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KC-Mitteilungen · 1926-12-15 · Heft 11-12 (15.12.1926) · p. Seite 95

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1926
Issue
Heft 11-12 (15.12.1926)
Date
1926-12-15
Page
Seite 95 (sequence 9)
Language
German
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95 vor drei Jahren selbst versprochen hat durchzusühren, als es Mt, eine ersehnte hinttberziehung der Bonner Studentenschaft zu verwirklichen. Cs ist unangenehm, wenn man an eine nichtverjährte Schuld erinnert wird, wenn inan den Schuldenfreien markiert. Ganz so unannehmbar kann doch aber die Forderung des Ministers in keinem Falle sein, wenn ein Führer der D. St. ihre Durcbsübrung offiziell versprechen konnte. Unangenehm, sehr unangenehm! — Vertretung der Arbeitsgemeinschaft der völkischen Akademikerverbände. Die Arbeitsgemeinschaft der völkischen Akademikerverbände hielt am 23. und 24. Oktober in Frankfurt an der Oder einen Vertreterlag ab, die erste Zusammenkunft seit der Verfassung der Elberfelder Beschlüsse. Cs scheint nicht alles sebr gut zu stehen, wenigstens wird man diesen Cindrucl nicht los, wenn man die Presseberichte verfolgt. Die V. C. Rundschau stellt offen fest, das; von einen; Vorwärtsschreiten der völkischen Bewegung nicht gesprochen werden kann. Sie bestätigt der Arbeitsgemeinschaft, das; sie trob vieler Beschlüsse und Arbeitsgebiete „noch sebr wenig klar und sebr wenig einfach ihre Ziele aus- oder besser zusammengearbeitet hat". Selbst das offizielle Organ der „Arbeitsgemeinschaft", die „Deutsche Akademiker-Zeitung" gibt kritischen Stimmen weiten Raum, ein Mann wie Gerloff, ein alter Vorkämpfer des hochscbulringes, bat nach dem Vertretertag seine Arbeit eingestellt, nachdem er v o r der Tagung einen Aussatz mit' der kennzeichnenden Ueberschrift: „Stannntisch oder Bewegung" geschrieben batte. Bor dem „Bund", der Bereinigung freiheitlicher Akademiker, scheint den herren der Arbeitsgemeinschaft völlig der Schreck in die Glieder gefahren zu sein. Ein und eine halbe Zeitungsseite widmet man dieser Gefahr (D.A.Z. v. 50. 10. 26)'auf Grund der Ausführungen von Werner Rosenberg in heft 5 der K.E.-Blätter. „Es unterliegt keinem Zioeifel, das; die Akademikerbewegung einen gefährlichen Gegner in dem „Bund freiheitlicher Akademiker" erhalten hat. Uns braucht aber nicht bange zu sein, denn erstens haben wir einen großen zeitlichen Borsprung und zweitens einen organisatorischen." Das ist der Trost, der schon an sich nicht sehr siegesgewiß klingt. Aber was hat man beschlossen? Nichts! 13 Beschlüsse rein nebensächlicher Art: 1. Bitte an die studentischen Berbände um Unterstützung. 2. Feststellung der Notwendigkeit einer Sammlung der völkischen Kräfte. 3. Plan der Gründung von Altakademikervereinigungen in den hochschülstädten. 4. Plan der Gründung eines Berliner Arbeitskreises (bereits gescheitert). 5. Bitte auf Unterstützung der Deutschen Akademiker- 6. Einsetzung eines Organisationsausschusses. 7. Stärkere Behandlung des Auslandsdeutschtums an den .Hochschulen. 8. Bedingungen für die Deutsche Akademiker-Zeitung. 9. Borbereitung für die Gründung einer Pressezentrale. 