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KC-Mitteilungen · 1926-08-25 · Heft 8 (25.8.1926) · p. Seite 65

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1926
Issue
Heft 8 (25.8.1926)
Date
1926-08-25
Page
Seite 65 (sequence 7)
Language
German
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65 Der Antrag der Minderheiten fand natürlich keine Annahme. Inzwischen hatten die Ausschüsse getagt nnd erstatteten dem Plenum ihre Berichte. Besonders bemerkenswert war der Bericht deS RechtSanSschnsseS, den Dr. Machemehl gab. Der Ausschuß stellte sich ans den Standpunkt, daß die Salzungen der badischen S-tndentenschaften, mit Ausnahme der nach nicht pam Anterrichtsiiiinisteriniii genehmigten Freiburger Salzungen. unvereinbar mit der Salzung der „Deutschen Studentenschaft" wären. Dieser Bericht laste eine rege Diskussion au«!. Ban seilen der Minderheit wallte man unter Hinweis auf die preußischen Landtagsbeschlüsse die gesamte Bersassnngsfrage zur Sprache zu bringen. Cr<< wurde van ihm der Antrag gestellt, auch die österreichische» Berhältnisse zu besprechen und einen im Saale anwesende» Vertreter der ästerreichischeu Minderheiten zu Warte kämmen zu lassen. Beides war den Herren der Mehrheit sichtlich unangenehm, es wurde deshalb rechtzeitig ans ihrer Mitte heraus der Antrag auf Aebergang zur Tagesordnung gestellt und angenommen. Es war überhaupt bei der Mehrheit, auf diesem Studenteutag sehr beliebt, der Austragung geistiger Kämpfe durch „Aebergang zur Tagesordnung" oder ..Schluß der Debatte" zu entgehen. Aachdem festgestellt worden war. daß die aus dem nationalkulturellen Prinzip basierenden badischen Satzungen unvereinbar mit der nach völkischen Grnndsälzen aufgebauten Würzburger Satzungen der „Deutschen Studeuten-chaft "seien, wurde der Heidelberger Studentenschaft ansgegeben, bis znm 1. Januar l!)27 ihre Satzungen zu ändern, kämme Heidelberg dieser Anf° fardernng nicht nach, so schließe eS sich dadurch selbst ans der „Deutschen Studentenschaft" ans. Die 91»» nähme dieses Antrages bedeutet eine erneute Entfesselung des BersassuilgskampfeS in Baden, da natürlich nun die studentische Rechte in Baden alles versuchen wird, um den Bedingungen der „Deutschen Studentenschaft" nachzukammeu. wobei ihr ja die zugkräftige Parole: „Für die Einheit der „Deutschen Studentenschaft" zur Verfügung steht. Auch die vom Preußischen KultnSministeriiiln geforderte Herabsetzung der Studentenschafts-Beiträge wurde abgelehnt nnd damit der Wille bekundet, auch vor einem offenen »kämpfe mit dem Kultus»,inisteriiii» nicht znrückznschrecke». Hoffentlich geben diese Erfahrungen nunmehr dem Preußischen Kultusministerium Veranlassung. in eine energische Durchführung der die Revision des StndeutenrechtS betreffenden preußischen Landtagsbeschlüsse einrutreten. Den Bericht des Wirtschaftsausschusses erstattete der verdiente Leiter der Wirtschastsstelle in Dresden. Dr. Schairer. Sein Bericht zeigte aufs neue die günstige Entwicklung der vielseitigen Anternebmnngen, die von der Wirtschaftshilfe ins Leben gerufen sind. Eine Ergänzung gab der Bericht deS V e r w a l t u n g S a u S s ch n s s e S. Dem VerwaltungSausschnß hatte ein sehr interessanter Brief deS derzeitigen Rektors der Aniversität Münster, des bekannten Staatsrechtlers Prof. Ottmar B übler, über die Vermögensverwaltung der ..Deutschen Studentenschaft" vorgeleaen. Dieser Brief sollte zur Verlesung gebracht werden; es wurde dies aber vom Verwaltnngsansschuß nicht.zngelassen, da er schwere Angriffe ans die studentische Selbstverwaltung enthielt. Der Hauptinhalt dieses Briefes sei aber hier wiedergegeben: „Die