KC-Mitteilungen
- Journal
- KC-Mitteilungen
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 2 (15.2.1925)
- Date
- 1925-02-15
- Page
- Seite 12 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Kft R1a44a44 Für das Jahr 1925 'sind . JUrömllVU 4 Lefteder K-C-Blätter —- vorgesehen. Das nächste Lest der K. C.-Blätter konnte leider infolge zu starker beruflicher Inanspruchnahme der Schriftleitung nicht wie geplant gleichzeitig mit dieser Nummer hergestellt werden, so daß in den Monaten März und April je ein Lest erscheinen wird. vr. med. Otto Markan (Kan.) f Von Dr. med. I. Kleeberg (Bav.) Mein lieber Leibfux Otto Markan ist gerade Ende dieses vergangenen Jahres gestorben. Seine Äeimat ist Düsseldorf, wo er Schulzeit und Jugend verlebte. Er ließ sich 1914 im Sommersemester zu Heidelberg immattikulieren und wurde bei uns aktiv; zugleich diente er sein erstes Halbjahr als Mediziner mit der Waffe. Der Juli 1914 brachte den Krieg und Otto Markan kam als aktiver Soldat sogleich ins Feld. Bereits einige Wochen später traf ihn ein schwerer Schuß in den Oberarm. Die nun folgende lange Genesungszeit brachte er in Heidelberg und Mannheim zu, wobei er weiterstudieren konnte. Die Psiicht rief ihn zum zweiten Male ins Feld — das Eiserne Kreuz besaß er — und nun machte er als Anterarzt den Krieg bis ganz zum Ende mit. Nach seiner Rückkehr warf er sich mit außerordentlicher Energie aufs Studium und bestand dann wohl als Erster unseres Jahrgangs an der neugegründeten Düsseldorfer Akademie sein Staatsexamen, und zwar mit I. Er ist Llrologe geworden und hat sich über drei Jahre bei den besten Berttetern seines Faches ausgebildet: Prof. Ianssen-Düsseldorf, Prof. Casper- Berlin und Or. Lewin-Berlin. Die Zeugnisse seiner Lehrer über ihn dürfen einfach als Muster gelten für einen strebsamen und gewissenhaften Arzt. Anfangs 1924 ließ er sich in seiner Vaterstadt als Arologe nieder. Inzwischen war längst ein entsetzliches Geschick über ihn hereingebrochen. Schon seit 3 Jahren litt er, anfangs nicht erkannt, an Äodgkinscher Krankheit, gegen die bisher kein Kraut gewachsen ist. Bewundernswert bleibt die Art und Geduld, mit der er sich jetzt anstrengenden Kuren und Bestrahlungen unterzieht, noch mehr die Energie, mit der er ttotz allem seine Ausbildung fortsetzt. Bis zuletzt ihn die entsetzliche Krankheit entkräftet hinsiechen ließ, hat er jede Stunde von einiger Kraft gearbeitet. Dieser Fleiß und dieses Stteben verdient höchste Achtung, ebenso wie die wirklich große Art, mit der er still sein Geschick mit Bewußtsein ttug. Niemals in den 3 Jahren, auch nicht in den letzten Wochen unsäglichen Leidens in der Münchner Klinik habe ich ein anklagendes Wort gegen sein Geschick gehört. Welch ein Kontrast: einst ein Arbild von Gesundheit und Kraft, ein Mensch, der als Knabe und Student quer durch unfern breitenNhein schwamm, turnte und ein Typ eines aktiven Soldaten war; und jetzt dieses L)insiechen, mit 30 Jahren! Einige kleine Freuden konnten Freunde ihm bisweilen machen. Aber nur eines ist ihm an wirklich Großem bis zuletzt geblieben, seine junge Frau! Er hatte sich, noch in leidlich guten Tagen, mit Frl. Elfriede Bock aus Düsseldorf verlobt. Sie hat Wort gehalten, ihn geheiratet, obwohl sie beide Gewißheit ihres Schicksals hatten. Was eine Frau ihrem Manne an Liebe und guten Werken tun kann, das hat er bekommen bis zum letzten Augenblick. Wie er selbst immer ein stiller und einfacher Mensch war, so muß auch dieser Nachruf ftei von großen Worten bleiben. Ich will nur alle seine Gefährten bitten, ihm das treue Gedenken zu bewahren, das ein Mann wie er verdient, ein Dreißigjähriger, der so zu leben und so zu sterben wußte. □ Bücher- und Blätterfcbau □ „Vorn Wesen des Antisemittsmus." Von vr. Felix Goldmann. Zweite verbesserte Auflage. Philo-Verlag, Berlin. Der Versuch, in die Entstehungsprobleme des Antisemitismus gänzlich einzudringen, findet vorläufig noch seine Grenzen in der mangelnden historischen Grundlage. Unter Berücksichtigung dieser. Schwierigkeit stellt das vorliegende Buch wegen der Klarheit des Gedankenallsdrucks und der scharfen begrifflichen Scheidung eine Leistung dar, die neben tiefem Verständnis der psychologischen Grundlagen des Antisemitismus die drei sozialhistorischen Erscheinungsformen des Judenhasses, nämlich den religiösen, den wirtschaftlichen und den Rassenantisemitismus in großen Zügen beschreibt. Wenn es auch nicht möglich erscheint, den Antisemitismus als Gesamterfcheinung auf ein einziges Grundprinzip zurückzuführen, so wirken doch überall das sachliche Moment des Kraftbewußtseins der Majorität und das formelle der Verallgemeinerung. Aus dem Buche hebt sich deutlich das große Prinzip heraus, das dem Kamps gegen den Antisemitismus zugrunde gelegt werden muß. Wer an ein Ausrotten des Antisemitismus glaubt, muß die Frage vom Standpuntt der sittlichen Weltordnung zu lösen versuchen. Deshalb handelt es sich um die Lösung des Rechtsproblems als jüdische Lebensnotwendigkeit. Der Kampf um die Gleichberechtigung setzt aber voraus, daß der einzelne im innerlichen Verhältnis zu reinem Judentum, zu den großen und ewigen Gedanken des Monotheismus und der sozialen Nächstenliebe festen Boden gewinnt. Rur der kann den Kampf ums Recht führen, dem er Lerzenssache und Lebensinhalt ist; und er wird ihn mit größerer Aussicht auf Erfolg unternehmen, wenn er durch Kenntnis der Lehre und Geschichte seiner Gemeinschaft den Weg zu tieferer Erkenntnis und zum Glauben an die Zukunft gefunden hat. Das ist die Vorbedingung für den Sieg in unserem Kampfe, der unsere oberste Aufgabe ist. Die Lektüre dieses Buches, das die Ziele des K. C. so energisch vertritt, sei allen Kartellbrüdern dringend empfohlen. L. R.