10—13. Veitragsregelung. Der Führer der Bewegung hat das Ziel der Frankfurter Tagung dahin präzisiert, daß sie die Bewegung geistig und organisatorisch weiter bringen soll. An den Geist hat man sich gar nicht erst herangetraut und die organisatorischen Beschlüsse lassen auch nicht erkennen, worin der organisatorische Borsprung vor dem „Bund" liegt. Diese Beschlüsse nennt man einen geistigen und organisatorischen Fortschritt!? — hierzu reisen 150 Vertreter nach Frankfurt a. O.? — Bedarf es noch einer Kritik? —- Der Mißerfolg einer jetzt seit drei Fahren bestehenden Bewegung, ihre Geistlosigkeit und ihr Verfall kann nicht besser als durch diese Beschlüsse gekennzeichnet werden. Der Numerus clausus in Ungarn. Mit der Aushebung des Xumerus clausus in Ungarn hat es seine eigene Vewandnis. Je nach der innerpolitischen Lage wird sie versprochen, vertagt oder abgelehnt, Nachdem die Negierung sich mit balkanischen Wahlmethoden ein genehmes Parlament geschaffen hat, wird sie wohl wieder cirunal versuchen, sich uin diese llnangenebme Frage herumzudrücken. Aber sie macht die Rechnung hierbei ohne die Beteiligten. Die Budapester Israelitische Kultusgemeinde hat der Negierung ein Memorandum überreicht, in welchem die Frage des Numerus dausus-Gesetzes und die Reform des Oberhauses in Verbindung mit der Forderung nach einer jüdischen Vertretung in dieser Körperschaft behandelt werden. hinsichtlich des Numerus clausus wird im Memorandum zunächst festgestellt, daß die ungarischen jüdischen Gemeinden den; Völkerbund eine Erklärung übermittelt haben, in der gesagt wird, die ungarische Fuvenheit wünsche die Frage des Numerus dausus-Gesetzes im Lande selbst mit hilse der Gesetzgebung zu regeln: sie erbittet deshalb von keiner fremden Macht irgendeine 5)ilfe und weist jeden Beistand von außen, möge er noch so gut gemeint sein, zurück. Als das Numerus dausus-Geseh beschlossen wurde, wurde eine Bestimmung ausgenonunen, daß diejenigen, die vor Inkrafttreten des Gesetzes in die hochschullisten eingeschrieben worden waren, nicht mehr zum Kontingent zugerechnet werden. Trotzdem wurden zahlreiche jüdische Studierende, die bereits an den hochschulen ausgenommen waren, später ausgeschlossen, weil die Zahl der jüdischen hörer angeblich das Kontingent überstieg. Später wurde die Ungerechtigkeit noch krasser, indem man die Ouote der jüdischen Studierenden nicht mehr nach dem Kontingent, sondern nach der Zahl der tzörer, die zufällig eingetragen waren, berechnete. Damit nicht genug, wurden getaufte Juden in die jüdische Quote eingerechnet. Die auf eine Mindestzahl herabgedrückten jüdischen Studierenden sind mannigfachen Demütigungen ausgesetzt und erhalten niemals jene moralische Genugtuung, die sie von den akademischen Autoritäten z;r erwarten hätten. Der Numerus clausus hat das Resultat gezeitigt, daß Tausende jüdische Studierende zur Fortsetzung ihrer Studien ins Ausland mandern müssen, wo sie unbeschreiblicher materieller Rot ausgesetzt sind. Tie jüdischen Bürger, die ihr Vaterland lieben, können diesein Unrecht nicht länger tatenlos zusehcn. Das muß endlich aushören. Es darf kein Gesetz eristieren, das religiöse Verfolgung zum Ziele hat und Kinder ehrenwerter ungarischer Bürger in das Ausland treibt. In dem Memorandum wird auch auf die Tatsache hingcwicsen, daß studentische Körperschaften mit ausgesprochen antisemitischem Programm eine legale Existenz führen dürfen, während den jüdischen Studierenden das Recht verweigert wird, eine Vereinigung zu

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