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KC-Mitteilungen · 1925-02-15 · Heft 2 (15.2.1925) · p. Seite 13

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1925
Issue
Heft 2 (15.2.1925)
Date
1925-02-15
Page
Seite 13 (sequence 3)
Language
German
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13 | flkQdemiiche und öligem, flacfirichten IdlBIDl 20. Delegiertentag Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 28./31. Dezember 1924 in Wiesbaden. Der prunkvolle und sehr große Konzertsaal des Wiesbadener Kurhauses hat wohl nie eine so stattliche Anzahl von Besuchen: aufzuweisen gehabt, als bei der am 28. Dezember vormittags um 10 Ahr stattg<stundenen Eröffnungssitzung des 20. Delegiertentagcs der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Äußer den Delegierten waren nicht nur die hiesigen und auswärtigen Zionisten vertreten, sondern auch die gesamte obwohl Mische Wiesbadener und Mainzer Bevölkerung, sowie die aus der weiteren Amgegend hatte sich eingefunden. Auch die Spitzen sämtlicher Wiesbadener Behörden, ein Vertreter des Regierungspräsidenten, sowie der Bürgermeister der Stadt, welch letzterer offiziell die Tagung begrüßte, waren anwesend. Als der Geschäftsführende Ausschuß und mit ihm der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Professor Dr. Chaim Weizmann, erschien, erhoben sich alle Anwesenden von ihren Plätzen und bereiteten Weizmann eine nicht endenwollende jubelnde Ovation zu seinem Empfang. Die Eröffnungsrede des Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Rechtsanwalt Dr. Landsberg, wies in feierlicher Form auf die Geschicke des Zionismus und auf seine bis jetzt erreichten Ziele hin. Sie war aber auch eine starke Betonung der positiven Einstellung zum deutschen Staat, die der deutsche Zionismus stets bewiesen habe. Gerade die innerliche Verknüpfung mit dem Staat, führte er aus, verpflichte uns, die Besonderheit, die alle Juden und nicht nur den Zinonisten von den Mitbürgern unterscheide, zu bejahen und vom Staate zu verlangen, daß er auch den Zionisten, wie allen anderen in ihm lebenden Grupöen, Gedanken- und Gesinnungsfreiheit gebe. Der Staat sei am sichersten fundiert, der allen Bürgern, die guten Willens seien, die größtmöglichste Freiheit gewähre. Zn Anknüpfung hieran richtete Dr. Landsberg einen ziemlich heftigen Angriff gegen den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der anläßlich ber Wahl zum Landesverband der preußischen Ge-, meinden als hauptsächlichsten Programmpunkt den Kampf gegen den Zionismus auf seine Fahnen geschrieben habe. Cs ging durch die Rede des Vorsitzenden, wie auch aller andern Redner als Hauptmotiv die gegenwärtige jüdische Rotz unter hauptsächlichem Hinweis auf das Elend der aus dem Osten Verbannten. Es folgten die gegenseitigen Begrüßungen. Auf besonders hohem Niveau stand die Begrüßungsrede des Rabbiners Dr. Lazarus, der aus das Chanukkahfest als das Symbol der jüdischen Brüderlichkeit hinwies. Als deutscher Jude erkannte der Redner die überragende Bedeutung der zionistischen Arbeit an. Cr gab der Hoffnung Ausdruck, daß aus Palästina eine religiöse Erneuerung ihren Ausgang nehmen werde. Kartellbruder Iustizrat Marxheimer begrüßte im Namen der Wiesbadener jüdischen Gemeinde den Delegiertentag. Cr schilderte Einzelheiten seiner vor 3 Jahren erfolgten Palästinareise. Cs folgte die Rede Dr. Weizmann's, der in vorbildlicher Schlichtheit und Sachlichkeit über die politische Lage, über die produktive Tätigkeit der Chaluzim in Palästina und über den Zionismus als Lösung der Iudenfrage sprach. Wörtlich möchte ich folgende Stelle zitieren: „Ich möchte mir erlauben, ohne in irgendwelcyer Weise auf die inneren Angelegenheiten und Streitig, keiten einzugehen, die im Judentum herrschen, doch einen Ruf an diejenigen Juden zu senden, welche noch außerhalb unserer Reihen stehen, und ihnen in schlichten Worten sagen: „Hier ist ein Land, das erschlossen wird durch die Kraft und die Arbeit der besten Menschen, die wir in unserem Lager haben; hier ist eine Gelegenheit, Menschen ins Laiw zu bringen, die sonst verkommen und die den Gefahren ausgesetzt werden, hingefchlachtet oder zu Vagabunden in der ganzen Welt zu werden. Welcher Jude, zu welcher Partei er auch gehöre, wird es wohl wagen, einen Finger oder die Hand zu erheben, um dieser Arbeit Steine oder Schwierigkeiten in den Weg zu legen! Wir stehen heute vor dem ungeheuren Problem, daß Millionen und Abermillionen Menschen heimatlos sind. Eine kleine Türe ist geöffnet worden, durch die ein Teil dieser Millionen nach Palästna in ein freundliches besteres Leben hineinkommen kann. Wer wird es wagen, dieser Arbeit störend entgegenzuwirken? Ich glaube, meine Damen und Herren, und das ist meine felsenfeste Aeberzeugung, die Zeit ist nicht mehr fern, wo die aufgeklärte öffentliche Meinung Europas der Iudenwelt sagen wird: Es ist euere heilige Pflicht, alle eure Kräfte anzustrengen, die Welt von der lästigen Iudenfrage ein für allemal zu befreien." Nachdem Weizmann noch darauf hingewiesen hatte, daß sich das Bewußtsein im Judentum vertiefe, daß in Palästina etwas geschehe, was nicht das Werk eines Teiles der Juden, sondern das Werk des ganzen Volkes und der ganzen Raste sein werde, wies er auf die Eröffnung der jüdischen Aniversität, die zu Peßach durch Lord Balfour geschehen werde, hin. Auf die Rede folgte brausender Beifall. Ich glaube, daß diese Eröffnungssitzung ein Erlebnis für alle diejenigen bedeutet, die daran teilnahmen. Die übrigen Tage brauchten eingehende Besprechungen, namentlich organisatorischer Natur, die für die breite Oeffentlichkeit des K.C. wohl ohne Bedeutung sind, und die diejenigen K.C.er (hoffentlich ist es eine stattliche Anzahl!), die es für ihre Mindestpflicht halten, sich mit dem Zionismus auseinanderzusetzen, in der zionistischen Presse finden werden. Der Zionismus ist seit Kriegsende in ein Stadium gelangt, welches keinem Juden mehr, wo er auch stehen möge, erlaubt, ihn mit einer Handbewegung einfach abzutun, wie es leider noch so häufig, namentlich auch in unseren Kreisen, geschieht. Zum mindesten wäre es Pflicht aller derjenigen, die eine ablehnende Stellung gegenüber dem Zionismus einnehmen, zunächst ein Bekenntnis darüber abzulegen, inwieweit sie sich überhaupt mit dieser Frage beschäftigt haben. Rechtsanwalt Dr. Robert Rosenthal, Wiesbaden. beabsichtigt im März eine Keilkn eipe im größeren Stil zu veranstalten. Alle Kbr. und Bbr., die in diesem Monat in Oberschlesien sind, werden um Angabe ihrer Adressen bis zum S. März gebeten! S.-Rat Dr. Pick, Beuthen, O.-Schl.

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