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KC-Mitteilungen · 1926-12-15 · Heft 11-12 (15.12.1926) · p. Seite 89

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1926
Issue
Heft 11-12 (15.12.1926)
Date
1926-12-15
Page
Seite 89 (sequence 3)
Language
German
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während seiner Amtsführung keinen Unterschied zwischen den ihn: anvertrauten Studierenden, welcher Konfession sie auch angehören, zu machen. Die Korporationen seien für die Universität eine Notwendigkeit, sie seien eine Schule für Wiüensbildüng und Zucht und ergänzten so die Arbeit der akademischen Lehrer. Das Leben sei nun einmal ein Kampf und der Student solle gestählt zu Leben und Leiden hinausziehen. Deshalb erfülle es ihn als Korporationsstudenten von altem Schlage mit aufrichtiger Freude/ in den K.C.ern ein kampfgestähltes Geschlecht vor sich zu sehen, das sich bemühe, die besten Traditionen des deutschen Korporationsstudententums: Unterordnung, Selbstzucht und Kampfesmut, treu zu wahren. Ganz besonders gefalle ihm der Mahlspruch der Thuringia: „Neminem time, neminem laede.“ Er erinnere im ersten Teil an das Bismarckwort: „Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt", ein Wablspruch, der für den Kampf des K.E. besonders geeignet erscheine, der zweite Teil aber mahne daran, das; Toleranz gegen die Ueberzengung anderer zu üben unsere vornehmste Pflicht sei. Die Rede klang aus in einem Vivat, erescat, t'loreat der K.E. und der „Thuringia". Es folgten eine Reihe Ansprachen befreudeter studentischer Korporationen und Breslaster lokaler Organisationen. Es würde zu weit führen, alle Redner anszuftthren; nur dem Namen nach sei noch die Rede von Dr. Peritz, des ältestenViadrinen, verzeichnet. War der Kommers mit seinen 1500 Teilnehmern eine nach außen gerichtete Demonstration, so brachte der nächste Tag angestrengte Arbeit. Nach dem Geschäftsbericht von Dr. Holländer, der, wie gewohnt, unter den Begriff des Geschäftsberichts eigentlich nicht einzureihen ist, weil er alle Gegenwartsfragen des K.E. in ihrer ganzen Schwere bebandelte, folgten die beiden Hauptthemen, die den K.E.-Tag ausfüllten, die Referate: K.E. und Republik und K.E. und Hochschulpolitik. Es ist hier, da diese Referate an anderer Stelle abgedruckt sind, nicht erforderlich, auf sie im einzelnen einzugeben, sie werden ihren Nachhall in der praktischen Arbeit finden. Bon den Beschlüssen der Arbeitstagung sei nur der Beschluß erwähnt, der die grundsätzliche Verpflichtung eines jeden K.C.crs, einer jüdischen Gemeinde anzugehören, feststellt. Wenn man den K.E.-Tag nach der Zahl der gefaßten Vcschlüffe würdigen will, könnte man zu einem ablehnenden Urteil kommen. Aber nichts wäre falscher als ein solches Urteil. Die Zeiten, in denen jede Tagung grundlegende Neuerungen zu beschließen hatte, sind vorbei. Vorbei sind auch die Zeiten des organisatorischen Ausbaues. Die Tagungen haben heute nicht mehr das Ziel, Neues und immer Neues zu schaffen, sondern wie immer, wenn Kleinarbeit geleistet wird, sollen sie das Geleistete prüfen und Richtlinien für die künftige Arbeit geben. Unter diesem Gesichtspunkt aber können wir den letzten K'.E.-Tag als einen Erfolg verbuchen. Er hat Kleinarbeit im besten Sinne zu leisten gehabt und vor allem die Aufgabe erfüllt, wieder einmal die Stimmen aus dem ganzen Reich zu hören und durch gegenseitige Aussprache die Einheitlichkeit unserer Arbeit sicherzustellen. Der K.E. ist heute nicht mehr, wie früher, ein kleiner Verband sich persönlich nahestehender Freunde, sondern eine Organisation mit allen Nachteilen, die einer großen Organisation anhaften, und diese Nachteile auszugleichen, diese Schäden zu überbrücken, war der K.E.- Tag berufen. Er hat diese Aufgabe erfüllt, er hat jedem, der anwesend war, neue Anregungen gegeben, den Aelteren unterrichtet über die Auffassung des Jüngeren, die Jüngeren gelehrt, wie man au anderen Plätzen die Fragen der Gegenwart betrachtet. Allen Teilnehmern der Breslauer Tagung war ein besonders freudiges Erlebnis die starke Anteilnahme der Philisterschast an dem Jubiläum unseres Verbandes. Bei dem Tamenslor war dieses Interesse ja verständlich, bringen doch derartige Gelegenheiten stets eine Menge von Veranstaltungen, Bälle, Ausflüge usw., die als amüsante Abwechslungen freudig begrüßt werden. Die starke Beteiligung der Philisterschast nahmen wir dagegen als eine Anerkennung der Tätigkeit unseres Verbandes und ein Bekenntnis zu seinen Bestrebungen dankbar entgegen. Gerade in Breslau hat ja unser Verband schon in den ersten Jahren seines Bestehens stets wirksame Förderung und Unterstützung erfahren; die stete Hilfsbereitschaft von Männern wie Professor Graetz, Rabbiner Joel u. a. half der kleinen Viadrina über manche gefährliche Klippe hinweg. Die Breslauer Tage haben bewiesen, daß die alte Tradition noch ungebrochen fortlcbt. Allen, die dazu beigetragen haben, uns dieses Bewußtsein zu vermitteln, sei auch an dieser Stelle herzlichst gedankt. Eine besondere Tankespslicht gebietet aber hier noch eines Mannes zu gedenken, der, obwohl Außenstehender, sich doch umsichtig und unermüdlich für die Interessen des K.E. eingesetzt hat. Herr Bankier Mar Steuer (Breslau) hat in der liebenswürdigsten Weise unseren mit der Bearbeitung der Presse beauftragten Kartellbruder Werner Rosenberg unterstützt und persönlich dafür Sorge getragen, daß alle Breslauer Zeitungen, selbst das größte Organ der deutschnationalen Volkspartei in Schlesien, ausführliche und würdige Berichte über unsere Tagung brachten. Unser Tank, den der G.A. bereits brieflich zilm Ausdruck gebracht hat, sei Herrn Steuer auch an dieser Stelle ausgesprochen.

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