auf höherer Stufe, in dem Sinn des Welt- und Menschengeschickes, in Gott. Die Politik der Universität aber sei gegenüber politischen Mythen und politischem Flagellantentum durchzusetzen die Erziehung zum selbständigen, kritischen und wahrhaften Denken. So wollen auch wir, um mit Voßlers Worten zu sprechen, unsere Politik, den Kamps um unser Recht führen mit kritischem und wahrhaftein Denken, mit Demut und Keckheit. Mit der Demut, der die Erkenntnis erspringt, daß alles Recht nicht in der Person, sondern in einer höheren Ordnung der Dinge sein Fundament hat, mit einer Keckheit, die ein Vertrauen ist in die gerechte Ordnung der Dinge und auf die eigene Kraft. Schmidt (Lic.). Nationale deutsche Studenten. Bekanntlich haben gewisse Gruppen der Studentenschaft nach ihrem eigenen lauten, oft wiederholten Bekenntnis das wahre Nationaldewußtsein allein gepachtet. Erst vor wenigen Wochen wurde der zweile Vorsitzende der Bonner Stndentenkammer, Herr Kirschbaum, der zugleich Vorsitzender des dortigen hochschulrings ist, gezwungen, sein Amt niederzulegen, weil er es wagte, in öffentlicher Kammersitzung nationale und republikanische Gesinnung in einen Gegensatz zu stellen. Diese Elemente schrecken in dem Fanatismus für ihre politischen Ziele häufig nicht davor zurück, sich mit dem Landesfeind gegen die eigenen Volksgenossen zu verbünden. Völkische Studenten sympathisierten mit den erwachenden Ungarn zur gleichen Zeit, als ihr Führer Hejas mit feinen Banden dem österreichischen Brudervolk das Burgenland entriß. In einer der neuesten Nummern der „Burschenschaftlichen Blätter", der Zeitschrift der Deutschen Burschenschaft, lesen wir in einer Reihe von Artikeln mancherlei über die Not der Deutschen in Siebenbürgert und anderen Gebieten des rumänischen Staates. Die Tatsache, daß der . wildgewordene rumänische Nationalismus, qine der trübsten Erscheinungen in Europa der Nachkriegszeit, sich die unerhörtesten Vergewaltigungen der Minderheiten zuschulden kommen läßt, ist ja nichts Neues. Tagtäglich lesen wir in spaltenlaugen Artikeln von seinen Uebergriffen. Gegenüber diesen Anfeindungen haben sich die ungarischen deutschen, jüdischen und anderen Minderheiten des rumänischen Staates zur gemeinsamen Vertretung ihrer Interessen in einer Einheitsfront gefunden, die erst kürzlich bei dem Begräbnis eines von rumänischen Chauvinisten erschossenen jüdischen Studenten zu machtvollem Ausdruck kam, in der Teilnahme der führenden Persönlichkeiten aller Minderheiten an seinem feierlichen Begräbnis in Czernowitz. Was kümmert aber deutsche „nationale Studenten", die um der geiueinsamen politischen Ziele willen dringend notwendige Einheitsfront der jüdischen und deutschen Minderheit in Rumänien. Das politische Schicksal seiner Landsleute in Rumänien ist ihnen Nebensache: wenn sie^ nur ihren hemmungslosen Judenhaß betätigen können, liebäugelt sie sogar mit dein unversöhnlichen Gegner aller rumänischen Minderheiten, dem chauvinistischen rumänischen Studcntentun:. 2n der gleichen Nummer der „Burschenschaftlichen Blätter" nämlich, in der bewegliche Klagen ob der Bedrückung der Deutschen in Rumänien ertönen, schildert ein Burschenschafter aus Wien seine Reiseerinnerungen und geht mit besonderer Ausführlichkeit, aus der deutlich feine Befriedigung spricht, auf die antisemitische Hetze an den rumänischen Universitäten ein. Er wünscht den rumänischen Studenten Glück in ihrem Kampf, der dann eine Phase ihres Kampfes gegen alle Minderheiten darstellt, und hofft, daß lhre Tätigkeit von Erfolg gekrönt Ein deutscher „nationaler" Student schämt sich also nicht, um des gemeinsamen Judenhasses willen, mit den ärgsten Feinden des Deutschtums zu fraternisieren. W. R. Die Minderheit zur Verfaffungsfrage. ^ie Mlttdcrheitsgrnppen veröffentlichen unter dem 26. Januar folgende Entschließung: „Die im Kartell republikanischer Studenten Deutschlands und Oesterreichs und im Deutschen Studentenbund zusammengeschlossenen Organisationen") als Zusammenfassung der gesamten großdeutschen Minderheit begrüßen das Schreiben des preußischen Kultusministers an die Studentenschaften. Die neuen Richtlinien des Herrn Minister Becker für den Aufbau der Studentenschaften bedeuten eine leitweise Erfüllung der Forderungen, die von der staatstreucn Minderheit in der Studentenschaft seit Jahren geltend gemacht sind. Die Minderheit erblickt in der unveränderten Durchführung der Vorschläge die einzige Möglichkeit, die deutsche Studentenschaft zu erhalten. Sie richtet daher an alle •) insbesondere neben örtlichen Gruppen B. C., K. C., F. W. B., sowie die Organisationen der Zentrums, demokratischen und sozialdemokratischen Studenten.

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