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KC-Mitteilungen · 1924-11-01 · Heft 9 (1.11.1924) · p. Seite 3

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Journal
KC-Mitteilungen
Volume
1924
Issue
Heft 9 (1.11.1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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4, Die Frankfurter Studentenschaft Hat mit Ent- Mftmg von dem Plane-der Errichtung einer jüdischen Anrversität in Danzig Kenntnis genommen und fordert die gesamte Großdeutsche Studenten-fchaft auf, dafür Sorge zu tragen, daß dieser Plan nicht verwirklicht Interessant ist, daß in diesem Zusammenhang ein weiterer Antrag gestellt wurdet den an der Fmnkfur» ter Llniverfität studierenden Ktiegsteilnchmern zu den Asta-Wahlen doppeltes Stimmrecht zu verleihen. Dieser Antrag ist abgelehnt worden, vielleicht aus Angst vor den jüdischen Kriegsteilnehmern?. Waffenring und SaLisfuMon. In Nr. 19/20 der „S. V - Zeitung", Zeitschrift des Sondershäuser Verbandes Deutscher Sänger-Verbindüngen und des Verbandes Alter S.Ver vom 8. und 22. Oktober 1924 findet sich eine Ankündigung des W asfenstud ententag es 1924. „Die diesjährige Tagung des Allgemeinen Deutschen Waffenringes (A.D.W.) findet vom 14 — 16. November 1924 gemäß nachstehendem Programm statt: Tagesordnung: (Auszug) 11. Besprechung der Genugtuungsfrage. Referat: R.SC. Anträge:-R. S. C. a) Aussprache über die Genugtuungssrage gegenüber sich noch in den Verbänden ' befindlichen jüdischen A. L. A. L., b) Stellungnahme zu nach Briefsystem Genugtuung gebenden Verbindungen. 12. Bericht des Münchener Waffenringes über den Stand seiner Untersuchung in der Judenfrage. Antrag M. W.R.: „Der A. D. W. möge bei den Studentenausschüssen sämtlicher deutschenLochschulen folgenden Antrag einbringenr Lim das übermäßige Anwachsen der Zahl. jüdischer Studierender zu verhindern, soll der A. St. A. (= die Kammer) dafür sorgen, daß in Zukunft in der Personalkarte die Frageausgenommen wird, ob der Aussteller deutscher Abstammung und Muttersprache ist, sowie dafür sorgen, daß in Zukunft die Rubrik bezügl. Religionsbekenntnisses unbedingt aus' gefüllt wird." Lieraus ergibt sich, daß die Münchener Studentenschaft sich mit den Ergebnissen der letzten Tagung (vergl. K. C.-Mitteilungen 1924, Rr. 5) nicht begnügt. Daß ihre Forderung einen glatten Verfassungsbruch darstellt, erscheint ihr natürlich unwichtig. Interessanter als die Anträge zu 12 erscheinen aber die Anträge zu 11. Jetzt sehen die Leeren erst, wohin das Schiff mit Naturnotwendigkeitsteuert. Jetzt muß der eigene Bundes brude r für unhonorig erklärt werden. Wie verttägt sich das mit Bundestreue und Farbenehre? Run, etwas mehr oder weniger ist schon nicht mehr wichtig, und daß man dermaleinst gemeinsam den Landesvater gestochen und jetzt des anderen Burschenehre leugnet, kann im Jahre 1924 nicht mehr wundern Wie steht es aber mit 11 b? Dieser Antrag wendet sich in erster Linie gegen den V. d. St. Will man damit auf dessen Entschlüsse einzuwirken suchen, weildieser die Einfichrung der unbedingten Satisfaktion vertagt hat? Es wird wichtig sein, die Tagung zu beachten, wenn wir uns auch klar sein müssen, daß von u n b e d i n g t e i Satisfaktion beim R. S. C. ebensowenig wie beim Münchener Waffenring die Rede sein kann. — Dem Juden gegenüber ist diese ja, doch bedingt und darum Kneiferei, mag sie auch noch so schön bemäntelt werden. □ Meder- und Blätttrfcbau □ Samrnh Gronemann, Lawdoloh und Zapfenstreich. Erinnerungen an die ostjüdische Etappe 1916 bis 1918. Mit Zeichnungen von Magnus Zeller. 