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KC-Mitteilungen · 1926-12-15 · Heft 11-12 (15.12.1926) · p. Seite 93

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1926
Issue
Heft 11-12 (15.12.1926)
Date
1926-12-15
Page
Seite 93 (sequence 7)
Language
German
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93 Zum Zweiten greift der Preußische Kultusminister die derzeitigen Köalitionsbestimmnngen der preußischen Einzel-Studentenschaften und damit der Gesamtorganisation an, indem er ansführt, den Studentenschaften der einzelnen preußischen Hochschulen stebe es nach dem geltenden Stndentenrechte lediglich frei, sich mit „den entsprechenden Organisationen der übrigen deutschen Hochschulen" zu einem größeren Verbände zu vereinigen. Der Minister erblickt in den deutschen Studentenschaften an den deutschen Hochschulen in Deutsch-Oesterreich und Danzig und an den sndetendentschen Hochschulen nicht Organisationen, die den preußischen Studentenschaften entsprechen. Der Vorstand der Deutschen Studentenschaft stellt hierzu fest: Der Preußische Kultusminister betont, daß er die Möglichkeit einer Verwirklichung des großdentschen Gedankens auch in Zukunft in der Deutschen Studentenschaft begrüßen würde, dennoch verlangt er. dassich die anslandsdeurschen Skndenlenschasten in genau der gleichen Weise znsammenseßen sollen wie die preußischen Studentenschaften, obwohl^ an denjenigen anslandsdentschen Hochschulen die Studentenschaften. die staatlich oder durch die vom Staat betrauten Organe ossiziell anerkannt wordeit sind, in anderer Weise organisiert und zusammengesetzt sind als in Preußen. DaS Preußische Kultusministerinm will also damit einen indirekten Druck ans alle hochschulläuder des deutschen Sprachgebietes nusüben, die dortigen Gesetze und autonomen Satzungen nach den Auffassungen Preußens zu modifizieren. Der Vorstand der Deutschen Studentenschaft muß es ablebnen, diese Bestrebungen des Preußischen Kultusministeriums zu unterstützen. Er sieht die beste Gewähr für die Verwirklichung des großdentschen Gedankens in einem gesunden Föderalismus, der für die Deutsche Studentenschaft Lebensnotwendigkcit ist, und wird von dem von ihm als richtig erkannten Grundsatz nicht abgehen. Selbst wirtschaftliche Druckmittel, wie sie in dem Schreiben des Kultusministers in Aussicht gestellt werden, werden die Deutsche Studentenschaft niemals zur Aufgabe ihrer leitenden Idee,! und Ziele veranlassen können. Der Vorstand der Deutschen Studentenschaft, gez. Thon. gez. Kersten. Die Behauptungen dieses Schreibens sind zum großen Teil unzutreffend, wenn nicht unaufrichtig Ist cs vielleicht Föderalismus, wenn man — wie cs der Bonner Stndententag getan hat — der 1lmvcrsität Heidelberg ein Ultimatum stellt» um ihre Verfassung zu ändern oder aus der D. St. ansznschciden? Warum hat man. wenn man „gesunden" Föderalismus will, das badische Studcntenrecht bekäinpft, das Preußen in der Durchsetzung der wahren Gleichberechtigung vorangegangen ist? Ist es vielleicht eine Ansflibuilng der ven dem Brief als Selbstverständlichkeit hingestellten Zugehörigkeit aller Reichsdeutschen zur Deutschen Studentenschaft, wenn man immer wieder versucht, jüdische Verbindungen von der Teilnahnie an Aniversilatsfeiern auszuschließen? Die Vorgänge in München haben unsere Erfahrungen nur um ein weiteres Beispiel bereichert, dem nur darum besondere Bedeutung zukomint, weil nicht einmal die hochschnlbchörde sich durchsetzen konnte. Oder ist es ein Ausfluß dieser Selbstverständlichkeit, wenn in direktem Gegensatz zu dieser Behauptung der reichsdeutsche jüdische und der nichtvölkische in Wien- Studierende nicht zur D. St. zngelassen wird. Etwas mehr Ehrlichkeir tut also bitter Rot! 'Aber nicht überall liegt cs so. Schon hat Bonn mit 1;5:7 Stimmen seine Verfassung der der badischen Hochschulen angepaßt, in Oesterreich gärt cs. Man wilt cs sich nicht mehr gefallen lassen, daß die arische, mit den Reichsdeutschen koalierte Studentenschaft unterscheidet, wer bei 'llniversilätsfeiern chargieren darf. Der Fall .hnpka niag auch sein Teil veigetragen haben, jedenfalls liegt dem Rationalrat ein Antrag des sozialdemokratischen Abgeordneten Leuthner vor. der sich genau der preußisch-badischen Regelung anschlicßt. Der Kampf ist ans der ganzen Linie entbrannt. In Preußen stehen im Landtag alle Parteien bis zur Volkspariei znfammen.der Verfassung, der Gleichberech'.igullg zur Durchsetzung zu verhelfen. Die Aera der Versassnngskämpse hat wieder begonnen, wer die Schuld trägt, liegt ossen. Es gilt „die geistige und knltnrelle Geineinschast aller 'deutsch Fichlendem'. Daß diese Worte ans einer Kniidgebnng stammen, die der Vorstand der D. St. im Jahre erlassen hat, mag heute erstaunlich sein. Der anders zusammengesetzte Vorstand der V. St. länsl nnnmehr Sliirm gegen deiarlige Anschauungen und gegen Preußen-Baden. Es wird ihm wohl nichts Helsen . und das ist gut so. Die Gleichberechtigung aller, die deutsch sind und deutsch fühlen, ist wichtiger als das Bestehen einer „Deutschen Studentenschaft", die alles Deutsche zn umfassen nur vorgibt, in Wahrheit aber mehr trennt als bindet. Eine Erklärung des Deutschen Hochschulringes r „Der preußische Kultusminister Dr. Becker hat im Kultusaiisschuß des Landtages angeknudigt, er würde das sogenannte Stndentenrecht - das heißt die Selbstverwaltung der Deutschen Studentenschaft — in Preußen anfheben, wenn die Studentenschaften nicht bereit wären, ihre t ans völkischer Grundlage beruhenden Ausbau aufzngebcn. Er tvill damit reichsdeutsche Studenten zwingen, ihre Brüder in Danzig, Denlschösterrcich und Sudetenland, mit denen sie in der „Deutschen Studentenschaft" znsammengeschlossen sind zu verraten. Die Schicksalsgemeinschaft aller deutschen Studenten, die der Feind durch seinen Länderranb nicht hat vernichten können, will ein preußischer Minister airseinanderreißen, da ihm das formale Staatsbürgerprinzip höher steht als das deutsche Volk. Ans der von Idealismus getragenen Gemeinschaft aller deutschen Studenten soll eine rechtlose klcindentsche Wirtschaftsgenossenschaft gemacht werden. Der Deutsche hochschnlring als der Zusammenschluß aller nationalbewußten dentschen Studenten wird diese Vernichtung der großdentschen Studentenschaft nie und nimmer kampflos dulden. Er erhebt schärfsten Einspruch gegen jeden Versuch, das Selbstverwaltungsrecht der Jnngatademiker anzntasten. Mit allen ihm zn Gebote stehenden Waffen wird der Deutsche hochschnlring den ihm aufgezwungenen Kampf um die kulturpolitischen Ideale der Deutschen Studenten zu führen wissen. Kein noch so rücksichtsloses Vorgehen eines Kultusministers wird ihn daran hindern können, seinen deutschen Brüdern m den Grenzlanden die Treue zu halten."

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