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KC-Mitteilungen · 1925-04-15 · Heft 4 (15.4.1925) · p. Seite 28

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1925
Issue
Heft 4 (15.4.1925)
Date
1925-04-15
Page
Seite 28 (sequence 2)
Language
German
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28 Kampf gegen „jüdischen Geist" oder „jüdisches Volkstum". Langsam beginnt es in den Reihen der völkischen Jugend zu dämmern. Die Fragen des: Wohin? Warum? beschäftigen die Geister, erste Vorstufen einer erwachenden Kritik. Diese enthüllt aber, daß es sich bei der völkischen Bewegung gar nicht um eine Einheit, sondern um viele Richtungen handelt. In diesen Zusammenhang gehört auch ein Aussatz: „Burschenschaft, Jugendbewegung und völkische Bewegung" von Theodor Büchner in den Vurschenschaftlichen Blättern Heft 3. Winterhalbjahr 1924/25. Cr sieht das Ziel der völkischen Bewegung im eigentlichen National-Sozialismus, wobei der Ton auf dem Sozialismus liegt, im Kampf gegen Kapitalismus und Mammonismus, die er als speziell jüdisch ansieht. Alte Schlagworte, alte Löjungen. Mer doch interessant in der Form und dem Ort, an dem die Ausführungen gemacht werden. Dertritt der Verfasser doch die Forderung nach Aristokratie, Monarchie im Verein mit diesen Zielen. Ein Widerspruch, den er gar nicht empfindet. Flach bleibt er aber auch in der Beobachtung. Ob der Mammonismus wirklich jüdisch ist, ob Finanzkapital und Judentum identisch sind, interessiert ihn nicht, oder ist ihm doch eine selbstverständliche Prämisse, die nichtjüdischen Kapttalisten sind für ihn die vom Juden Verführten, heißt es doch: „Aus dem Vorhergehenden dürfte aber zur Genüge deutlich geworden sein, daß es sich nicht um eine mechanische — Schmeißt-die-Iuden-heraus-Bewegung handelt, wie etwa ein moderner Pseudo-Astrologe die Erdnähe des Mars für ein Zugunglück verantwortlich macht, das bei der Möglichkeit einer künstlichen Entfernung des Sternes nicht eingetreten wäre. Jawohl, die Völkischen hassen die Juden, aber nicht die Juden als mechanisch Physisch wirkenden Krankheitserreger, sondern den jüdischen Geist, der mit seinem Intellektualismus die Welt entgöttert, die Kulturen zersetzt, die historische soziale Ordnung auflöst, eine ästhetrsche Genießerphilosophie verbreitet, die reinen Geschlechtsbeziehungen des Germanen pervertiert und dank ferner Eignung zu abstrakten Geldgeschäften die Völker — ob bewußt oder unbewußt, ist ja ganz gleichgültig — zu Knechten macht. Man lache doch nicht über die „Weisen von Zion", über die angebliche Verschwörung der 300 Juden, die die Weltherrschaft anstreben! Der aufgeklärte Gebildete wird die Geschichte immer lächelnd bezweifeln, aber bleibt nicht der Effekt derselbe, ob die Rathenau, Vallin, Morgan, Marburg in bewußtem oder unbewußtem Einverständnis handeln? Das Volk hat ja von je das Vedürsnis gehabt, sich unsichtbare Mächte des Guten oder Bösen als bewußt handelnde leibhaftige Personen vorzustellen. Z. B. kennt der Gebildete von heute den physikalischen Vorgang, der Blitz und Donner zugrunde liegt — der Germane vor 1500 Jahren sah Thor mit dem Hammer durch die Lüfte sausen. So ist es analog mit den „Weisen von Zion". Diese angebliche Verschwörung der 300 Juden ist in praxi da, Christen und Germanen sind genug vorhanden in ihr, aber der jüdische Rassengeist ist der Anführer." Sollte es nicht ein leichtes sein, nachdem man aus den Boden verstandesmäßiger Erwägungen zurückgekehrt ist, hier letzten Schult beiseite zu räumen. Kampf gegen Wirtschaftssysteme ist etwas anderes als Kampf gegen Rassen, Rasse und Wirtschaft unvergleichbare Größen, erst recht aber wenn man versucht, die Frage des Pariamentarismus und der Aristokratie in diese Naturnotwendigkeit einzureihen. Sieht