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KC-Mitteilungen · 1927-02-15 · Heft 1-2 (15.2.1927) · p. Seite 2

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1927
Issue
Heft 1-2 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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immer mehr hervortretende Bedürfnis nach einer europäischen Verständigung diese Verständigung-zur Wahrheit tverden läßt, daß wir Kolonien bekommen werden. Wir können zunächst nur Mandate bekommen, denn die jetzigen Inhaber unserer Schutzgebiete können mit Zustimmung des Völkerbundes nur das geben, was sie vom Völkerbund bekommen haben. Ob in späterer Zeit sich aus den Mandaten Kolonien entwickeln, kann dahingestellt sein. Ich würde auch annehmen, daß die Aussicht dafür in nächster Zeit, sowie die Besetzungsfrage erledigt ist, nicht ungünstig ist, günstiger jedenfalls als in weiterer'Zukunft, wo die erhöhten Zahlungen des Dawesplans und die -nicht unbedingte Sicherheit, ob wir diese Zahlungen auch wirklich in vollem Umfange werden leisten können, die Geneigtheit unserer früheren Gegner vielleicht umstimmen könnte." In vorstehendem ist bewußt aus den vielen Referaten des Bremer Schulungskursus das hervorgehoben worden, was nach Ansicht des Schreibers wesentliches gesagt worden ist bei der Diskussion über die deutsche Kolonialpolitik unter den gegenwärtigen deutschen außen- und innenpolitischen Verhältnissen. Man sprach in Bremen unter dem Titel „Kolonialpolitik" noch über sehr viel andere Dinge, die nichts anderes waren als eine Verherrlichung des Vorkriegsdeutschlands, insbesondere des deutschen Militarismus, darstellten. Diesen Ausführungen folgte die Mehrzahl der Teilnehmer mit lebhaftestem Beifall und nirgends wurden Fragen diskutiert, die doch eigentlich jedem ausstoßen, der die moderne Kolonialentwicklung betrachtet wie das Problem der erwachenden Völker'u. ä. Im Rahmen des Schulungskursus war eine Arbeitsgemeinschaft geplant, von der sich ein Teil der Teilnehmer eine nutzbringende Diskussion über den vorgetragenen Stoff innerhalb der Hörer versprach. Leider jedoch fiel auch diese Arbeitsgemeinschaft ins Wasser, da man es vorzog. statt dessen den Studenten „volkstümliche" ans kindische grenzende „Kolonial-Bildungsfilme" vorzuführen, die großen Heiterkeitserfolg erzielten. Die Zahl der Hörer dieses Kursus der Deutschen Studentenschaft betrug 30, eine beschämend kleine Zahl, zumal wenn man in Betracht zieht, daß aus Hamburg eine Korporation, um eine vollkommene Katastrophe zu verhindern, „zur Fülle" abkornmandiert wurde. Ziehen wir die Bilanz von Bremen, so müssen wir, ohne die mangelnde Organisation dieser staatspolitischen Schulungswoche in Betracht zu ziehen, uns die Frage vorlegen, ob nicht in der Wahl des Themas selbst ein Grund für den mangelnden Besuch einer derartig groß angelegten Tagung zu suchen ist. Gewiß ist das staatspolitische Amt der Deutschen Studentenschaft in der Wahl der Themen an Beschlüsse des Deutschen Stndententages gebunden. Es ist jedoch ,;u hoffen, daß sich auch im Kreise dieser Herren die Erkenntnis Bahn bricht, daß, wenn man das Wort von der politischen Erziehung und dem R ü st z e u g für die E r f ü l l u n g staatsbürgerlicher Pflichten im Munde führt, man auch mit anderen Voraussetzungen und Persönlichkeiten an eine so ernste und wichtige Aufgabe gehen muß. Zu leicht erwächst sonst der gesamten deutschen Jugend, die im Begriffe ist, einer „Politisierung" im besten Sinne des Wortes entgegenzugehen, ein nicht zu unterschätzender Schaden. Verschwinden müssen dann auf jeden Fall „leitende Persönlichkeiten", die zugeben, diese staatspolitische Arbeit nur gezwungenermaßen aus Prestigegründen 31t tun. Staatspolitische Erziehungsarbeit wird von der gesamten Deutschen Studentenschaft aller politischen Schattierungen gefordert. Es ist deshalb schärfste Verwahrung dagegen einzulegen, daß mit der ernsten politischen Arbeit durch ungeeignele Personen Schindluder getrieben wird. Man sollte auch endlich aufhören, in den Kreisen der Studentenschaft alles unter dem Gesichtspunkt des verlorenen Krieges und der „guten alten Zeit" airzusehen und endlich einmal in medins res die aktuellen Fragen der Gegenwart und Zukunft des deutschen Staates, der deutschen Re publik zur Diskussion zu stellen. Man nröge nicht länger das Wort von der Arbeit für das Volk im Munde führen, sondern in der politischen Arbeit der Studentenschaft, in politischen Klubs (wie an der Universität Berlin) die grundsätzlich weltanschaulich getrennten Kommilitonen zusammenführen, dort die gegenseitigen -Ansichten vortragen und so zur Verständigung und wahren Volksgemeinschaft beitragen. Nachwort der Schriftleitung: Eine eigenartige Illustration des Willens zur „staatspolitiscben Schulung" in den Reihen der völkischen Studentenschaft bietet folgender Sachverhalt. Seit Monaten bemiibt sich die Leitung des staatspolitischen Amtes der Studentenschaft an der Universität Berlin im Rahmen eines Klubabends, von einem völkischen und einem jüdischen Redner. durch Referat und Korreferat eingeleitet, eine Aussprache über die Fragen des „Antisemitismus" herbeiznsnhre». Zwei'.-llos für alle Teile ein begrüsienswerter Plan. Fern von dem Schlagwortkampf der Volksversammlung soll eine Frage, die nach Auffassung beider Teile eine Schicksalsfrage deü deutschen Bottes ist, in sachlicher Form behandelt werden. Gewiß, die Aussprache wird Gegensätze nicht überbrücken, aber sie kann Verständnis für die Denkweise des Gegners bringen, Aufklärung über eigene Irrtümer. sie kann dem Aneinandervorbei reden ein Ende machen. Aber auch hier das gewohnte Bild: Richt das „internationale Judentums scheut die Klarstellung seiner „Weltherrschaftspläne", sondern es ist kein Vertreter völkischer Gedankengänge als Referent zu finden. Scheut man die Aussprache? — Oder glaubt man, daß eine ruhige, sachliche Aussprache nicht möglich ist? Ist das der Mut zur eigenen tteberzeugung?

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