KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 8 (25.8.1926)
- Date
- 1926-08-25
- Page
- Seite 63 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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6Z schlichen. An diesem Tage wurden außerdem noch zwei Referate van Steller und Thon über die Arbeitsweise der „Deutschen Studentenschaft" und die Haltung der „Deutschen Studentenschaft" zur S. I. S. (Sonfederalion internationale des etudiens) erledigt. Das Referat Stellers zeichnet sich vor allein dnrch eine recht schiefe und einseitige Darstellung des Falles Messing ans; daß dieses Borstaudsmitglied der „Deutschen Studentenschaft" die Haltung der Hannoveranischen Studentenschaft verteidigte, dürfte nicht Weiler verwundern. Thon versuchte vor allem, die Haltung der „Deutschen Studentenschaft" bei den Stuttgarter Verhandlungen mit der S. I. S. zu rechtfertigen. In der vierten Vollsitzung des Stndententages berichtete der weiter des „B'ampsansschnsses" in Hannover. Herr Bölümann. über den Fall Messing. Sin Antrag der Minderbeilen. den Fall Messing von der Tagesordnling abznselzen, fand keine 'Almahme. Man rechtfertigte diese Haltung mit der Rolwendigseit, au dem Stndententage eine objektive Darstellung der Borgänge in Hannover zit geben. 'Als „objektiven" Berichterstatter batte man ausgerechnet Herrn Poblmann ai.serseben, die treibende B'rait und Seele des berüchtigten »tampfansschnsfeS. hätte man nun noch als LVorreferenren Herrn Prof. Lessing bestellt, so wären die beiden hanptaktenre dieses unwürdigen Schauspiels beisammen gewesen. Die Berichterstattung des Herrn Böblmann entsprach auch seiner „Objektivität". Man kann der Frankfurter Feitnng nur znstimmen, wenn sie feststellt, daß sich der gesunde Instinkt des BolleS von dieser 'Art 'Akademikertum mit Widerwillen abwenden müsse und daß alle guten Geister Deutschlands gegen dieses leere, vcrantwortllngslosc »nid ungeistige Menschentum aiifstcben müßten. Man hörte wenig in der Rede des Herrn Böblmann von den sittlichen Grundlagen der Bewegung gegen Lessing, von denen in dieser ganzen 6ampagne doch so oft die Rede war. Für Herrn Böblmalin war die ganze 'Angelegenheit ein regelrechter Biernlk und wurde auch dementsprechend ansgezogen. Rur einige Sätze zur Illustrierung seiner Anssubrnngen: „Der Zwischenfall beim ersten Kolleg Lessings in diesem Sommer sei in Form eines regelreä'ten Biernlls aufgezogen worden. Man habe einen Höllenlärm verursacht, daß die Hochschule wackelte. Man bade bewußt diese Zustände berbeigeführt, um das Ministerium znm Eingreifen zu veranlassen. Körperverletzung, Nötigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt seien nicht vorgekommen, wohl aber habe inan dem Rektor erklärt, daß Lessing, wenn er' weiterlesen wolle, mit „unvermeidbaren Lebhaftigkeiten" rechnen müsse. Schließlich sei Lessing die venia legendi mit klingender Münze abgetanst worden." Als Schlnßefsekt seiner Ausführungen hatte sich Herr Pöblinaiul noch eineil Angriff ans Minister Becker Vorbehalten. „Die Staatsanlorität ist dlirch das Berhallen der hannoverschen Studenten nicht berührt worden, eine Berson wie Becker ist für uns nicht die Staatsantoriläl. Der Minister hat selbst die Autorilät seines hohen 'Amles untergraben; er bat die Studenten in nnberatener hast beim Staatsanwalt denunziert und damit bewiesen, daß er kein Herz für die Studenten hat. Sr siebt die Studenten als Staatsstipendiaten an. Wie wäre es, wenil mail behaupten wollte, der Herr Minister wäre durch die Entgegennahme seines Gehalts der Träger einer geistigen Invalidenrente geworden?" I>r diesem Tone geht es weiter. Aus den Teilen des Saales, wo die bayerischen und österreichischen Vertreter plaziert silld, wird lebhaft applaudiert,- bei deir übrigen Vertretern hält sich der Beifall in merkbaren Grenzen. Inzwischen ist eilt Antrag der Minderheiten eingelaufen, der Stndeiltentag wolle beschließen: Der Stlidententag mißbilligt anfö schärfste, daß der Vorstand der „Deutschen Studentenschaft" die unakademische handlnngsloeise der Stlidenteilschast Hannover untersrützt hat, indciil er die Sinzelstudentenschaften zn einem Sympathiestreik gegen die Hannoveraner anfgci'ilfen l>at. Die Begründung dieses Eintrags übernimmt höber, Heidelberg. Sr findet scharfe Worte gegen den Ton Böhlmanns. Seine ruhigen inib würdigen Ausführungen verschaffen ihm den Respekt der Versammlung. Sr betont mit Recht, daß ganz zweifellos Bros. Lessing nicht immer die Grenzen des Geschmacks cingehallen hat, die von einem dentschen akademischen Lehrer gefordert werden müssen. «Aber dies sei noch lange keine Sntschnldignng für das unakademische Verhalte» der Studenten in Hannover. Wenn Lessing nicht Jude und Sozialdemokrat wäre, v'äre der Fall Lessing nie entstanden. Wo war die Slndcntenschast, als andere Hochschullehrer sich noch schliininere Aebergrisse erlaubten, als der Rcllor Bahlen in Greifswald sich crdreistete, die Reiclv'sahne nied« rznholen. als Marschall von Biberstein in Freibnrg vor Rektor und Senat republikanische Staatsmänner bcschin'pfte, als der alich jetzt wieder itt d,e Taznngsleitnng gewählte Herr Frank l-BZie») den Staatspräsidenten hellpach anpöbelte. Damals regte sich kein Sturm der Entrüstung in der „Denlschen Studentenschaft". Daraus erhellt ihre einseilige Stellungnahme zur Genüge. Zu Anrecht bernse sich Herr Böhlmann dararlf, sein Vorgehen sei znin Sclzntze der Lehrfreiheit erfolgt; nieinand habe die Slndenten gezwungen, die Bortesnngen deS Herrn Lessing zn besuchen. Gerade Herr Pöhlmann ilnd seine -Anhänger haben durch rohe Gewalt die Lehrfreiheit untergraben. Der Eintrag der Minder- VE???Af :>BU(K!.7U!3lUMi FÜR. RECHW-uitAATJWiWEM/<HAFT V%1 f j w% ERICH KiEWE Bmmi jwsa Ftt)^22CHi7RA«E 55 ärei.: zcntpum £083