studentische Selbstverwaltung muß in jeder Beziehung das M u st e r einer S e l b st Verwaltung sein. Das bedeutet bor allem, daß sie sich von der Antugend frei halten muß, die jetzt gerade in Deutschland die Selbstverivaltnng zum schwersten Schaden der Gesamtheit in so großem Ämfang anfweist: daß die leitenden Personen mit den ihrer V e r w a l t n n g u n t e r st e h e n d e n Geldern nicht sparsam genug umgehen. E ö i st ein offenes Geheimnis, daß die ungeheure S t e u e r l a st in D e n t, ch l a n d zn einem beträchtlichen Teil darauf zurückzuführen ist, daß die öffentlichen Verwaltungen aller Stufen in Beziehung auf die Ausgabeu-Wirtschaft noch immer nicht die nötige eiserne Selbstzucht ü b e n. Ans diesem Grunde beantragen wir, daß in geistig strenger Selbstkritik und unter dem Gesichtspunkt. ob nicht wesentliche Ersparnisse möglich sind, geprüft werde».- die Häufigkeit der Taqnngen, der Gesamtorganisation lind der Kreise, der Aufwand für Tagnngsberichte und für die ständigen Rachrichtenblätter der verschiedenen Organisationen usw. Der Rachprüfling scheinen mir unter den Ausgabeposten besonders gewisse Repräsentatiousfonds zu bedürfen: denn daß Kommilitonen, auch wenn sie in der obersten Organisation tätig sind, mehrere Tausend Mark Repräsentationsgelder zur Verfügung haben sollen, neben den übrigens noch besondere Reise» nnd Tagungsgelder in ebenfalls hohen Beträgen stehen, scheint mir nicht UN Sinne der Gesamtheit ZN liegen. Bei jeder Ausgabe innerhalb einer Selbstoerwaltnng muß aber gefragt werden: Liegt sie im Sinne der Auftraggebers Rur wenn dies mit gutem Gewissen bejaht werden kann, darf sie gemacht werden. Je mehr von der Studentenschaft selbst in dieser Beziehung an der Vervollkommnung und Verbilligung ihrer Selbstverwaltung gearbeitet wird, desto mehr wird es verniieden, daß von der Aufsichtsinstanz in ihre Arbeit eingegrnfen wird. ES ist natürlich nicht nwineS Amtes, als Verteidiger gewisser vom preußischen Kultusministerium getroffener Maßnahmen anfzntreten. in denen die Studentenschaft Eingriffe in ihre Selbstverwaltung sieht. Aber ich bitte bei der Beurteilung und einer e'waigen ausdrücklichen Stellungnahme des S t n d e n t e n t a g s zu diesen Maßnahmen die Vorfälle objektiv zn prüfen, die zn ihrem Erlaß geführt oder doch wesentlich beigelragen haben. Es hilft nichts, sich die 'Augen davor verschließen .zn wollen, daß an vielen Stellen ein wirklich z ch l i in m e S Versagen der st n - d e n t i s ch e ii S e l b st v e r w a l t n n g festznstellen war. Die Zahl der B e r n n t r e n u n g e n von an» vertranten Geldern ist einfach erschreckend groß auch Münster ist ja in früheren Semestern von solchen Dingen nicht verschont geblieben. Die Dinge sind nur möglich, wenn es an dem stark fehlt, U'aS den Lebensnerv der Selbstverwaltung ausmacht: nämlich strenger Selbstbeschcidung der leitenden Persönlichkeiten und eifriger Mitarbeit eines recht großen Kreises der Beteiligten. Daraus ßheint sich mir aber die Folgerung zn ergeben, daß in Beziehung ans Tagungen, HeranSaabe von Zeit schritten nsw., was alles nicht nur Geld, sondern auch Zeit kostet, möglichste Beschränkung geübt wird eben auch schon der Zeitersparnis halber und daß der Schwerpunkt mehr gelegt wird auf die Tätigkeit der Fach'chaften die in Förderung der wissenschaf'lichen Bestrebungen ihrer Mitglieder so nützliches leisten können, vielfach aber noch so wenig wirkliches Leben haben. Je mehr zeitraubende Tagungen und alles was sonst noch mit Repräsentationen znsammenbängt. die Führerposten in der Studentenschaft belasten,

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