1924. Jüdischer Verlag, Berlin. Ein Hönes Buch! Ernst und Scherz in innigem und sinnigem Verein! Der Verfasser hat seine bereits in der Zeitschrift „Schlemiehl" veröffentliche vortreffliche Sammlung jüdischer Witze ebenso geschickt wie stilvoll in sein Kriegstagebuch hineinverarbeitet, und man muß sagen, daß so ein herzerquickendes Volksbuch zum Lachen und zum Weinen herausgekommen ist. Besonders anerkennenswert ist die Klarheit und Deutlichkeit. Man mertt im Texte gleich, was humoristisch fein soll und was mit ttagischer Tiefe zu wirken bestimmt ist. Von den Bildern läßt sich allerdings ein gleiches nicht sagen! In der Flut der Kriegserinnerungsbücher ergeben sich ttotz ihrer Mannigfaltigkeit gewisse gemeisname Grundzüge, und so drängt sich ein Vergleich des Gronemannschen und des Ludendorffschen Kriegsbuches ganz -von selber auf. Beiden gemeinsam ist vor allem die bescheidene, zurückhaltende Art, in der die Verfasser es verstehen, ihre Person und deren Bedeutung im Hintergründe der Darstellung zu halten. And doch unterscheiden sie sich auch sehr. Vom rein Technisch-Militärischen weiß Ludendorff fraglos mehr als Gronemann. Des letzteren Buch besitzt aber dem Ludendorffschen gegenüber einen ganz unschätzbaren Vorzug. Bei Gronemann kommen wenigstens die Ostjuden gut weg! Wie gesagt: Ein kerniges Volksbuch, ein Dokument aus großer Zeit, das auch kommenden Geschlechtern beweisen wird, wie eine peinlich und liebevoll gepflegte Subjektivität in der Auffassung und Darstellung von Menschen und Dingen verblüffende Wirkungen erzielt, deren nüchterne, ebenso wahrheitsgetreue wie langweilige Objektivität sich niemals rühmen kann. F. G. Mendake Moicher Sftrvim. (Schalem Iaankew Abramowitsch.) Gesammelte Merke. Autorisierte Aebersetzung aus dem Jiddischen von Salomo Birnbaum. 1 Band. Schloimale. Mit Vorbemerkung und Vorspruch. 1924. Jüdischer Verlag, Berlin. Zwei Dichter der jüdischen Literatur des Ostens, Bialik und Perez, gehören bereits der Weltliteratur an. Als dritter wird sich Abramowitsch zu ihnen gesellen, sobald seine Werke in die Kultursprachen des Westens Übersetzt sein werden. Der Jüdische Verlag beginnt nun, seine Dichtungen dem deutschen Külturkreise bekannt zu machen, eure Ausgabe seiner bedeutendsten Erzählungen zu veranstalten und veröffentlicht als erste des Dichters Autobiographie „Schlormale", die alle Vorzüge seiner großen Darstellungskunst in sich birgt. Sie zeigt den Epiker in seiner vollen Kraft, dessen mit majestätischer Ruhe schaffende Feder den jüdischen Menschen und das jüdische Leben im großen Zuge ihrer innersten Seele zu erfassen weiß. Weit entfernt von der Ansitte psychologischen Sezierens schildert er Typen, die wirkliche charatterrstische Vertreter ihres Standes oder ihrer Klaffe sind, und so ist Menoale dev wirkliche Volksdichter, der das Volk zu schildern undzum Volke zu reden weiß. Daß die schön ausgestaltete Ausgabe dem Dichter auch im deutschen Leserkreise Freunde und Anhänger verschaffen wird, ist gewiß. F. G.

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