Mannheim
Compact Memory

KC-Mitteilungen · 1926-08-25 · Heft 8 (25.8.1926) · p. Seite 64

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1926
Issue
Heft 8 (25.8.1926)
Date
1926-08-25
Page
Seite 64 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2822870-2822880-2822887--271-2823298
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

beiton fand, wie' zu erwarten war, keine Annahme. Auch ein weiterer Antrag des Kreises V, über den Syall Lessing zur Tagesordnung hinwegzugehen, fiel durch. Daraufhin verließ der Kreis V geschlossen den Saal, gefolgt von einer Reihe Delegierten ans anderen Kreisen. Inzwischen war ein Antrag des Kreises VII (Bauern) eingegangen mit folgendem Wortlaut- „Der Amtliche Preußische Pressedienst veröffentlichte Mitte Juni eine Erklärung zum Fall Lessing, die nicht geeignet ist, volle Klarheit über die Erledigung des Falles zu geben. Daher betrachtet der Re n n t e D e n tsche S t u d e n t e n t a g d . e -Angelegenheit e r st als erledig t, nachdem folgendes festgestellt ist: 1. Die Deutsche Studentenschaft begrüßt, daß es endlich gelungen ist. die Technische Hochschule haunover von einem akademischelt Lehrer ,zu befreien, dessen unwürdiges Berballen ibu für ein atademisches Lebramt nicht geeignet erscheinen laßt. 2. Die Deutsche Studentenschaft stellt fest, daß dieser Erfolg nur der folgerichtigen Haltung der S t u d e u r e u s ch a f t der Techltischen Hochschule Hannover zu verdanken ist. Sie hat da, wo die maßgebenden Kräfte versagten und die Ehre und Würde einer Deutschen Hochschule ltnd der deutschelt Wissenschaft nicht zu schützen vermochteir, mutig und ohne Scheu vor den Folgen den Kampf für em hohes Ideal akademischen Lebeils anfgenommen und durch» geführt.!l. Es ist tief b e d a n e r l i ch , daß es kein anderes Mittel gab. Professor Lessing zum Verzicht auf seine Lebriätigkeil zu bestimmen, als ihm seine venia legendi durch Erteilung eines bezahlten Forschungsauftrages abzu kaufen. 4. Wenn die Studentenschaft der Technischen Hochschule Hannover im Kampf für die Sauberkeit ihrer Hochschule in begreiflicher Erregung, die immer wieder durch das Verhalten des preußischen Kultusmluisteriums für Wissenschaft. Kunst und Volksbildung gesteigert wlirde, die Schranken der Ordnung durchbrochen bat, so ist das eine 11 e b c r t r c t n n g , die it i e m a I s mit d e nt w ahlloselt -31 us - f ch l u s; voit elf Studeutett hätte geahitdet werden dürfen. Die Deutsche Studentenschaft erwartet von dem preußischen Minister für Wissenschaft, Knust und Volksbildung, daß er als Berufungsiitstanz dieses Urteil aufhebt." Es berührte merkwürdig genug, wie die gewiß nicht aus seiten der Minderheiten stehende Kölnische Zeitung schreibt, daß diese Entschließung gerade von den bayerischen Studeiiteiisämsteit eingebracht wurde, die ja nicht gerade in numittelbarelt Beziehungen ztt dem preußischen Kultusminister stehen. Diese tutglaublichen Ausfälle gegen das preußische Kultusministerium werden hoffeittlich dort eine gebührende Antwort finden. Sie sind leider mir zu symptomatisch für den Heist der heutigen „Deutschen Studentenschaft". 31h diesem Eindruck konnte auch die sehr maßvolle Rede des bisherigen Vorsitzenden Bauer über die Studertteuschast int Staate nichts ändern, die nichts wesentlich neues brachte. Es sei besonders Hervorgel,oben, daß die ganze Lessing-Debatte erfreulicherweise jedes antisemitischen Beigeschmacks entbehrte; man vermied selbst, die in einer gewisseit Presse bet der Behandlung des Falles Lessing so beliebten Adjektive ..volksfremd" und „undeutsch". Ileberbaupt fehlte mit einer -Ausnahme dem Studenteulag jede antisemitische Rote. Am' Abend fand die Rheinlandkundgebnng auf dem Drachensels bei K'önigswiuter' statt. Ls war ein feierlicher