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KC-Mitteilungen · 1925-10-15 · Heft 10 (15.10.1925) · p. Seite 76

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1925
Issue
Heft 10 (15.10.1925)
Date
1925-10-15
Page
Seite 76 (sequence 6)
Language
German
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76 mehr ein klares hochschulpolitisches Programm zu schaffen, das richtunggebend sein must für die künftige Entwicklung. Die Zeiten, in denen wir glaubten, daß die Verhältnisse an den deutschen Lochschulen sich unter dem Einfluß der aus dem Kriege Leimgekehrtcn grundlegend ändern würden, sind vorbei. An die Stelle der erfahrenen Kriegsstudentcn sind wieder Junge getreten, eine Zugend, die nichts weist uud nichts versteht von dem, was diese Kriegsteilnehmer-Generation und ihre Vorgänger geleistet haben. Die studentische Selbstverwaltung hatten die Kriegsteilnehmer aufgebaut, Männer, die gleichgültig welche Einstellung sie in den uns berührenden Fragen hatten, beseelt waren von einem Verantwortungsgefühl gegenüber der Allgemeinheit, die bestrebt waren, dem Studenten einen durch Verantwortung geadelten Platz in der Lochschule zu schaffen. Der Geist, in dem sie aufgebaut wurde, ist vergangen. Die Selbstverwaltung ist nur noch ein Instrument in den Länden derer, die völkische Politik in die Lochschule hineintragen wollen, die für die Freiheit der Lehre und des Lernens eintreten, wie sie sie verstehen, die kein Gefühl der Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit haben. Diesen Zuständen ein Ende zu machen und hierfür Leitpunkte aufzustellen, muß zu den grundsätzlichen Aufgaben des nächsten K. C.- Tags gehören, sie vorzubereiten war die Arbeit der Bonner Tagung, nicht nur der Zweck der erwähnten Referate, sondern auch die Aufgabe des mit dem K. C.- Tag verbundenen Schulungskursus, der sich nicht umsonst Themen aus unserer praktischen Arbeit gewählt hat. Betrachtet man den K.C.-Tag so als eine Einheit, dann wird man sagen können, daß er seine Aufgabe erkannt und erfüllt hat, auch dann, wenn man mit diesem oder jenem Beschluß nicht übereinstimmen kann, wenn man diese oder jene Einzelheit gern anders geregelt gesehen hätte. Vergessen wir nicht, daß auch häufig bei unserer Alt-Lerrenschaft keine Klarheit darüber besteht, wie die Verhältnisse an den deutschen Lochschulen heute liegen. daß auch hier häufig nach äußerlichen Erscheinungen, ja sogar nach den Verhältnissen der Vorkriegszeit geurteilt wird und kein Blick sich öffnet auf die Bedeutung, die die Jahre 1919 bis 1922 für die Struktur der deutschen Lochfchulen gehabt haben, daß vielfach auch vergessen wird, daß Alterund Jugend dasselbe mit verschiedenen Augen sehen. Doppelt erfreulich war es daher, daß die Alt-Lerrenschaft auf dem K.C.-Tag diese Erkenntnis gesucht und auch vielfach gesunden hat, daß wir Gestalten unter uns sahen, die wir lange nicht geschaut, lind daß auch die öffentlichen Veranstaltungen unter diesen Gesichtspunkten eine Bedeutung gewannen, die Liber das sonst übliche Maß hinausging. Wenn uns der „Völkische Beobachter" bescheinigt, daß ° wir neue Waffen geschmiedet haben in dem Kampf gegen das Aufsteigen der judengegnerischen Bewegung, so ist dies in unseren Augen nur ein Lob, und wenn der Vertreter des Rektors von dieser Seite geschmäht wird, weil er in seinen Ausführungen das Treiben derer verurteilt hat, die dem deutschen Juden auf der Lochschule seine Gleichberechtigung nehmen wollen, wenn er unsere jungen Bundesbrüder aufforderte, in gleicher Weise ' wie bisher sich gegen alle diejenigen Bestrebungen zu wenden, die darauf abzielen, die Verbindung aus dem Kreise der studentischen Korporationen auszuschließen, dann zeigt er offen, wo der hinterhältige Kampf geführt wird und wo Offenheit und Ehrlichkeit ihre LeimstätteN haben. Wir danken für dieses offene Wort, denn es war ein Zeichen dafür, daß unser Kampf nicht vergeblich gewesen ist, und es war der Beweis für die Alt-Lerrenschaft, daß der Weg, den die Jugend geht, der alte ist: der Kampf um unser Recht. So hat dieser K.C.-Tag die Grundlage geschaffen für die Wiederherstellung der Einheitlichkeit aller Generationen des K. C. und damit auch die Grundlagen für eine erfolgreiche künftige Arbeit. L. B. \n¥=in\ flkademifche und allgem. Dadmchten K«go JFmtf? f Der Tod Hugo Preuß' ist auch für das deutsche Judentum und vor allem für feine studentische Zugend ein schwerer Schlag gewesen. -Zn dieser Erkenntnis erwiesen dem Schöpfer und Lehrer der Deutschen Verfassung auch die Verbindungen im K. C. Sprevia, Vineta und Silesia die letzte Ehre. Gemeinsam mit denen der F. W. V. und des A. W. V. hielten ihre Chargierten während der Trauerfeier im Preußischen Landtage die Totenwacht zu Häupten seiner Bahre, geleiteten sie den Sarg auf seiner Fahrt ins Krematorium. Dort hatten sich auch die Chargen des Burschenbundes im B. C. Südmark-München, dessen Ehrenmitglied der Verstorbene war, und der Berliner Burschenbünde Brandenburgia, Ghibellinia und Neo- Silesia eingefunden, um nicht hintanzustehen, wenn die gesenkten Fahnen und Schläger den großen Toten zum letzten Male grüßten. L>. L. Numerus clausus in Angarn. Die Ungarisch-Israelitische Landeskanzlei, die offizielle Vertretung der ungarischen Judenschaft, hat in einer Versammlung, welcher die hervorragensten Vertreter der Iudenschaft des ganzen Landes beiwohnten, beschlossen, an den Reichsverweser, an die Nationalversammlung und an die Negierung eine Adresse zu richten, in welcher die Aufhebung des numcrus clausus verlangt wird. In der Presse wird betont, daß sich der numcrus clausus als nutzlos und schädlich erwiesen habe. Die Universitäten seien entvölkert und die Einschreibungen an den Universitäten bleiben weit unter der vorgeschriebenen Zahl. Durch das Verdrängen der Juden von den ungarischen Lochschulen gingen jährlich Milliarden des Nationalvermögens ins Ausland, wo die jüdischen Studenten anstandslos ihre Diplome erwerben könnten. Diese Eingabe ist nicht völlig ohne Erfolg geblieben, denn alsbald nach dieser Regelung haben die maßgebenden Faktoren des Unterrichtsministeriums verlauten lassen, daß die Zeit für die Aufhebung des numerus clausus noch nicht gekommen sei, doch soll in Zukunft eine mildere Auslegung Platz greifen. Als eine solche mildere Auslegung sieht das Unterrichtsministerium den Fortfall der Verschärfung an, die zahlreiche Universitäts- Professoren eigenmächtig vorgenommen haben, dadurch.

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