der Verfasser nicht selbst, daß hier nur eine unfundierte Gleichsetzung „Schlecht" — „Jüdisch", „Gut" — „Heldisch-arisch" vorliegt? Wie anders zeigen sich die Begriffe in anderen völkischen Kiefen. Das beweist eine in den folgenden Heften ausgetraaene Diskussion über die völkische Turnbewegung. Hierbei schreibt Goetz-Dresden, der alte Turner: „5lnd dann möge es dahingestellt sein, ob ein eifrig turnender, oder die deutsche Turnerei begeistert unterstützender Jude, der sich aus Charakterfestigkeit aber nicht hat taufen lassen, nicht anders einzuschähen ist, als die Tausende und Abertausende arischer Männer, die ihren Körper verweichlichen." Hiergegen wendet sich Stelzner, der Führer der Jugend in der Burschenschaft. Ihm ist völkischer Gedanke anders als Büchner nicht ein Gegensatz politischer Anschauungen, sondern eine Volks frage, ein Kampf von Volk zu Volk. Ihm fehlt allerdings auch ein Narer Volksbegriff, da Rasse und Volk nicht bis zum letzten übereinstimmt. Ihm erscheint es so, als sorge der turnende Jude für Volksertüchtigung im Sinne des Mischen Volkes und damit als eine Warnung zum völkischen Zusammenschluß der Turner. . So unverbunden stehen auch heute noch die Begriffe in der Völkischen Welt einander gegenüber. Ausgangs. Punkt sind dem einen rassedem anderen politische, dem dritten wirtschaftliche Erwägungen. Die Ziele find grundverschieden, und doch bilden sie sich ein, den Weg gemeinsam wandeln zu können, alle verschiedenen Ziele zu erreichen durch Abschließung und Vernichtung des deutschen Judentums? Diese Zeilen waren geschrieben, als das neueste Heft der Burschenschaft!. Blätter in mrsere Hände kommt. Rur der Vollständigkeit wegen sei erwähnt, daß der aus den Alpenvereinskämpfen bekannte Hosrat Pichl gegen Götz das Wort nimmt mit den alten Raffenschlagworten und den Reichsdeutschen klar macht, wie blöd sie waren, daß sie sich nicht immer aus den Boden des Waidhosener Prinzips gestellt haben. Von ihm können wir nicht Begründungen, sondern nur Phrasen erwarten, und nur der Vollständigkeit halber sei er zitiert. Die Vertretertagung des Deutschen Hochschulrings am 21. und 22. Oktober in Spandau. Der bisherige erste Vorsitzende Erich Müller erstattete den Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. Die Krise im Hochschulring führte er auf die Krise der ganzen völkischen Bewegung zurück. Cr begründete die Haltung des Vorstandes in den Zwischenfällen des letzten Jahres, machte sich den Antrag der Verbände zu eigen, nach dessen Grundsätzen schon immer gearbeitet worden sei, und bekundete seinen starken Glauben an die Zukunft des DHR. Von den Berichten der übrigen Amtsträger interessiert insbesondere der des bisherigen Pfalzamtsleiters Franz Bauer (C.V.). Nach einer eingehenden Schilderung der reichen und wertvollen Leistungen des Pfalzamtes stellte er den verfehlten Aktivismus des Vorstandes dem des Pfalzamtes gegenüber und rügte die Maßnahmen des Vorstandes, die seine Arbeit teilweise direkt gehemmt hätten. Die Kritik, die sich an die Berichte anschloß, war zum überwiegenden Teil scharf ablehnend. Senatspräfident F l ü g g e, der Vorsitzende der Altherrenschaft des Deutschen Hochschulrings, hob hervor, daß nichts geleistet worden sei in der Aufklärung, nichts in Broschüren, nichts in der Presse. Dem Fehlen von positiven Leistungen ständen kaum wieder gutzumachende Mißgriffe gegenüber, besonders anschließend an die Rovemberereignisse in München. Bauer (C.V> nahm auch in der Aussprache eingehend Stellung gegen die bisherigen Führer, die ihrer Aufgabe nicht gewachsen gewesen seren, sondern einen Mangel an politischer Viwung gezeigt . hatten. „Man hat sich darüber gefreut, in der konsessio-

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