Augenblick, als die große Schar deutscher Studenten aus allen Teilen des großdentschen Sprachgebietes sich mit Fackeln bewehrt um den flammenden Holzstoß scharte. Die Festrede hielt der Bonner Rektor Dyrofs, nachdem die nacheinander angegangenen Domprediger Pater Dyouisius (Köln) und Reichsminister a. D. Iarres t Duisburg) abgesagt hatten. Rach ihm sprach der Vorsitzende der „Deutschen Studentenschaft" Bauer, der ein Treugelöbuis ztt (Hroß-Deulschland ablegte. Zur Besieglung dieses Äreuegelöbnisses traten Vertreter der besonders gefährdeteit Landesteile an. deit Holzstoß und schleuderten ihre Fackeln in die Flammen. Mit einem kurzen sileutium triste für die gefallenen Kommilitoneit schloß diese würdige Feier und man zog im Fackelzug hinunter nach K'öi.igsmintel'. Leider vermochte die hemninngslosigkeil der radikalen Elemente auch diese vaterländische Feier durch einen politischen Zwischenfall zu entweihen. Mau trug keine Bedenken, eine Menge schwarz°weiß°roter Fahnen im Zuge zu führen, daneben aber auch das Banner eines privaten rechtsradikalen Verbandes, des Inngdo. Außerdem fand malt es geschmackvoll, ausgerechnet Herrn Pöhlmann das Kommando über deit Fackelzug zu übertragen. Diese Provokationelt wurden von republikanischen Studenten durch Eutrollung einer großen schwarzrot-goldenen Fahne beantwortet, die der langjährige I. Vorsitzende der Bonner Studentenschaft, der für seine Treue zu Volt und Vaterlaud über ein Jahr von de» Franzosen eingekerkerte Regierungsrefereudar Kolb (Bonn) trug. Im Fackelzug kam hinter der Schar, in der diese Fahne mitgeführt wurde, der Kreis Bayern. Die Bayern schämten sich llicht, durch Einhaltung eines aussallendeu Abstandes ztt dolumeittierett, daß sie mit der Reichsfahne und ihren Trägern nichts zu tun haben wollen. Trotz wiederholter Aufforderung rückten sie nicht auf. Uns K. E.erit sind derartige „Deutonstrationen" ja leider nur zu bekannt. Wir kennen aber auch die verächtliche tvesinnuugslosigkeit solcher Helden, die, einmal der einer derartigen Gelegenheit gestellt, in den seltensten Fällen zu ihren Taten zu stehen wissen. Aehntiches erlebte man auch am nächsten Tage, als die Herren Bayern merkteu, welchen Unwillen ihr Verhalten in der rheinischen Presse erregt hatte, und als ein -Antrag der Minderheiten vom Studententag eine Mißbilligung dieser Tat verlangte. Die herreit Bayern erklärte», ihre haltltng habe nicht der Reichssahne gegolten, sie hätteit vielmehr das Mitführelt der schwarz-rot-goldenen Fahne als parteipolitische Demonstration aufgefaßt lind hätteit ostentativ den Abstand gewahrt, tun nicht mit dieser parteipolitischen Cöruppe identisiziert zu werden. Ihre wahre Erestnnung kam aber in der zynischen Bemerkung des bayerischen Kreisleiters, „es sei ja noch gar nicht erwiesen, daß die Bayern den Abstand gehalten hätten; ebensogut könnten ja auch die Träger der schwarz-rot-goldenen Fahne schneller gegangen, also vor ihnen davongelaufeu sein", zum Ausdruck. Eine stundenlange Debatte begann, in deren Verlauf die Eemüter hüben ttiib drüben in höchste Erreguitg gerieten. Zahlreiche Ordnungsrufe fielen. Der Schreiber dieser Zeilen sah sich zu einem scharfen Vorstoß gegen einen parteiischen Taguugsleiter gezwungen, der ihn gegen den Vorwurf eines Mehrheitsvertreters, seiit Verhalten sei mit stlidentischer Ehre unvereinbar, nicht in Schutz qenommeit hatte, der einen anderen Minderheitsvertreter als gemeinett Lügner beschimpfen ließ, wühreltd er andererseits jede scharfe Bemerkung, dte auf seiten der Minderheiten fiel, durch Ordnungsrufe rügte. Erst als die republikanische Presse drohte, ihre Sachen zufammenzupacken und den Saal zn verlassen, ältderte der Herr Tagungsleiter feine Taktik.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.